{"id":1656,"date":"2016-01-21T23:07:34","date_gmt":"2016-01-21T22:07:34","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1656"},"modified":"2016-01-21T23:07:34","modified_gmt":"2016-01-21T22:07:34","slug":"david-bowie-%e2%98%85-blackstar-smi-colsony-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/david-bowie-%e2%98%85-blackstar-smi-colsony-2016\/","title":{"rendered":"David Bowie \u2013 \u2605 (Blackstar) \u2013 Smi Col\/Sony 2016"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1657\" title=\"David Bowie - Blackstar\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/David-Bowie-Blackstar.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1658\" title=\"David Bowie - Blackstar Vinyl\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/David-Bowie-Blackstar-Vinyl.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Von Matthias Bosenick (21.01.2016)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Bereits am 8. Januar stehen Song und Album des Jahres 2016 fest: Beides ist \u201eBlackstar\u201c von David Bowie. Damit machte er sich und dem Rest der Welt ein schwer zu \u00fcbertreffendes Geschenk. Au\u00dfer ihm selbst wusste wohl niemand, dass es das letzte gewesen sein sollte; zwei Tage sp\u00e4ter war der nun Neunundsechzigj\u00e4hrige tot. Was f\u00fcr ein Abgang: So unkonventionell wie auf \u201eBlackstar\u201c sind oft nicht mal seine jungen Epigonen. Mit dem Wissen um Bowies Ende mag man eine Todesahnung aus der Musik heraush\u00f6ren. Auch ohne ist \u201eBlackstar\u201c ein Blick in die Zukunft, die wir nun nicht mehr erleben d\u00fcrfen: Bowie pfeift auf Erwartungen und macht, worauf er Bock hat. Damit \u00fcbertrifft \u201eBlackstar\u201c den etwas gef\u00e4lligen und fast langweiligen Vorg\u00e4nger \u201eThe Next Day\u201c und ein Vielfaches. So h\u00e4tte es weitergehen d\u00fcrfen. Darf es aber nicht. Leider.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Nicht umsonst nannte man Bowie das Cham\u00e4leon, so oft, wie er sein \u00c4u\u00dferes und auch seine Musik \u00e4nderte. Er war ebenso unkonventionell, wie er auch konventionell sein konnte. Jeder Radioh\u00f6rer kennt ihn, und gleichzeitig lieferte er Vorlagen f\u00fcr die absonderlichsten Indiemusiker. Oder arbeitete gleich mit ihnen zusammen oder coverte sie oder lie\u00df sich von ihnen remixen. Besonders in den acht Jahren vor seinem gesundheitlich bedingten R\u00fcckzug 2003 zeigte er, wie weit sein Horizont war. Remixe von Nine Inch Nails; deren Trent Reznor spielte sogar im Video zu \u201eI&#8217;m Afraid Of Americans\u201c eine beunruhigende Rolle. Gleichzeitig fertigten die Pet Shop Boys einen Mix von \u201eHello Spaceboy\u201c an. Weitere Remixer waren Air und Moby. Bowie coverte die Pixies und Neil Young, Jonathan Richman und Ronnie Spector, sogar Sigue Sigue Sputnik. Er f\u00f6rderte junge Musiker wie Placebo und Scarlett Johansson mit seiner Stimme als Beitrag zu ihren Songs. All das nahmen viele Leute gar nicht so richtig wahr, weil sie den gegenw\u00e4rtigen Bowie l\u00e4ngst von ihrem Monitor gewischt hatten. Es gab coolere Sachen im Indiebereich, dachten die einen, und Gef\u00e4lligeres im Radio, glaubten die anderen. Das mag zutreffend sein, aber Bowie lieferte ansprechende Qualit\u00e4tsmusik ab und bewies einen weiten Horizont.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Alles jubelte nun, als Bowie 2013 nach zehn Jahren Auszeit mit \u201eThe Next Day\u201c re\u00fcssierte. Das Album war ein Blick auf Bowies eigene Vergangenheit, er bediente sich in seinem bisherigen Leben und Oeuvre. Das war ganz fein, aber auf weiten Strecken eher \u00f6de, muss hier mal festgehalten sein. Den besten Track aus der Zeit lieferte James Murphy ab, der dieser Tage seine LCD Soundsystem reformierte, nat\u00fcrlich: Er remixte \u201eLove Is Lost\u201c zu einem mehr als zehn Minuten langen, aufregend ungelenk klingenden Tanzbrocken. Eben jener James Murphy ist auch auf \u201eBlackstar\u201c Gast, er bedient bei zwei Songs die Percussions. Das ist mal Luxus, Herr Bowie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und \u201eBlackstar\u201c ist das Vermeiden von Erwartbarkeiten. Nach \u201eThe Next Day\u201c sah Bowie irgendwo einige junge Jazzmusiker spielen und heuerte sie spontan f\u00fcr den Song \u201eSue (Or In A Season Of Crime)\u201c an, der er der j\u00fcngsten Werkschau \u201eNothing Has Changed\u201c beif\u00fcgte und der in einer neuen Fassung auch auf \u201eBlackstar\u201c enthalten ist. Auf diesem Album sind auch diese Jazzer die ma\u00dfgeblichen Musiker. Das Saxophon bekommt den freien Raum, den es schon in den Achtzigern bei Bowie hatte, und das Schlagzeug klingt satt und trocken wie eben auf modernen Jazzaufnahmen. Das allein ist schon mal geil. Und dann diese Songs, die nach herk\u00f6mmlicher Ansicht meistens keine sind. Der Opener ist der bereits im November als zehn Minuten lange Single ver\u00f6ffentlichte Titelsong: beklemmende Hibbelrhythmik mit Elektroeffekten und eben Saxophon sowie einer d\u00fcsteren Melodief\u00fchrung und einem verletzlichen Gesang, nach der H\u00e4lfte in einen vers\u00f6hnlichen Schunkler m\u00fcndend, der jedoch von einer leicht schr\u00e4gen Refrainzeile in einem Klammergriff des Unwohlseins gehalten wird. Inklusive Video ist dies wirklich einer der gr\u00f6\u00dften Songs seit Ewigkeiten.<\/span><\/p>\n<p>\u201e<span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">&#8218;Tis A Pity She Was A Whore\u201c treibt mit schnellerem Rhythmus nach vorn, ohne ein Rocksong zu sein; daf\u00fcr tirilieren die Saxophone zu avantgardistisch herum. \u201eLazarus\u201c kennt man als Folgesingle und unbewusst auch als Todesboten. Im R\u00fcckblick ist dies wohl Bowies deutlichster Fingerzeig auf sein baldiges Ende. In schleppendem Tempo groovt er sich mit \u2013 erneut \u2013 einem Saxophon um die Wette. Das bekannte \u201eSue (Or In A Season Of Crime)\u201c ist mit einem hektischen Drum-And-Bass-Beat unterlegt, wie schon weite Teile seines zu Unrecht gescholtenen Albums \u201eEarthling\u201c aus dem Jahr 1997. Hier ist der Rhythmus aber von einem Schlagzeuger gespielt, nicht von einer Maschine. Die latent dissonanten Sounds drumherum stehen im Kontrast zur langsamen Singstimme Bowies. Das schwer groovende \u201eGirl Loves Me\u201c k\u00f6nnte auszugsweise fast von einem modernen R&#8217;n&#8217;B-Vertreter sein, w\u00e4re das Schlagzeug nicht so fett und Bowies Stimme nicht so gut. Ab \u201eDollar Days\u201c klingt die Musik vers\u00f6hnlicher, beinahe weich, warm und angenehm, wie immer mit dem freien Saxophon als Gast, ebenso das finale \u201eI Can&#8217;t Give Everything Away\u201c, das in seiner epischen Ausformulierung beinahe an Bowies \u201eAbsolute Beginners\u201c erinnert. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Und das war&#8217;s. Knapp 42 Minuten Bowie zum Abschied. Und jede Minute, jeder Moment so unendlich wertvoll. Das w\u00e4re das Album auch ohne Bowies Tod gewesen, denn nach der Nabelschau freute man sich, dass der Meister wieder in die Zukunft blickte. Da stand es zu erwarten, dass k\u00fcnftig wieder \u00fcberraschende Musik von ihm kommen sollte. Wie diese. Kompromisslos und eigen. \u00dcber dem ganzen Album schwebt eine Stimme, so eindringlich und ausdrucksstark. So beh\u00e4lt man das Cham\u00e4leon in Erinnerung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Es ist sch\u00f6n, dass so viele Leute sich pl\u00f6tzlich so sperrige Songs wie \u201eLazarus\u201c oder \u201eBlackstar\u201c anh\u00f6ren. Schade nur, dass daf\u00fcr Bowie sterben musste. Denn gewiss ist, dass man \u201eBlackstar\u201c so \u00e4hnlich ignoriert h\u00e4tte wie seinerzeit die Alben ab \u201eEarthlings\u201c. Nun gut, so ger\u00e4t endlich mal wieder gehaltvolle Musik in den Mainstream.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Bedenklich war, dass die limitierte Vinyl-Version des Albums an Bowies Todestag im Internet statt f\u00fcr 22 bis 30 Euro pl\u00f6tzlich f\u00fcr 60 bis \u00fcber 300 Euro vertickt wurde. Sch\u00f6n sieht sie aus, die Gatefold-LP, mit einem Cut-Out-Stern als Cover, hinter dem die LP liegt, und einem zw\u00f6lfzollgro\u00dfen Booklet mit wundervollen Bildern (es gibt eine rare Ausgabe in transparentem Vinyl, aber die ist wirklich unbezahlbar). Die Musik gibt\u2019s per Code als Download. Wenn nun alles \u00fcberall ausverkauft ist, auch im Caf\u00e9 Riptide, zeigt die Erfahrung, dass man wertvolle Alben fast immer, manchmal auch Jahre sp\u00e4ter noch, in Wolfsburg findet. Erste Anlaufstelle von Braunschweig aus ist der Heinenkamp, der f\u00fcr die meisten Braunschweiger schon ein fremder Begriff ist: ein Gewerbegebiet an der A39, zum Wolfsburger Ortsteil Hattorf geh\u00f6rend. Dort residiert unter anderem eine Elektrokette mit M. Der Ritt durch die Unterhaltungsartikelregalreihen offenbart, dass dieser Laden, anders als der in Braunschweig oder der Schwesterladen mit dem Planeten im Namen in Wolfsburg, keine Schallplatten zu f\u00fchren scheint. Auf Nachfrage best\u00e4tigten Verk\u00e4ufer dies: kein Vinyl hier. Auf dem Weg aus dem Fachgesch\u00e4ft heraus fiel der Blick auf einen Stapel mit limitierten \u201eBlackstar\u201c-CDs in einer Pappschachtel und mit einem Pin f\u00fcr einen angemessenen Preis. Das erzeugte einen Interessenkonflikt: Dieses Ding hier kaufen oder es doch lieber in Wolfsburgs Innenstadt versuchen, die LP zu finden? Auf dem Nachbarstapel dann lagen die normalen Versionen der CD \u2013 und mitten darin klemmte die LP. Als einziges Exemplar. \u201eAch ja, die haben wir, genau einmal\u201c, sagte eine Verk\u00e4uferin. Genau eine LP \u2013 und genau die gesuchte. Jetzt ist der Bestand wieder bei Null.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.01.2016) Bereits am 8. Januar stehen Song und Album des Jahres 2016 fest: Beides ist \u201eBlackstar\u201c von David Bowie. Damit machte er sich und dem Rest der Welt ein schwer zu \u00fcbertreffendes Geschenk. Au\u00dfer ihm selbst wusste &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/david-bowie-%e2%98%85-blackstar-smi-colsony-2016\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,16],"tags":[],"class_list":["post-1656","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1656"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1656\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1659,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1656\/revisions\/1659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}