{"id":1638,"date":"2016-01-07T19:42:28","date_gmt":"2016-01-07T18:42:28","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1638"},"modified":"2016-01-19T13:08:06","modified_gmt":"2016-01-19T12:08:06","slug":"the-revenant-alejandro-gonzales-inarritu-usa-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-revenant-alejandro-gonzales-inarritu-usa-2015\/","title":{"rendered":"The Revenant \u2013 Alejandro Gonz\u00e1les I\u00f1\u00e1rritu \u2013 USA 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (07.01.2016) \/ Auch ver\u00f6ffentlicht auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/kino-the-revenant\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour \u2013 Der Stadtblog<\/a><\/p>\n<p>Drei eigene gute Ideen, ein unerbittlich leidender Leonardo di Caprio in \u00e4sthetisch eingefangener Landschaft zu hervorrangendem Score und ein allerorts zusammengeklautes Script sind die Quintessenz von 157 Minuten \u201eThe Revenant\u201c von Alejandro Gonz\u00e1les I\u00f1\u00e1rritu. Der einzige Spoiler ist dabei, dass es keinen Spoiler gibt: Da man alles schon unz\u00e4hlige Male gesehen hat, sind einem die Etappen jeweils schon vorher klar. Bei fortschreitender Spieldauer des Films sinkt man umso gelangweilter in den Kinositz. Hier w\u00e4ren k\u00fcrzer und mutiger besser gewesen \u2013 und ein anderer Hauptdarsteller.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Geschichte geht so: 1820 dringen Trapper in ein Indianergebiet in Alaska vor und rauben Felle. Die Landeigent\u00fcmer dulden das nicht und ziehen den Wei\u00dfen die Felle \u00fcber die Ohren. Auf der Flucht wird Hugh Glass (Leo) von einem B\u00e4ren attackiert und von einem Verr\u00e4ter seinem Schicksal \u00fcberlassen, nachdem der auch noch Glass&#8216; Sohn t\u00f6tete. Klar, dass der den Killer killen will. Also erstmal das \u00dcberleben bewerkstelligen und dann den Typen zur Strecke bringen. Fertig. Mehr Handlung ist nicht. Damit der Film deshalb aber nicht ganz so d\u00fcnn ausf\u00e4llt, strickt I\u00f1\u00e1rritu eine Parallelhandlung dazu, von der man zun\u00e4chst gar nicht begreift, dass sie parallel verl\u00e4uft, weil alle Typen irgendwie gleich abgezottelt aussehen. Es gibt genau zwei \u00dcberschneidungen zur Haupthandlung, die sich zum Ende als dritten \u00dcberschnitt einen Zirkelschluss erlaubt. Und der ist so banal wie alle anderen notd\u00fcrftig eingeklebten Symbole in diesem Film, wie das geflashbackte Blabla von Glass&#8216; hingemetzelter indianischer Frau und die auf die Trinkflasche geritzte Spirale. Auch hier: Mehr ist nicht.<\/p>\n<p>Vielleicht fiele das alles gar nicht so sehr auf, w\u00e4re der Film um eine Stunde k\u00fcrzer. Dann empf\u00e4nde man auch die \u00fcberragende Kameraarbeit als gelungener, denn wenn man immer dieselben \u00e4sthetischen Bilder vorgesetzt bekommt, nutzt sich das auch ab und ergibt seine eigene Banalit\u00e4t. Und man nimmt Leo den Glass nicht ab: Man sieht einen zotteligen Mann vor sich hin kriechen und \u00e4chzen, und dieser Mann hat nun mal das Gesicht von Leonardo di Caprio. Man beobachtet den fr\u00fcheren M\u00e4dchenschwarm dabei, wie er sich gerade eine Millionengage zusammenleidet. Ein unverbrauchter Darsteller w\u00e4re von der Rolle nicht mehr als er herausgefordert gewesen, denn so viel gibt die nicht her, weder in Bewegungen noch in Dialogen.<\/p>\n<p>Und dann, und dann: wundert man sich, dass dieser Crossover aus zwei Genres \u2013 \u00dcberleben und Rache \u2013 nicht mehr bietet als die Standards aus diesen zwei Genres. Wenn man sich als Filmemacher schon so viel M\u00fche macht, das Ganze spektakul\u00e4r zu filmen, warum investiert man dann nicht noch etwas Geld in ein \u00fcberzeugendes Drehbuch, anstatt sich tumb in der Filmgeschichte zu bedienen? Glass entwickelt sich hier vom \u00d6tzi zum Attila und nimmt diesen Weg \u00fcber die Stationen Robinson und Rambo. Wie letzterer brennt er sich mit Schie\u00dfpulver eine Wunde aus. Kennt man aus \u201eRambo 3\u201c. Um sich vor K\u00e4lte zu sch\u00fctzen, deckt sich Glass mit einem Tierkadaver zu. Kennt man aus \u201eStar Wars 2\u201c (also Episode V). Glass irrt durch einen undurchdringlichen Wald, in dem auch mal Leute vom Baum h\u00e4ngen. Kennt man aus \u201eBlair Witch Project\u201c. Glass sticht wem mit dem Messer ins Bein. Kennt man aus \u201eScream\u201c. Glass schleppt sich leidend und jammernd durch unwirtliche Gegenden. Kennt man aus \u201eHerr der Ringe\u201c. Glass wird st\u00e4ndig zerst\u00fcckelt und flie\u00dft doch wieder zusammen. Kennt man aus \u201eTerminator 2\u201c. Glass gibt eine Leiche als sich selbst aus, um den Gegner zu verwirren. Kennt man aus wie vielen Italowestern? Glass verfolgt seinen Todfeind bis zur Selbstaufgabe. Kennt man von wie vielen Charles-Bronson-Filmen? Und so.<\/p>\n<p>Ach, und dann: \u00fcberlebt der Typ auch die absurdesten Sachen. Den B\u00e4renangriff, klar. Wildwasser-Rafting ohne Boot im B\u00e4renfell bei Minusgraden. Er rettet seine Haut mehrfach bei Indianerangriffen. Einen Bison rei\u00dfende W\u00f6lfe interessieren sich nicht f\u00fcr den nahezu bewegungsunf\u00e4higen Menschen direkt daneben. Eine Lawine geht knapp hinter ihm den Berg herunter. Chuck Norris kann eine Ein-Schuss-Pistole ohne nachzuladen zweimal abfeuern. Glass st\u00fcrzt mit dem Pferd und \u2013 aber das w\u00e4re jetzt wirklich gespoilert.<\/p>\n<p>Denn der Sturz ist eine von ganzen drei \u00fcberraschenden Szenen im gesamten Film. Die zweite ist die mit dem B\u00e4ren, die so \u00fcberzeugend gefilmt ist, dass man die Tricktechnik nicht erkennt. Anders als beispielsweise bei der Lawine, den Bisons oder dem Wind in dem Baumwipfeln. Die dritte gute Sequenz ist direkt die Er\u00f6ffnung: Da zeigen I\u00f1\u00e1rritu und sein Kameramann Emmanuel Lubezki, wie der Film auch h\u00e4tte aussehen k\u00f6nnen. Wahrhaft furios er\u00f6ffnen sie das Spektakel, als Indianer die Trapper \u00fcberfallen. Die Kamera agiert wie ein Lebewesen, da erkennt man noch die vorherige gemeinsame Tat \u201eBirdman\u201c, wenn das objektive Auge mit den Personen umhergleitet und im Dominoeffekt die Begleiter wechselt. Das ist gro\u00dfartig gemacht und weckt die Hoffnung auf unterhaltsame und eindrucksvolle Stunden im Kino. Doch bremst I\u00f1\u00e1rritu nach der Szene mit dem B\u00e4ren das Tempo. Und erlaubt sich gleichzeitig, im Handlungsverlauf sprunghaft und in der zeitlichen Abfolge uneindeutig zu sein. Er bremst den Film dann so weit herunter, dass es im Showdown zu einem Verfolgungsspaziergang kommt. Man \u00e4chzt mit Leo.<\/p>\n<p>Neben der Kamera ist die Musik das wichtigste wertvolle Element. Verantwortlich f\u00fcr den Score sind \u00fcberraschenderweise Elektroheld Ry\u00fbichi Sakamoto und Carsten Nicloai alias Alva Noto sowie Bryce Dessner von The National. Man h\u00f6rt eine Mischung aus Neoklassik und Industrial, die die obgleich wundersch\u00f6ne und beeindruckende, so doch aufgrund ihrer Lebensbedrohlichkeit beklemmende Landschaft kongenial (das bescheuerte Wort muss hier fallen) in ihren Eigenschaften repr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Das letzte Interessante an dem Film muss man jedoch nachlesen. I\u00f1\u00e1rritu verfolgte einige Regeln des \u201eDogma 95\u201c, indem er den Film in der richtigen Reihenfolge und komplett ohne Kunstlicht drehte. Das war nat\u00fcrlich ein erheblicher Aufwand f\u00fcr \u2013 der Abspann sagt dies \u2013 satte 15.000 Besch\u00e4ftigte. Yo, man! Jetzt h\u00e4tte der Film nur noch gut sein m\u00fcssen. Ist er aber nicht ausreichend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.01.2016) \/ Auch ver\u00f6ffentlicht auf Kult-Tour \u2013 Der Stadtblog Drei eigene gute Ideen, ein unerbittlich leidender Leonardo di Caprio in \u00e4sthetisch eingefangener Landschaft zu hervorrangendem Score und ein allerorts zusammengeklautes Script sind die Quintessenz von 157 Minuten &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-revenant-alejandro-gonzales-inarritu-usa-2015\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1638","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1638"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1654,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1638\/revisions\/1654"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}