{"id":1620,"date":"2015-12-22T16:59:23","date_gmt":"2015-12-22T15:59:23","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1620"},"modified":"2015-12-23T09:38:36","modified_gmt":"2015-12-23T08:38:36","slug":"goodiepal-live-im-jazzhouse-in-kopenhagen-am-16-dezember-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/goodiepal-live-im-jazzhouse-in-kopenhagen-am-16-dezember-2015\/","title":{"rendered":"Goodiepal \u2013 Live im Jazzhouse in Kopenhagen am 16. Dezember 2015"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-63.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1621\" title=\"Bar im Jazzhouse\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-63-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-64.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1622\" title=\"Goodiepal tanzt zu MC Dan Mark\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-64-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-65.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1623\" title=\"Leuchttrompeter und Percussionist\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-65-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-67.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1624\" title=\"Goodiepal und Schlagzeuger\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-67-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-69.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1625\" title=\"Intellektuellenherausforderung Gl\u00e4serlauschen\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-69-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-70.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1626\" title=\"Werbejingle\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-70-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-71.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1627\" title=\"Zu tief ins Glas\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-71-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-78.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1628\" title=\"Unscheinbare Computerloungerin\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Goodiepal-78-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (22.12.2015)<\/p>\n<p>Unklar ist: Bedient Goodiepal mit seiner \u201eVirtuosen Computer-Lounge\u201c die Intellektuellen oder f\u00fchrt er sie vor? Sp\u00e4testens, wenn er das Publikum dazu bringt, mit \u00fcber die Ohrmuscheln gest\u00fclpten Gl\u00e4sern einem infernalischen White Noise zu lauschen, m\u00f6chte man an letzteres glauben. Zum anscheinend dritten Mal in Folge gastierte der umstrittene 41-j\u00e4hrige K\u00fcnstler zum Jahresende im Kopenhagener Jazzhouse. Ohne Erl\u00e4uterer unter den G\u00e4sten fiele es dem Nichtd\u00e4nischsprechenden schwer, den \u00dcberbau des Abends zu erahnen, sowie in der Folge, in diesem Konzert durchgehend \u00fcberhaupt Musik auszumachen. Das Wichtigste ist indes, dass man dem Querkopf einmal die Hand sch\u00fcttelte und sich somit seiner Existenz gewiss sein kann.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Vermutlich muss man Goodiepal, der \u2013 so behauptet es die Wikipedia-Seite, die er als seine offizielle Webseite verlinkt \u2013 1974 als Parl Kristian Bj\u00f8rn Vester auf den Far\u00f6er-Inseln geboren wurde, als Performance-K\u00fcnstler begreifen. Dem Rezensenten fiel er 2008 als Remixer f\u00fcr Under Byen auf, die es \u00fcberhaupt nicht verknusen konnten, dass Goodiepal statt eines Remixes einen eigenen, achtzigerinspirierten Track auf Vinyl presste und die B-Seite mit Kratzern und Stickern unh\u00f6rbar machte. Bei Route 66, dem offenbar besten Plattenladen D\u00e4nemarks, richtete man dem Mann ein eigenes Fach ein und wei\u00df dort haufenweise Geschichten zu kolportieren. Derer so viele, dass man den Eindruck erhalten kann, es mit einem uralten Man mit wei\u00dfem Rauschebart zu tun zu haben, der die Kunst- und Musikszene D\u00e4nemarks skurril und schrill aufmischt.<\/p>\n<p>Pustekuchen: Goodiepal ist erst knapp \u00fcber 40, tr\u00e4gt eine naturgegebene M\u00f6nchstonsur, einen akkurat gestutzten Vollbart, eine viel zu gro\u00dfe Brille und sieht aus wie ein Nerd mit Karohemd unter einem langen Kleid, also fast wie ein Derwisch, und so benimmt er sich zuweilen auch. Mit Fl\u00f6tent\u00f6nen geleitet er die an der Bar im Erdgeschoss des Jazzhouse wartenden G\u00e4ste \u00fcber die Hintertreppe ins Untergeschoss zum Auftrittsort. Es geht an unsortierten Abstellkammern, vollger\u00fcmpelten Toiletten und schlecht verputzten W\u00e4nden entlang. Ein sch\u00f6ner Auftakt.<\/p>\n<p>Unten lauern zwei Percussionisten und Schlagzeuger an ihren Instrumenten, jeweils an zwei Enden der nicht weiter als Auftrittsfl\u00e4che gekennzeichneten Ebene vor der B\u00fchne. Auf der steht ein ungelenker Jugendlicher mit Baseballcap und Camouflagehosen an einem Mikrofon. Neben dem Mischpult erhellt ein Scheinwerfer einen Trompeter. Auf der anderen Seite, im Publikum verschollen, hantiert eine Musikerin mit einem obskuren elektronischen Ger\u00e4t herum und erzeugt damit offenbar die repetetiven Kl\u00e4nge, die sich gelegentlich zu Rhythmen kumulieren. In der Mitte, am Mischpult, sitzt ein Mann am Laptop und macht irgendetwas. Der K\u00fcnstler selbst leitet wortgewandt den Abend ein \u2013 zumindest spricht er viel und lang und bringt damit sein Publikum zum herzhaften Lachen.<\/p>\n<p>Was er erz\u00e4hlt, fasst in der Pause ein Mitgast zusammen: Offenbar interpretiert Goodiepal an diesem letzten von drei Jazzhouse-Tagen Fremdkompositionen mit dem Ziel, herauszufinden, ab wann eine Interpretation eine Eigenkomposition ist. Interessanter Ansatz in Zeiten von Copyrightklagen und Urheberrechtsdiskussionen, der indes noch interessanter w\u00e4re, bek\u00e4me man auch die Originale zu Geh\u00f6r. Ohne Vergleich und ohne dieses Wissen h\u00e4lt man alles f\u00fcr Eigenkomposition. Beziehungsweise f\u00fcr abgedrehte Improvisation, f\u00fcr die es jenseits des Momentes ohnehin keine Komposition gibt.<\/p>\n<p>Auf Grundlage der elektronischen Ger\u00e4usche nun steuern die Percussionisten und der Trompeter im ersten Teil, der fast eine Stunde dauert, gelegentlich dronig-ambientale Ger\u00e4uschschnipsel bei, w\u00e4hrend Goodiepal alternierend fl\u00f6tet oder den Rapper namens MC Dan Mark dazu auffordert, seine Texte kreisf\u00f6rmig zu wiederholen, und dann dazu wild und ausladend abtanzt. \u201eElectrolux\u201c hei\u00dft dieses St\u00fcck. Die Rhythmen kommen in dieser Stunde zumeist nur dann zustande, wenn MC Dan Mark versch\u00fcchtert rappt.<\/p>\n<p>Beim zweiten St\u00fcck, das deutlich k\u00fcrzer ausf\u00e4llt, nimmt MC Dan Mark auf der Bank hinter dem Mischpult Platz und haut sich dem Wams mit Kartoffelchips voll. Daf\u00fcr l\u00e4sst Goodiepal die Musik dieses Mal gelegentlich zu elektronisch-noisigen Postrock-Monstern anh\u00e4ufen. Man sieht Leute mitwippen, und das zu Recht; hier dringen erkennbare Strukturen durch, die nach mehr als provozierender Willk\u00fcr klingen. Pl\u00f6tzlich verschwindet Goodiepal in der im Dunklen liegenden geschlossenen Bar im hinteren Teil des Kellers und stapelt ger\u00e4uschvoll Gl\u00e4ser auf einen Servierwagen. Nach einer Weile schiebt er den Wagen vor die B\u00fchne und beginnt damit, paarweise Gl\u00e4ser aus der Bar heraus zu schleppen, stets dabei rhythmisch scheppernd und klirrend. Was wie eine Spontaneingebung wirkt, muss geplant gewesen sein, denn f\u00fcr die Gl\u00e4ser hat er anschlie\u00dfend Verwendung.<\/p>\n<p>Jetzt kommt es n\u00e4mlich dazu, dass er das Publikum dazu auffordert, sich bei den Gl\u00e4sern zu bedienen und sie sich f\u00fcr das Folgende an die Ohren zu halten. Dieses Folgende besteht aus einer projizierten Soundkurve, die aussieht wie ein mystisches spirituelles Symbol und die die Visualisierung des Ger\u00e4usches darstellen soll, das nun erklingt. Und dabei handelt es sich um absolut konturloses, infernalisch br\u00fcllendes Wei\u00dfes Rauschen. Das die Leute tats\u00e4chlich konzentriert mit Gl\u00e4sern \u00fcber den Ohren verfolgen. Wie zum Henker soll davon ein Original klingen? Man blickt sich im Raum um, sieht die Menschen and\u00e4chtig lauschen und das \u00fcber die Leinwand wandernde Symbol verfolgen und kann nicht anders als lauthals lachen.<\/p>\n<p>Dieser Impuls setzt sich beim n\u00e4chsten Track fort. Wieder erscheinen Kurven auf der Leinwand, vier ineinander verwobene Farblinien wandern gem\u00e4chlich \u00fcber einen senkrechten Strich. In einer Reihe stehen Goodiepal und drei weitere K\u00fcnstler und pfeifen diese wirren Linien nach. Konzentrierte Totenstille im Publikumsbereich, schrille Interferenzen in den Ohren, Lachmuskelkater im Zwerchfell. Die folgende Pause ist dringend n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Nach der Pause sprechen Goodiepal und ein paar Schauspieler auf der B\u00fchne einen Werbejingle ein, danach gibt es noch etwas Musik, und dann ist der obskure Abend auch vorbei. Nicht ganz wie angek\u00fcndigt bis um drei Uhr morgens dauerte das Ereignis, aber doch bis sp\u00e4t in die Nacht. Ohne Erkl\u00e4rungen hat man ein vermutlich provokantes St\u00fcck Improvisationsmusik erlebt. Wirklich das Leben bereichernd war dies nat\u00fcrlich nicht, den Intellekt hat es auch eher belustigt als gefordert.<\/p>\n<p>Bei solch fremdartigen Begegnungen zieht man nat\u00fcrlich Vergleiche. Was kaum m\u00f6glich ist. Was hat man da: ein bisschen Fraktus, ein bisschen \u201eHurz\u201c, ein bisschen Helge Schneider? Streicht man das Wissen weg, dass man hier gerade den im gesamten K\u00f6nigreich D\u00e4nemark umstrittensten K\u00fcnstler in der permanent angesagten Hauptstadt des D\u00e4nenreiches erlebte, kann man Vergleichbares auch in Braunschweig erleben. Projekte wie die blackhole-factory in der Kunstm\u00fchle basieren auch auf technischen Experimenten, lassen aber mehr Struktur und weniger Willk\u00fcr durchscheinen. Auf bescheuerte Ideen kommt man \u00fcberall, eine Bedeutungsschwere bekommen aber nicht viele beigemessen. Letztlich best\u00e4rkt einen dieses Erlebnis einmal mehr darin, Sachen mal einfach zu machen. Damit ist man dann n\u00e4mlich nicht der einzige.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (22.12.2015) Unklar ist: Bedient Goodiepal mit seiner \u201eVirtuosen Computer-Lounge\u201c die Intellektuellen oder f\u00fchrt er sie vor? 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