{"id":1611,"date":"2015-12-08T16:17:44","date_gmt":"2015-12-08T15:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1611"},"modified":"2015-12-08T16:17:44","modified_gmt":"2015-12-08T15:17:44","slug":"das-brandneue-testament-le-tout-nouveau-testament-jaco-van-dormael-bfl-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/das-brandneue-testament-le-tout-nouveau-testament-jaco-van-dormael-bfl-2015\/","title":{"rendered":"Das brandneue Testament (Le tout nouveau testament) \u2013 Jaco van Dormael \u2013 B\/F\/L 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (08.12.2015)<\/p>\n<p>\u201eDas brandneue Testament\u201c ist voller hochgradig guter Sequenzen, die Regisseur Jaco van Dormael leider ohne einen schl\u00fcssigen Zusammenhalt aneinanderreiht. Die Inhalte sind gro\u00dfartig, doch die Ausrichtung ist beliebig. Vom Punkrock zur Schmalzschnulze, aber beides nicht konsequent. In diesem Film lebt Gott als ein Despot in Br\u00fcssel und terrorisiert seine Familie (also Frau und Tochter, der Sohn ist ja schon weg). Die Tochter Ea flieht vor ihm und sammelt sechs Apostel um sich \u2013 da schwenkt der Film vom lustiglich fluchenden Gott zum r\u00fchrseligen Tr\u00e4nenzieher. Beides passt nicht zusammen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Familie Gott lebt in einem hermetisch verschlossenen Appartement in Br\u00fcssel. Gott hat den Menschen geschaffen, um seinen Gnatz an ihm auszuleben: Er hetzt die Leute in seinem Namen gegeneinander auf und erfindet lauter Ungl\u00fccksregeln. Au\u00dferdem h\u00e4lt er seine Frau f\u00fcr bl\u00f6d und schl\u00e4gt seine Tochter. Klar, dass die flieht. Vorher schickt sie noch von Gottes Computer aus allen Erdenb\u00fcrgern ihre Todesdaten auf die Mobiltelefone und sorgt damit f\u00fcr eine spannende \u00c4nderung der Geisteshaltungen in der Menschheit. Die sechs Apostel, die Ea sich sucht, stehen stellvertretend f\u00fcr die Reaktionen auf die preisgegebenen Todesdaten. Unterm Strich geht es vermutlich beim ganzen Film um die Frage an jeden Betrachter, wie er sein Leben zu gestalten und womit er es zu f\u00fcllen gedenkt. So weit, so gut.<\/p>\n<p>Eine Randfigur namens Kevin hat noch 64 Jahre zu leben und st\u00fcrzt sich aus immer gr\u00f6\u00dferen H\u00f6hen auf die Erde herab, schlie\u00dflich steht sein Tod ja noch nicht an. Dies und der fluchende Gott geh\u00f6ren zu den punkrockigen Lachmomenten. Die aber bald im Ernst und im Tr\u00e4nenmeer versickern, das aus den sechs Aposteln dringt: Eine wundersch\u00f6ne Frau ist einsam, weil sie eine Armprothese tr\u00e4gt. Ein ungl\u00fccklich verheirateter Mann will mit dem Gewehr auf Menschen schie\u00dfen, weil ihr Todeszeitpunkt ja vorherbestimmt ist und er dann nur den Plan erf\u00fcllt. Ein einsamer Mann verschwendet sein Geld f\u00fcr Peepshows und erinnert sich schw\u00e4rmerisch an eine Kindheitsbegegnung am Strand. Eine \u00e4ltere Frau wird von ihrem reichen Gatten ignoriert und beginnt eine Liebschaft mit einem Zirkusgorilla. Ein mit sinnlosen Aufgaben betreuter Angestellter l\u00e4uft einem Vogel hinterher. Ein von seiner Mutter krank argumentierter Junge beschlie\u00dft, nur noch Kleider zu tragen und ein M\u00e4dchen sein zu wollen.<\/p>\n<p>Jede Geschichte f\u00fcr sich erz\u00e4hlt Jaco van Dormael in einem eigenen Stil, die Todesgeschichten des potentiellen Sch\u00fctzen etwa mit dreidimensionalen Standbildern. Doch zieht er dies nicht durch, da sich die Protagonisten irgendwann treffen und ihre Geschichten sich verkn\u00fcpfen oder sie anderweitig zerfasern. Ebenso ist es auch mit den Inhalten und den vermittelten Stimmungen. Zudem tritt Gott zusehends in den Hintergrund, an seiner Stelle erf\u00e4hrt seine Frau pl\u00f6tzlich eine Bedeutungsaufwertung. R\u00e4tselhaft, das alles.<\/p>\n<p>Sicher, der Film strotzt vor guter Ideen. Als der vermeintliche Killer sich in eine andere Frau verliebt, nimmt er seine Gattin und seinen Sohn nur noch durch einen dumpfen Nebel wahr. Ea kann das pers\u00f6nliche Lied jedes Menschen h\u00f6ren und benennen. Die Fluchtm\u00f6glichkeit aus der Gotteswohnung ist eine Waschmaschine, die auch schon Jesus genutzt hat. Au\u00dferdem sind viele Bilder sch\u00f6n und rechtfertigen es, den Film im Kino zu sehen. Zeitgleich \u00fcbertreibt es van Dormael aber mit den CGI-Effekten; der Vogelschwarm etwa, den er ewig zeigt, sieht eindeutig errechnet aus. Zudem erinnert insbesondere der Einsatz von Computereffekten in Zusammenhang mit einem jungen M\u00e4dchen als Hauptfigur an \u201eDie fabelhafte Welt der Am\u00e9lie\u201c, doch anders als Jean-Pierre Jeunet gelingt es van Dormael nicht, seine Ideen schl\u00fcssig zu b\u00fcndeln.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Filmes wechselt die Stimmung des Betrachters daher von der Belustigung \u00fcber das Ber\u00fchrtsein in die Teilnahmslosigkeit. Das kann nicht der Effekt sein, den ein Filmemacher erzielen will. Trotz der begnadeten Einf\u00e4lle und der schauspielerischen Leistungen von Leuten wie Yolande Moreau, Catherine Deneuve und Beno\u00eet Poelvoorde wird man den Film deshalb bestimmt nicht zwingend erneut sehen wollen. Sehr schade.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.12.2015) \u201eDas brandneue Testament\u201c ist voller hochgradig guter Sequenzen, die Regisseur Jaco van Dormael leider ohne einen schl\u00fcssigen Zusammenhalt aneinanderreiht. 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