{"id":161,"date":"2012-06-27T17:30:06","date_gmt":"2012-06-27T15:30:06","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=161"},"modified":"2013-11-15T13:12:31","modified_gmt":"2013-11-15T12:12:31","slug":"ai-weiwei-never-sorry-alison-klayman-usa-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ai-weiwei-never-sorry-alison-klayman-usa-2011\/","title":{"rendered":"Ai Weiwei: Never Sorry \u2013 Alison Klayman \u2013 USA 2011"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-667\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (27.06.2012)<\/p>\n<p>Es ist gut, dass es Menschen wie Ai Weiwei gibt, und schlimm, dass es sie geben muss. Ai ist ein K\u00fcnstler, und doch ist er mehr: Er gibt den Menschen in seinem Mutterland China Hoffnung, und eigentlich gibt er sie auch dem ganzen Rest der Welt. Der filmhistorisch komplett unbeleckten Alison Klayman gab Ai die Erlaubnis, ihn zu begleiten und seinen Alltag zu dokumentieren. Das Ergebnis ist ein weit runderes Bild, als man es aus Berichten \u00fcber den Aktivisten und K\u00fcnstler sonst bekommt. Klayman erg\u00e4nzt diese beiden um eine weitere Komponente: Die Person Ai Weiwei. Der Film ist auch f\u00fcr Zuschauer ohne Vorkenntnisse verst\u00e4ndlich, weil Klayman zu allem, was sie zeigt, die jeweilige Vorgeschichte mitliefert. Klayman zeigt Ai im Kampf gegen ein autorit\u00e4res Regime und f\u00fcr Transparenz und Gerechtigkeit \u2013 und macht damit nur deutlich, dass Ais Probleme keine rein chinesischen sind.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ai, der K\u00fcnstler: Der 54-J\u00e4hrige schafft Raumgreifendes mit Bezug zu seiner Heimat. So bemalt er etwa steinzeitliche Tongef\u00e4\u00dfe oder versieht sie mit der Aufschrift \u201eCoca Cola\u201c, verkn\u00fcpft alte chinesische M\u00f6bel miteinander, l\u00e4sst von chinesischen Manufakturmitarbeitern 100 Millionen Keramik-Sonnenblumenkerne handbemalen oder ordnet 9000 Rucks\u00e4cke so nach Farben an, dass sie auf Chinesisch den Satz \u201e<em>Sieben<\/em> Jahre lebte sie gl\u00fccklich in dieser Welt\u201c ergeben. Das hat alles definitiv beeindruckendes \u00e4sthetisches Potential \u2013 aber auch eine Bedeutung.<\/p>\n<p>Ai, der Aktivist: Damit, dass er historische Objekte wiederverwendet, protestiert er etwa gegen die Haltung der chinesischen Regierung, Vergangenheit zu verschleiern. Mit den 9000 Rucks\u00e4cken nimmt er Bezug zu einer Aktion, mit der er die Folgen eines Erdbebens aufarbeitete, indem er Freiwillige fand, die die Namen der bei dem Beben zu Tode gekommenen Schulkinder ermittelte \u2013 gegen den Willen der Regierung. Bei all seinen Aktionen nutzt Ai das Internet, er twittert und bloggt und erzeugt so eine \u00d6ffentlichkeit, die seine Regierung teilweise mit Gewalt zu verhindern versucht. Seine weltweite Prominenz sch\u00fctzt ihn nur bedingt: Bis vor einem Jahr setzte ihn die Regierung f\u00fcr 81 Tage in Haft und entlie\u00df ihn nur mit strengsten Auflagen. Trotzdem h\u00f6rt Ai nicht auf.<\/p>\n<p>Ai, der Mensch: Eigentlich schirmt Ai sein Privatleben von seinem \u00f6ffentlichen Leben ab. So sehr er sich f\u00fcr Transparenz einsetzt, so wenig l\u00e4sst er sie bei sich zu. Doch nicht um seiner selbst willen: Er sch\u00fctzt damit seine Angeh\u00f6rigen und Freunde. Die entscheiden selbst, inwieweit sie sich in die \u00d6ffentlichkeit begeben wollen, und nehmen Klaymans Film zaghaft zum Anlass dazu. So sieht man seine Mutter, seinen Bruder, seine Frau, seinen Sohn sowie dessen Mutter \u2013 eine merkw\u00fcrdige Konstellation, die Ai schulterzuckend mit \u201emanchmal passieren ungew\u00fcnschte Dinge\u201c kommentiert. Klayman zeigt Ai als freundlichen Chef, der wie Andy Warhol Angestellte f\u00fcr sich die Kunst machen l\u00e4sst, die ihm wie \u201eAuftragskiller\u201c folgen, zeigt ihn als beistehenden Gatten und f\u00fcrsorglichen Vater, zeigt ihn als rebellischen Sohn mit eigenem Kopf.<\/p>\n<p>So ergibt sich das Bild von einem eigensinnigen, k\u00e4mpferischen, aufgekl\u00e4rten und sympathischen B\u00e4ren, der den m\u00fchsamen Kampf gegen die M\u00fchlen seines autorit\u00e4ren Regimes aufgenommen hat. Ai macht Mut, mit allem, was er tut: Es ist m\u00f6glich, seine Stimme zu erheben, eine \u00d6ffentlichkeit zu bekommen, Nachfolger \u2013 nicht nur auf Twitter \u2013 zu finden. Dabei sei er nicht furchtlos, wie er betont: Er habe Angst, aber wenn er sich nicht gegen die Umst\u00e4nde stemme, w\u00fcrde die Angst noch gr\u00f6\u00dfer. Eine beachtliche Motivation.<\/p>\n<p>Da sind dann auch drastische Worte und Gesten erlaubt. In solch einem Kontext ist ein \u201eFuck\u201c wirkungsvoll und ein gegen den Tian&#8217;anmen-Platz gerichteter Stinkefinger so aussagekr\u00e4ftig wie der ganze Film. Bei allem ist Ai kein schlichter Zerst\u00f6rer, was ihm wie allen Regime- und sonstigen Staaskritikern gerne unterstellt wird: Im Grunde ist er ein Patriot, denn nur, wer ein Interesse am Wohlergehen seines Landes hat, benennt dessen Missst\u00e4nde. Das gilt \u00fcberall. Es ist an der Zeit. In einem autorit\u00e4ren Regime leben wir Europ\u00e4er auch schon l\u00e4ngst \u2013 und lassen es zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.06.2012) Es ist gut, dass es Menschen wie Ai Weiwei gibt, und schlimm, dass es sie geben muss. 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