{"id":1607,"date":"2015-12-07T16:44:50","date_gmt":"2015-12-07T15:44:50","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1607"},"modified":"2015-12-07T16:44:50","modified_gmt":"2015-12-07T15:44:50","slug":"between-dog-and-wolf-the-new-model-army-story-matt-reid-cadiz-filmhustler-street-films-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/between-dog-and-wolf-the-new-model-army-story-matt-reid-cadiz-filmhustler-street-films-2015\/","title":{"rendered":"Between Dog And Wolf: The New Model Army Story \u2013 Matt Reid \u2013 Cadiz Film\/Hustler Street Films 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1608\" title=\"Between Dog And Wolf - The New Model Army Story\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/Between-Dog-And-Wolf-The-New-Model-Army-Story.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"147\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1609\" title=\"New Model Army - Between Wine And Blood Live\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/New-Model-Army-Between-Wine-And-Blood-Live.jpg\" alt=\"\" width=\"112\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (07.12.2015)<\/p>\n<p>Man mag sich kaum vorstellen k\u00f6nnen, dass es eine ausreichende Betrachterschaft f\u00fcr eine Dokumentation \u00fcber New Model Army gibt. Doch sagt es der vorliegende Film selbst: Zwar hat die Band aus Bradford in England keine richtigen Hits, aber daf\u00fcr eine getreue Gefolgschaft, auch in mehr als 30 Jahren. Dann sieht man sich diesen Film an und sich danach darin best\u00e4tigt, dass es gut ist, Fan dieser Band zu sein. Die Musiker sind unangepasst, kreativ, musikalisch ausdrucksstark und charakterlich sympathisch. Sie haben keine All\u00fcren und erf\u00fcllen keine Rockstarklischees. Gottlob. Daf\u00fcr trugen ihre Fans in den Achtzigern Holzclogs und entwickelten einen eigenen Tanzstil. Wei\u00df das wer? Und es gibt in diesem Film noch so viel mehr zu entdecken.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>\u201eBetween Dog And Wolf\u201c ist sicherlich kein cineastischer Meilenstein der Musikerdokumentation. Daf\u00fcr hat der Film eben mehr Inhalt, weil die Protagonisten nun mal welchen haben. Und zwar von Anfang an. New Model Army waren politisch, \u00e4u\u00dferten ihre linke Haltung zur Politik von Margaret Thatcher, zum Bergarbeiterstreik, zu Milit\u00e4reins\u00e4tzen. Auch wenn sp\u00e4ter Landschaftsbetrachtungen und pers\u00f6nliche Standortbestimmungen in die Texte einflossen, lie\u00dfen Justin Sullivan und seine Mitmusiker nie von Politik und Gesellschaft als treibenden Themen ab. Anders aber als ihr Partner In Crime Billy Bragg transportierten New Model Army ihre Inhalte besonders am Anfang mit Wut und Aggression; dennoch lie\u00dfen sie sich nicht im Metal oder Punk verorten, auch nicht im Gothic, obwohl viele Fans aussahen wie Gothic-Punks. \u201eMan kann sie nicht kategorisieren\u201c, hei\u00dft es im Film. Zu Recht. Was auch dazu f\u00fchrte, dass nicht nur die unbequemen Inhalte, sondern auch die kompromisslose Musik daf\u00fcr verantwortlich sind, dass New Model Army keine Chartserfolge einfuhren. Die Band ist eben kompromisslos und dadurch glaubw\u00fcrdig. Das erkl\u00e4rt auch die Treue der Fans.<\/p>\n<p>Das ist ein Teil der Dokumentation. Nat\u00fcrlich geht es auch um die Geschichte der Band, von den Anf\u00e4ngen an \u2013 aber nicht durch alle 30 Jahre. Schwerpunkte liegen auf dem ersten Dutzend und den letzten f\u00fcnf Jahren, die Zeit dazwischen erf\u00e4hrt allerh\u00f6chstens im Bonusmaterial Erw\u00e4hnung. Das ist gut so, denn Wikipediawissen h\u00e4tte hier nur den Raum f\u00fcr die Inhalte genommen. Hier kommen alte Bandmitglieder zu Wort und erl\u00e4utern ihre musikalischen Ideen, ihre Eindr\u00fccke vom Bandgef\u00fcge und auch ihre Gr\u00fcnde, nicht mehr dabei zu sein. Im Falle des soundm\u00e4\u00dfig richtungsweisenden Bassisten Stuart Morrow, der seine Anekdoten fr\u00f6hlich grinsend beisteuert, ist dies besonders aufschlussreich, da er nun wirklich einen Signatursound f\u00fcr die Band erzeugte. Auch Robert Heaton nimmt gro\u00dfen Raum ein, da der fr\u00fchere Co-Chef der Band aufgrund diverser Tumore den Schlagzeugschemel r\u00e4umen musste und 2004 verstarb. Interessant ist auch die Rolle von Joolz Denby, der engen Vertrauten Sullivans, Coverdesignerin und stutenbissigen Konkurrentinnenverteiberin. Die Dokumentation schont also nicht ihre Protagonisten, setzt dabei aber nicht auf Klatsch und Tratsch, sondern einmal mehr auf Inhalt und Selbstanalyse.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich ist S\u00e4nger und Chef Justin Sullivan pers\u00f6nlich von sehr gro\u00dfem Interesse, der als einziger noch von der Urbesetzung \u00fcbrig ist. Der von Anfang an als h\u00e4sslich geltende Zahnl\u00fcckentr\u00e4ger erweist sich als herzensgut und sympathisch. Man lauscht gerne seinen zum Teil auch humorvollen Beobachtungen auf Tour, unter Musikern und im Musikgesch\u00e4ft. Er findet Drogen idiotisch, mag keine Bes\u00e4ufnisse und schw\u00e4rmt von der ungew\u00f6hnlich tiefen Beziehung zu Joolz. Man m\u00f6chte ihm ewig zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die L\u00fccken in der Biografie steckt man weg. Erst die gegenw\u00e4rtige Besetzung kommt wieder ausf\u00fchrlich zu Wort tauscht sich aus, man begleitet sie bei Proben und Konzerten und nach dem Schicksalsschlag mit dem abgebrannten Studio 2011. So schafft es Matt Reid, sich in seiner Dokumentation auf die relevanten Inhalte zu konzentrieren und den Film nicht zu \u00fcberfrachten. Das Tempo ist angemessen, das Bild nicht modern zerhackt. Es sind immer wieder Songs der Band zu h\u00f6ren, zum Teil als Untermalung des Besprochenen, zum Teil als inhaltlicher Warentrennbalken. Ein visuelles Meisterwerk ist so zwar nicht entstanden, aber das f\u00e4llt bei dem in Summe harmonischen Material auch nichts ins Gewicht.<\/p>\n<p>Der Film h\u00e4tte noch lange so weitergehen k\u00f6nnen, wenn da nicht der Blick auf die Vermarktbarkeit und die Vorf\u00fchrbarkeit auf Filmfesten gewesen w\u00e4re. So erg\u00e4nzen eine Stunde Outtakes auf der DVD die anderthalb Stunden Hauptfilm, und man h\u00e4tte sie sich gut als Teil des Films vorstellen k\u00f6nnen, denn es handelt sich tats\u00e4chlich um erhellende Elemente.<\/p>\n<p>Die DVD wird in einer Steelbox geliefert, der einige Postkarten beiliegen. Erg\u00e4nzend dazu erschien \u201eBetween Wine And Blood Live\u201c, eine Dreifach-CD mit DVD, die einen Auszug des zweieinhalbst\u00fcndigen Konzertes vom Dezember 2014 zeigt. Die alten M\u00e4nner werden nicht m\u00fcde. Gut so.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.12.2015) Man mag sich kaum vorstellen k\u00f6nnen, dass es eine ausreichende Betrachterschaft f\u00fcr eine Dokumentation \u00fcber New Model Army gibt. 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