{"id":1555,"date":"2015-11-11T18:54:18","date_gmt":"2015-11-11T17:54:18","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1555"},"modified":"2015-11-11T18:54:18","modified_gmt":"2015-11-11T17:54:18","slug":"ben-aaronovitch-fingerhut-sommer-dtv-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ben-aaronovitch-fingerhut-sommer-dtv-2015\/","title":{"rendered":"Ben Aaronovitch \u2013 Fingerhut-Sommer \u2013 DTV 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1556\" title=\"Ben Aaronovitch - Die Fl\u00fcsse von London\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ben-Aaronovitch-Die-Fl\u00fcsse-von-London.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1557\" title=\"Ben Aaronovitch - Schwarzer Mond \u00fcber Soho\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ben-Aaronovitch-Schwarzer-Mond-\u00fcber-Soho.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1558\" title=\"Ben Aaronovitch - Ein Wispern unter Baker Street\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ben-Aaronovitch-Ein-Wispern-unter-Baker-Street.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1559\" title=\"Ben Aaronovitch - Der b\u00f6se Ort\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ben-Aaronovitch-Der-b\u00f6se-Ort.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1560\" title=\"Ben Aaronovitch - Fingerhut-Sommer\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/Ben-Aaronovitch-Fingerhut-Sommer.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (11.11.2015)<\/p>\n<p>Schnell mal alle f\u00fcnf B\u00fccher in zweieinhalb Wochen gelesen, trotz der Werbung in einem Gruftmagazin angesprochen gef\u00fchlt, trotz des \u201eSpiegel-Bestseller\u201c-Stickers nicht zur\u00fcckgeschreckt und trotz des miserabel \u00fcbersetzten ersten Bandes fasziniert genug gewesen, um dran zu bleiben: Ein reizendes Konglomerat aus Versatzst\u00fccken unz\u00e4hliger Vorlagen ist Ben Aaronovitch da mit seiner M\u00e4r um den zur Zauberei f\u00e4higen Police Constable Peter Grant im London der Gegenwart gelungen. Die Reihe hat so viele Vorz\u00fcge, dass ihre Nachteile kaum ins Gewicht fallen, obwohl sie offenkundig sind. Aber das sind die Zeichen der Zeit: Mittelma\u00df ist das neue Gut, man ist ja schon dankbar, dass hier Gut mal das neue Sehr Gut sein darf. Und man ist hier dar\u00fcber hinaus eben aufs Heftigste gefesselt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aaronovitch gibt seinem Peter Grant ein eher ungew\u00f6hnliches Setting und eine beinahe beil\u00e4ufige Normalit\u00e4t, die auch jenseits der Magie nicht \u00fcberall selbstverst\u00e4ndlich ist \u2013 leider: Grant ist schwarz, was nicht einmal die erste Information ist, die man \u00fcber ihn bekommt, aber f\u00fcr die Handlung nicht unerheblich. Er h\u00e4lt sich nicht lang damit auf, sich \u00fcber seine magischen F\u00e4higkeiten zu wundern, sondern nimmt sie hin und lebt mit ihnen, obwohl sich sein Leben von Stund an radikal ver\u00e4ndert. Schlie\u00dflich muss er in das Haus einziehen, von dem aus die Magie-Abteilung der Metropolitan Police arbeitet: Das \u201eFolly\u201c, das er mit seinem Vorgesetzten Thomas Nightingale und der schweigsamen, aber latent bedrohlich wirkenden Hausdame Molly sowie dem Hund Toby zu teilen hat. An seine Seite gesellt sich bald seine Ausbildungskollegin Lesley, die im Verlauf der Geschichte ebenfalls ihr Talent zur Zauberei entdeckt und zwangsweise im Folly einquartiert wird. Einst war sie Ziel seiner erotischen Fantasien, bis sie im Verlauf eines Kampfes gegen einen gesichtslosen Magier, der fortan zu einer Art ultimativem Endgegner mit Schw\u00e4chen wird, ihrerseits Teile ihres Gesichtes verliert. Au\u00dferdem kommt ihr mit Beverley eine Flussg\u00f6ttin mit erheblicher Ausstrahlung ins Gehege.<\/p>\n<p>Damit beginnt die Sache: Peter muss den Krieg zwischen zwei G\u00f6ttern der Themse schlichten, darum dreht es sich in \u201eDie Fl\u00fcsse von London\u201c, dem Auftakt. Obgleich er sich erst in seine neue Identit\u00e4t hineinr\u00fctteln muss, erringt er eine angenehme Souver\u00e4nit\u00e4t im Umgang mit sowohl seinen F\u00e4higkeiten als auch den \u00fcbernat\u00fcrlichen Begegnungen. Das macht es angenehm, sich mit ihm zu identifizieren. Einzig im Umgang mit Frauen ist er weniger souver\u00e4n, da stolpert er in seine raren amour\u00f6sen Aktivit\u00e4ten eher hinein, als dass er sie aktiv ausl\u00f6st. Doch auch das macht ihn sympathisch, als Weiberheld gefiele er deutlich weniger. Und auch als Magier und als Polizist ist er nicht frei von fehl und begeht so manche Unachtsamkeit. Sonst w\u00e4ren die B\u00fccher sicherlich d\u00fcnner.<\/p>\n<p>Das w\u00e4ren sie auch, wenn Aaronovitch eine anstrengende Eigenschaft weniger h\u00e4tte: Geschw\u00e4tzigkeit. Mehr als die H\u00e4lfte der B\u00fccher nehmen gesellschaftliche und politische Betrachtungen ein, Analysen der Polizeiarbeit, Methodik, Geschichte, Kommentare. Bisweilen sind die typisch Britisch, also schwarz-lakonisch, also witzig, aber oft einfach nur der Vollst\u00e4ndigkeit halber so ausf\u00fchrlich abgefasst, dass sie langweilen. Auf die Spitze treibt es Aaronovitch im vierten Band, aber dazu sp\u00e4ter mehr.<\/p>\n<p>Der erste Band nun ist von Karlheinz D\u00fcrr \u00fcbersetzt. Sein Aaronovitch ist manierlich und verklemmt, auch der Lesefluss hakt allenthalben. \u201eVerflixt\u201c, das ist das schlimmste Schimpfwort, und das angesichts bestialischer Babymorde und explodierter K\u00f6pfe. Ein Witz ist zwar erkennbar, er geht aber viel zu oft verloren. Ab dem zweiten Buch \u201eSchwarzer Mond \u00fcber Soho\u201c \u00fcbernimmt Christine Blum die \u00dcbersetzung. Viel besser, die Sprache flie\u00dft jetzt, und mit ihr die Geschichten.<\/p>\n<p>Die Handlung setzt genau dort an, wo der erste Band endet: Der Gesichtslose entwickelt sich zum Angstgegner, w\u00e4hrend Peter in der Jazzszene bei unvermittelten Todesf\u00e4llen magische Hintergr\u00fcnde wahrnimmt. Im dritten Buch \u201eEin Wispern unter Baker Street\u201c begibt sich Peter wortw\u00f6rtlich in den Untergrund und entdeckt mit der Hilfe eines Feenmannes zwischen Ubahntunneln und Abwasserkan\u00e4len ein unterirdisches Volk.<\/p>\n<p>Im vierten Band \u201eDer b\u00f6se Ort\u201c geht Aaronovitch die Luft aus. Hier wird ein weiterer Schwachpunkt seiner Erz\u00e4hlkunst deutlich: die Verzettelung. Das hat er mit vielen Thriller-, Fantasy- und Kriminalschriftstellern gemein, dass er seine Figuren nicht das zwingend Logische oder Plausible tun, sondern sie Umwege gehen l\u00e4sst, damit die Handlung l\u00e4nger dauern kann. Die Hauptgeschichte dreht sich um einen Architekten, der in einem vom Abriss bedrohten Sozialbau Magie abzapfen wollte. Parallel lernt Peter Baumgeister kennen und nimmt an einem Fr\u00fchjahrsritual der inzwischen friedlichen Flussg\u00f6tter teil. Dieser Zweig allerdings ist nahezu absolut frei davon, zur Handlung zu geh\u00f6ren, sondern lediglich Schmuckwerk, das offenbar dringend aus dem Kopf des Autors herausmusste. Dabei ist die Sache mit dem Haus und dem Gesichtslosen an sich extrem spannend. Nicht zuletzt, weil sich Lesley pl\u00f6tzlich aus einem nachvollziehbaren Grund auf den gesichtslosen einl\u00e4sst. Aber bis dahin langweilt man sich im Nebel der Themse.<\/p>\n<p>Gottlob f\u00e4ngt sich Aaronovitch im j\u00fcngsten Teil \u201eFingerhut-Sommer\u201c wieder. Er l\u00e4sst Peter London verlassen und auf blauen Dunst hin in einem Fall ermitteln, der nicht offenkundig magisch ist. Irgendwo auf dem Land, an der Grenze zu Wales, verschwinden zwei M\u00e4dchen. Beverley, eine Tochter der Themseg\u00f6ttin, steht ihm nicht nur unterst\u00fctzend zur Seite. Peter hat in einem Mix aus Familientrag\u00f6die, Dorftratsch und Feenk\u00f6niginnenwillk\u00fcr zu ermitteln. Unsichtbare Einh\u00f6rner und undurchschaubare Bienenfl\u00fcsterinnen sind nicht die einzigen Widerst\u00e4nde, denen er sich ausgesetzt sieht. Mit seinem unbedarften Mut bringt Peter zwar wieder viel durcheinander, kommt aber anders als die herk\u00f6mmlich arbeitende Polizei zu L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Auch hier punktet Aaronovitch, indem er seinen Peter der Tatsache gewahr sein l\u00e4sst, dass es f\u00fcr andere in seinem Umfeld nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, was er f\u00fcr Einblicke in alternative Realit\u00e4ten hat. Seine Kollegen sprechen nur von \u201eabsurdem Schei\u00df\u201c, wenn er \u201eMagie\u201c sagen w\u00fcrde. Aaronovitchs Form von Magie \u00fcbrigens ist auch keine okkulte, sondern eine wissenschaftliche: der n\u00e4chste Pluspunkt. Er setzt Sir Isaac Newton an den Anfang der magischen Bewegungen in England und l\u00e4sst Peter im Sinne des Energieerhaltungssatzes \u00fcber die Quellen seiner Macht und deren Grenzen sinnieren. \u00dcber Aleister Crowley hingegen lacht man im Folly. \u00dcber Harry Potter auch.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Pluspunkt ist, dass Aaronovitch Peter in popkulturellen Gefilden wildern l\u00e4sst, jedoch nicht so nerdig, dass es ein Showlaufen der Anspielungen wird. Alles, was dem Nerd heilig ist, findet Einzug, von Terry Pratchett \u00fcber Star Wars bis Doctor Who, was nicht Wunder nimmt, wenn man wei\u00df, dass Aaronovitch f\u00fcr jene Serie Skripte schrieb. Auch der modernen Technik verschlie\u00dft er sich nicht, die Polizei arbeitet selbstverst\u00e4ndlich mit Computern, Software und Mobiltelefonen neuester Generationen. Aaronovitch verankert seine Handlung also so sehr in der Gegenwart, dass es schwerf\u00e4llt, die Reihe \u00fcberhaupt im Fantasy zu verorten \u2013 wieder ein Pluspunkt.<\/p>\n<p>Der \u201eFingerhut-Sommer\u201c hat eine ganz andere Atmosph\u00e4re als die anderen B\u00e4nde. Das liegt an der Landschaft, am freien Blick au\u00dferhalb der dr\u00e4uenden Metropole, an Gegend und Wetter, an der Liebe zu Beverley und den gewagten Fortschritten in der Ermittlung. Das Gr\u00fcn des Umschlags trifft die Stimmung gut. Eigentlich m\u00f6chte man gerne l\u00e4nger dort verweilen, aber ach, man hat bis zum n\u00e4chsten Band \u201eThe Hanging Tree\u201c zu warten, der erst im n\u00e4chsten Sommer erscheinen soll. Hoffentlich kommt zwischendurch niemand auf die Idee, Peter Grant zu verfilmen, das kann nicht klappen. Die Comics sollen ja auch schon nicht so treffend sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (11.11.2015) Schnell mal alle f\u00fcnf B\u00fccher in zweieinhalb Wochen gelesen, trotz der Werbung in einem Gruftmagazin angesprochen gef\u00fchlt, trotz des \u201eSpiegel-Bestseller\u201c-Stickers nicht zur\u00fcckgeschreckt und trotz des miserabel \u00fcbersetzten ersten Bandes fasziniert genug gewesen, um dran zu bleiben: &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ben-aaronovitch-fingerhut-sommer-dtv-2015\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-1555","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1555","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1555"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1555\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1561,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1555\/revisions\/1561"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1555"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1555"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1555"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}