{"id":1546,"date":"2015-11-08T11:59:13","date_gmt":"2015-11-08T10:59:13","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1546"},"modified":"2015-11-08T11:59:13","modified_gmt":"2015-11-08T10:59:13","slug":"the-death-and-resurrection-show-shaun-pettigrew-uk-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-death-and-resurrection-show-shaun-pettigrew-uk-2013\/","title":{"rendered":"The Death And Resurrection Show \u2013 Shaun Pettigrew \u2013 UK 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (08.11.2015)<\/p>\n<p>Ein wahrhaftiger Ritt durch zu dem Zeitpunkt 34 Jahre Killing Joke liefert Shaun Pettigrew in satten 150 Minuten. Trotz der epischen L\u00e4nge muss er die Stationen abhetzen und bei aller Vollst\u00e4ndigkeit noch einige Punkte offen lassen. Seine Erz\u00e4hllinearit\u00e4t ist angenehm, seine Bildsprache wegen des Tempos bald anstrengend, aber doch passend, da es gilt, unz\u00e4hlige Quellen so zusammenzumontieren, dass die Qualit\u00e4t homogen wirkt. Bleibt zu erw\u00e4hnen, dass sich die Band zeitlebens mit Magie und Okkultismus zum Horst macht und ihr leider tats\u00e4chlich irgendwie charismatischer Frontmann Jaz Coleman zwar dicke einen an der Klatsche hat, aber oft genug auch einfach mal richtig liegt in seinen gesellschaftspolitischen Betrachtungen. Und die Mucke von Killing Joke ist nicht nur variantenreich, sondern auch fast immer geil. Einschr\u00e4nkend muss erw\u00e4hnt sein, dass sich der Film wohl vornehmlich an Fans der Band richtet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Seit 2008 existiert die Band wieder in der Originalbesetzung, in der sie auch die ersten drei Alben 1980 bis 1982 einspielte. Deshalb r\u00fcckt Pettigrew auch die vier Gr\u00fcndungsmusiker Jaz Coleman, \u201eBig Paul\u201c Ferguson, Martin Glover alias Youth und Kevin Walker alias Geordie in den Mittelpunkt. Erfreulich ist, dass diese Typen nicht so wirken wie das, was sie erz\u00e4hlen: Besonders \u201eBig Paul\u201c fixte die Jungs zu Beginn 1979 mit Magie und so etwas an, was in irgendwelche Rituale m\u00fcndete und sich in einem Fall w\u00e4hrend eines Konzertes zu einem unerkl\u00e4rlichen magischen Moment im Wortsinne entwickelte. Coleman erlebte danach rituelle Offenbarungen unter anderem an den Nasca-W\u00fcstenlinien. Nach dem dritten Album verschwand der S\u00e4nger 1982 auf Island und gr\u00fcndete mit Leuten von \u00deeyr, besonders intensiv mit Hilmar \u00d6rn Hilmarson, das kurzlebige Projekt Niceland, ebenfalls auf okkulten Riten basierend. Zuletzt 1994 half eine \u201ewei\u00dfe Hexe\u201c der Band, in der Grabkammer der Gro\u00dfen Pyramide von Kairo \u00c4gyptische Gottheiten f\u00fcr die Aufnahmen von \u201ePandemonium\u201c zu beschw\u00f6ren. Sp\u00e4ter fand Coleman vermeintlich zu Gott und wurde Priester, heute vertritt er die \u201e2001\u201c-Theorie, dass die Menschheit und die Evolution von Aliens gesteuert sind. Von Amateurmagier Aleister Crowley schwadroniert Coleman au\u00dferdem immer mal wieder. Interessant ist, dass er den Satanistenvorwurf dabei von sich weist, weil er nicht an Satan glaube. Zudem erz\u00e4hlen Wegbegleiter von speziellen Momenten mit Coleman, etwa zweimal in seiner Gegenwart vom Blitz getroffen zu werden und trotzdem \u00fcberlebt zu haben.<\/p>\n<p>Mag man sich solcher Art belastete Musik anh\u00f6ren? Interessanterweise erscheint diese Magiequatsch im Film dergestalt haneb\u00fcchen, dass man ihn nicht ernst nehmen mag. Sollten Errungenschaften jener Rituale in die Musik eingeflossen sein, strahlt jene dies nicht aus. Zwar berichtete Coleman in einem Interview zum vorletzten Album \u201eMMXII\u201c, dass die Musik eine Art magisches Einlullen erzeugen solle, doch muss man sich darauf ja nicht einlassen; stattdessen stellt man fest, dass die Songs trotz aller H\u00e4rte eigentlich sch\u00f6n sind. Die Musik nun handelt der Film wie nebenbei ab, erw\u00e4hnt die Alben bis 2013 und l\u00e4sst Signatursongs im Hintergrund laufen, wenn sie nicht in Liveperformances gezeigt werden. So f\u00fchrt Pettigrew dem Betrachter die Vielfalt des Oeuvres anschaulich vor Ohren: Vom an die New Wave Of British Heavy Metal erinnernden \u201eAre You Receiving?\u201c auf der ersten EP \u201eTurn To Red\u201c 1979 \u00fcber den Dub von \u201eFollow The Leaders\u201c, den gef\u00e4lligeren Semi-Hit \u201eLove Like Blood\u201c, die Pop-Ausfl\u00fcge des \u201eBrighter Than A Thousand Suns\u201c-Albums, das sperrige \u201eOutside The Gate\u201c sowie die R\u00fcckkehr zur musikalischen Erbarmungslosigkeit ab \u201eExtremities, Dirt And Various Repressed Emotions\u201c bis heute, was zu dem Zeitpunkt das Album \u201eMMXII\u201c war.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlstruktur des Films gestaltet Pettigrew dabei angenehmerweise nicht wie einen Wikipedia-Artikel. Zwar h\u00e4lt er sich grunds\u00e4tzlich an die Chronologie, driftet aber immer an entscheidenden Stellen in Seitenarme ab, die ein Schlaglicht auf Sonderthemen werfen. Dazu z\u00e4hlen auch die personellen Umbesetzungen sowie manche musikalische Nebenprojekte, aber nicht alle. Mob Research stehen nur auf einem T-Shirt, Murder Inc, Pigface und The Damage Manual werden gar nicht erw\u00e4hnt, auch die Goa-Remixe von Youth in den Neunzigern schlagen sich nicht nieder. Dagegen erf\u00e4hrt man von Colemans Ausfl\u00fcge ins Klassik-Fach, als Produzent der Neuseel\u00e4nder Shihad und seine orientale Kooperation \u201eSongs From The Victorious City\u201c mit Anne Dudley von The Art Of Noise. Auf Youths Projekte Brilliant sowie The Fireman mit Paul McCartney geht Pettigrew kurz ein. Paul Vincent Raven ist ein wichtiges Thema, da er innerhalb der Band f\u00fcr Differenzen sorgte, weil er immer wieder Musiker f\u00fcr andere Projekte wie etwa Ministry abzog und damit Killing Joke gef\u00e4hrdete, aber letztlich nach seinem Tod 2007 von Aberdutzenden Musikern und Bands ebenso wie von seinem Kritiker Coleman verehrt wurde. Spannend ist, dass Coleman den Hass der Neuseel\u00e4nder auf sich zog, als er bei einer Rugby-WM in England die Maori-Aktivistin Hinewehi Mohi die Neuseel\u00e4ndische Nationalhymne in ihrer Sprache singen lie\u00df und nicht auf Englisch. Lustig sind auch die Einw\u00fcrfe von Colemans Eltern, die sichtlich stolz sind auf ihren Sohn. Auch erw\u00e4hnt ist der Rechtsstreit mit Nirvana wegen \u201eCome As You Are\u201c, das ein Rip-Off von \u201eEighties\u201c ist, der darin gipfelte, dass deren Gitarrist Dave Grohl auf dem 2003er-Comebackalbum \u201eKilling Joke\u201c Schlagzeug spielte. Und dies ist nur ein Auszug aus den unz\u00e4hligen Seitenarmen.<\/p>\n<p>Da die alten Aufnahmen oft von sehr schlechter Qualit\u00e4t sind, verfremdet Pettigrew viele der neuen dazwischen mit \u00e4hnlichen Effekten. Damit schafft er ein homogenes Bild, durchbrochen von Interviews mit Bandmitgliedern, Zeitgenossen und befreundeten Musikern. Leider sind manche Passagen schwierig zu verstehen, da die R\u00e4ume hallen oder die Tonspur mies ist. Ohne Untertitel ist man bisweilen echt aufgeschmissen.<\/p>\n<p>In Summe ergibt \u201eThe Death And Resurrection Show\u201c ein recht umfassendes Bild von Killing Joke, inklusive neuer Einblicke, die man nicht sofort im Internet findet. Der Musikgenuss nimmt trotz des schwachsinnigen Gelabers von Egomanen Jaz Coleman keinen Schaden, das ist ja auch schon mal was. Sympathisch geht anders, Anziehungskraft hat er dennoch. Und die Mucke ist einfach mal geil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.11.2015) Ein wahrhaftiger Ritt durch zu dem Zeitpunkt 34 Jahre Killing Joke liefert Shaun Pettigrew in satten 150 Minuten. 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