{"id":1542,"date":"2015-11-05T16:08:04","date_gmt":"2015-11-05T15:08:04","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1542"},"modified":"2015-11-05T16:08:04","modified_gmt":"2015-11-05T15:08:04","slug":"der-bunker-nikias-chryssos-d-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/der-bunker-nikias-chryssos-d-2014\/","title":{"rendered":"Der Bunker \u2013 Nikias Chryssos \u2013 D 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (05.11.2015)<\/p>\n<p>Dem Film eilt der selbstherrliche Ruf voraus, dass man ihn entweder hasse oder liebe. Damit macht man sich es einfach, wenn man meint, Obskurit\u00e4t allein sei ausreichend, um im Idealfalle geliebt zu werden. Der Schuss kann gepflegt nach hinten losgehen, wenn man nicht mehr als das zu bieten hat. \u201eDer Bunker\u201c hat; zum unumwundenen Lieben reicht aber auch das nicht aus, es gibt schlie\u00dflich unendliche Welten zwischen Hass und Liebe. Licht und Ton sind brillant, viele Ideen sind besonders; und doch: Nachhaltig beh\u00e4lt man diesen Film \u00fcber die Familie, die in einem Bunker lebt und einen wohnungslosen Studenten in ihre teilweise ungesetzlichen Erziehungsmethoden einbindet, wohl nicht im Herzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der gro\u00dfe Pluspunkt ist, dass die bizarren Elemente nicht platt wie in einem Abiturabschlussfilm zusammengetragen wirken, weil sie n\u00e4mlich filmisch extrem hochwertig dargestellt sind. Chryssos kennt sich aus mit Perspektiven und Blickwinkeln, mit Farbgebung und Lichtf\u00fchrung, und au\u00dferdem mit Musikeinsatz, denn der Soundtrack ist berauschend gut und passend. Zudem l\u00e4sst Chryssos seinem Personal Zeit und damit seinen Ideen Wirkungsraum. Gegen Ende jedoch w\u00fcnscht man sich ein baldiges solches, weil es bis dahin dann doch nicht gen\u00fcgend Identifikationsanker gab, um dem Verlauf kontinuierlich folgen zu wollen.<\/p>\n<p>Was auch an den bizarren Elementen liegt. In ihrer Folge sind diese Dinge zwar nicht vorhersehbar, aber zun\u00e4chst einigerma\u00dfen schl\u00fcssig. Und doch l\u00e4sst Chryssos die Figuren selbst in nicht wirklich nachvollziehbaren Bahnen kreisen; das mag auch daran liegen, dass die Schauspieler laut \u201eKlaus\u201c-Darsteller Daniel Fripan (am 4. November 2015 beim Filmfest Braunschweig) viel improvisieren durften. Zur Handlung: Ein Namenloser Student bekommt f\u00fcr seine Forschungen Unterschlupf in der Wohnung einer dreik\u00f6pfigen Familie, die jedoch unterirdisch in einem Bunker im Wald liegt. Nimmt sich der Kontakt zu den Eheleuten zun\u00e4chst spie\u00dfig-famili\u00e4r aus, tritt sp\u00e4testens mit dem Sohn Klaus das Absurde auf den Plan. Klaus soll acht Jahre alt sein, wird aber von einem zu dem Zeitpunkt Achtundzwanzigj\u00e4hrigen dargestellt. Die Eltern zwingen ihn vergeblich zum intensiven Lernen, damit er US-Pr\u00e4sident werden kann. Sie wollen den Studenten einspannen, damit das Ziel doch noch erreicht wird. Der ist erst von der Brutalit\u00e4t des strafenden Vater und der K\u00e4lte der dies f\u00f6rdernden Mutter abgeschreckt, l\u00e4sst sich aber bald selbst auf dieses Spiel ein, weil er damit tats\u00e4chlich Lernfortschritte beim eher unwilligen Klaus erzielt. Sexuelle Gef\u00e4lligkeiten der Mutter befeuern au\u00dferdem des Studenten Forschungsgeist und Lehrmotivation. Die ohnehin permanent bedrohlich wirkende Konstellation zerbricht jedoch, als sich der Student tats\u00e4chlich aus dem irrsinnigen Kreis verabschieden will.<\/p>\n<p>Als w\u00e4re ein erwachsener Achtj\u00e4hriger nicht schon grotesk genug, nimmt ihn seine Mutter regelm\u00e4\u00dfig an die Brust. Rat holt sie sich bei einer Entit\u00e4t namens Heinrich, die offenbar mitsamt ihrem Volk in einer Wunde am Beim der Mutter haust und aus ihrem Munde mit tief verzerrter Stimme spricht; mithin die gro\u00dfartigste Idee in diesem Film. Abends liest der Vater, unglaublich schlecht als Clown geschminkt, aus einem m\u00e4chtig \u00fcberalteten Witzebuch vor und kommentiert die Pointen mit eigenen Analysen.<\/p>\n<p>Mit diesem Wahnwitz \u00fcbertreibt es Chryssos nicht, der Film schrammt nicht permanent \u00fcber die Grenze zum gerade noch M\u00f6glichen hinweg. Trotzdem findet er keine konsequente Linie darin, was \u201eDer Bunker\u201c sein soll: Heinrich k\u00f6nnte eines der gruseligsten Elemente in einem Film seit langem sein, aber daf\u00fcr ist der Kontext zu albern. Jedoch wieder nicht humorig genug, um eine gelungene Kom\u00f6die zu sein. Denn daf\u00fcr steckt wiederum zu viel Drama in der Handlung. Tja.<\/p>\n<p>Dennoch, gerade dieser Mix empfiehlt \u201eDer Bunker\u201c f\u00fcr eine internationale Rezeption. Er hat so viel Eigenst\u00e4ndigkeit, dass ihm das Deutschsein, seine geografische Positionierung v\u00f6llig egal ist. Vielleicht funktioniert \u201eDer Bunker\u201c beim zweiten Betrachten besser, wenn man eher wei\u00df, worauf man sich zu konzentrieren hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (05.11.2015) Dem Film eilt der selbstherrliche Ruf voraus, dass man ihn entweder hasse oder liebe. Damit macht man sich es einfach, wenn man meint, Obskurit\u00e4t allein sei ausreichend, um im Idealfalle geliebt zu werden. Der Schuss kann &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/der-bunker-nikias-chryssos-d-2014\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1542"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1543,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1542\/revisions\/1543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}