{"id":1516,"date":"2015-10-17T12:26:29","date_gmt":"2015-10-17T10:26:29","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1516"},"modified":"2015-10-17T12:28:49","modified_gmt":"2015-10-17T10:28:49","slug":"the-perc-meets-the-hidden-gentleman-the-fruits-of-sin-labor-rerelease-sireenabroken-silence-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-perc-meets-the-hidden-gentleman-the-fruits-of-sin-labor-rerelease-sireenabroken-silence-2015\/","title":{"rendered":"The Perc Meets The Hidden Gentleman \u2013 The Fruits Of Sin &#038; Labor (Rerelease) \u2013 Sireena\/Broken Silence 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1517\" title=\"The Perc Meets The Hidden Gentleman - The Fruits Of Sin &amp; Labor\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/The-Perc-Meets-The-Hidden-Gentleman-The-Fruits-Of-Sin-Labor.jpg\" alt=\"\" width=\"111\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (17.10.2015)<\/p>\n<p>Ein Vierteljahrhundert sp\u00e4ter stellt sich beim Neu-H\u00f6ren die Frage, ob es sich bei dem Album um Kult oder Trash handelt. Schwer zu sagen, im Idealfalle wertet man es als einen experimentellen Mix aus beidem, und selbst ohne Wohlwollen als einen gelungenen. Das Duo The Perc Meets The Hidden Gentleman war 1990 noch auf dem Sprung zu sowohl gr\u00f6\u00dferer Breitenwirkung als auch versierterer Musikalit\u00e4t. Diese \u00fcberlange Mini-LP (mehr als 48 Minuten) in Mini-Auflage (seinerzeit nur 2000 St\u00fcck) bietet einen Stilmix von Folk \u00fcber Dance, Kammermusik, H\u00f6rspiel, Wave, Minimal-Synth bis hin zum Industrial-Stampfer. In dieses sperrige historische Dokument muss man sich im Jahre 2015 erst wieder hineinh\u00f6ren. Um dann festzustellen, dass es heute selbst als Neuver\u00f6ffentlichung erhebliche Relevanz h\u00e4tte \u2013 weil es mutiger ist als die zeitgen\u00f6ssischen Produkte. Das latent dilettantisch Schr\u00e4ge darin jedoch muss man entweder ausblenden oder respektieren. Auf jeden Fall stellt das Album einen umfangreichen Einblick in die deutsche Indielandschaft vor 25 Jahren dar.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Englisch zum Beispiel ist furchtbar, das f\u00e4llt als erstes auf, da stehen The Perc Meets The Hidden Gentleman auf einer Stufe mit Klaus Meine und Alexander Veljanov. Besonders ohrenf\u00e4llig wird dies in der \u201eThe Comics Suite\u201c genannten vierteiligen Porno-Erz\u00e4hlung, die von der bei Peter Maffay erprobten Entjungferung eines Minderj\u00e4hrigen durch eine heute sicherlich als MILF bezeichneten reiferen Frau erz\u00e4hlt. Inhaltlich ist dies penn\u00e4lergeil und in der Umsetzung in den beiden H\u00f6rspielparts nur schwer zu ertragen. Der musikalische Hauptteil \u201eA Funny Afternoon\u201c hingegen ist von einem Minimal-Synth-Beat unterlegt und erinnert angenehm an die fr\u00fchen Achtziger, als solche Musik vornehmlich deshalb existierte, weil die Technik noch nicht mehr hergab. Mit \u00fcber acht Minuten ist diese Suite das Kernst\u00fcck der A-Seite, umrahmt von einer ebenso minimalistischen Streicher-Version des \u201eHits\u201c \u201eRock The Widow\u201c, hier \u201eThe Widow On Strings\u201c genannt, sowie einer als Techno-Verarschung gemeinten und dennoch davon auch losgel\u00f6st gelungenen Proto-Dance-Nummer namens \u201eFeed Your Heart To Beat\u201c. Als Ein- und Ausklang der Seite dient \u201eBronx Vanilla\u201c, laut Infoschreiben ein Slangausdruck f\u00fcr Knoblauch: eine Lagerfeuernummer mit E-Gitarre und Mitsing-Wohlf\u00fchl-Melodie; ebenfalls laut Info der Existenzgrund f\u00fcr diese LP.<\/p>\n<p>Die B-Seite nimmt ein Live-Mitschnitt aus dem Forum Enger ein, einem leider nicht mehr existierenden Kult-Laden, in dem sich die Cr\u00e8me des la Cr\u00e8me der Indie-Szene seinerzeit die Klinke reichte. Mit \u201eHungry\u201c er\u00f6ffnet die 1988er-Deb\u00fct-Single von The Perc Meets The Hidden Gentleman den Mitschnitt, eine beatlose Bass-Gitarre-D\u00fcsternummer. Es folgt \u201eRespect &amp; Devotion\u201c, ohne Hinweis, um welchen der drei auf den beiden Vorg\u00e4ngeralben ver\u00f6ffentlichten Teile es sich dabei handelt (das Internet behauptet, es sei Part One): Ein schleppender Sisters-Beat mit Orgeluntermalung, dezentem Chorgesang und ausuferndem Gitarrengegniedel bietet sich den aufgeschlosseneren Waveh\u00f6rern an. \u201eNiteride\u201c, im Original vom Deb\u00fct, zieht das Tempo leicht an und steigert dabei die Durchschlagskraft des Tracks. Die Synthieeffekte unterf\u00fcttern den Eindruck von ungez\u00fcgelter Energie; erneut ein St\u00fcck in dieser Welt, das auch ohne Raserei gewaltig klingt. Fast dreizehn Minuten lang ist die zweite Version von \u201eRock The Widow\u201c auf diesem Album. Wie in \u201eA Funny Afternoon\u201c dominiert hier ein repetetiver minimaler Synth-Beat, der an die fr\u00fcheren Labelkollegen Kastrierte Philosophen erinnert, begleitet von einer Orgel und dem f\u00fcr die Live-Seite typischen, aber ungemein passenden Gitarrenschrammeln und den energiegeladenen Gesangseinlagen, bei denen man das deutsch ausgesprochene \u201eRock se widdoh\u201c zugunsten des Genusses z\u00e4hneknirschend ignorieren muss. Nach knapp f\u00fcnf Minuten verlieren sich die Musiker in vom Beat strukturierten L\u00e4rm und bleiben dabei wie Freejazzer dennoch h\u00f6rbar. Kurz vor Schluss finden sie wieder zum Song zur\u00fcck und bringen ihn zum vers\u00f6hnlichen Abschluss. Zuletzt gibt\u2019s knapp zwei Minuten brachialen Dance-Industrial mit \u201eI Want Ya Scalp\u201c, im Original auf der Split-Single \u201eBody Language\u201c, 1989 mit The Pachinko Fake aufgenommen, die das Duo auch bei diesem Konzert live unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Heterogenit\u00e4t ist auf diesem Album also das Ma\u00df der Dinge, man kann The Perc Meets The Hidden Gentleman hiermit in keine Schublade einsortieren. Der gelegentlich durchschimmernde Dilettantismus l\u00e4sst einen zun\u00e4chst an eine Sch\u00fclerband denken, aber die Genialit\u00e4t vieler St\u00fccke deutet in die Zukunft, die das Duo danach hatte: Das dritte offizielle Album \u201eLavender\u201c markierte im Folgejahr den Durchbruch, unter Zuhilfenahme diverser Kollegen des damaligen eigens f\u00fcr das Duo gegr\u00fcndeten Labels Strange Ways, darunter Alexander Veljanov von Deine Lakaien, sowie weiterer Musikerfreunde aus der bundesdeutschen Indie-Szene, etwa aus Phillip Boas Voodooclub.<\/p>\n<p>Zu der Szene geh\u00f6rten Tom Redecker und Emilio Winschetti schon vor ihrer Inkarnation als The Perc Meets The Hidden Gentleman; am bekanntesten ist vermutlich \u201eThe Hidden Gentleman\u201c Winschettis fr\u00fchere Proto-NDW-Band Mythen in T\u00fcten, aus der dann Mint bzw. auf Boas Label Constrictor The Mint Addicts wurden. Ein weiteres Projekt war BPWW, unter anderem mit Beate Bartel (Mania D, Liaisons Dangereuses, Einst\u00fcrzende Neubauten) und Thomas Wydler (Nick Cave And The Bad Seeds, Die Haut). \u201eThe Perc\u201c Redecker arbeitete wie schon auf dem finalen Album \u201eAges\u201c des Duos mit Grobschnitt-Multiinstrumentalisten Volker Kahrs als Taras Bulba, mit ihm formierte er anschlie\u00dfend auch die Neo-Krautrock-Supergroup The Electric Family. Heute ist er noch solo als The Perc unterwegs \u2013 und gr\u00fcndete 2000 das Label Sireena, auf dem jetzt die Wiederver\u00f6ffentlichung dieses l\u00e4ngst vergriffenen Schatzes erfolgt. Ein Kreis. Ein geschichtstr\u00e4chtiger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (17.10.2015) Ein Vierteljahrhundert sp\u00e4ter stellt sich beim Neu-H\u00f6ren die Frage, ob es sich bei dem Album um Kult oder Trash handelt. 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