{"id":1498,"date":"2015-10-07T18:33:35","date_gmt":"2015-10-07T16:33:35","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1498"},"modified":"2015-10-10T00:21:11","modified_gmt":"2015-10-09T22:21:11","slug":"christoph-tauber-ivar-leon-menger-john-beckmann-die-drei-und-der-dreiaugige-totenkopf-kosmos-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/christoph-tauber-ivar-leon-menger-john-beckmann-die-drei-und-der-dreiaugige-totenkopf-kosmos-2015\/","title":{"rendered":"Christoph Tauber, Ivar Leon Menger, John Beckmann \u2013 Die Drei ??? und der drei\u00e4ugige Totenkopf \u2013 Kosmos 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1508\" title=\"Die Drei Fragezeichen und der drei\u00e4ugige Totenkopf\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Die-Drei-Fragezeichen-und-der-drei\u00e4ugige-Totenkopf1.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"141\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (04.10.2015)<\/p>\n<p>Die Idee ist respektabel, die Drei Fragezeichen als Comic zu visualisieren. Das Medium fehlte im ???-Kosmos bislang noch, nach B\u00fcchern, H\u00f6rspielen, Theaterst\u00fccken, Live-H\u00f6rspielen und Filmen. Der Titel ist gro\u00dfartig, \u201eDer drei\u00e4ugige Totenkopf\u201c verspricht eine Menge. Doch leider&#8230; Die Story ist unkompliziert, immerhin ist die L\u00f6sung in sich schl\u00fcssig und gelungen. Der unangenehmste Aspekt sind jedoch die Zeichnungen. Christoph Tauber mag renommiert sein, eine gute Wahl f\u00fcr dieses Projekt ist er nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst die Geschichte: Ein Ex-Regisseur bittet die drei Detektive, einen zehn Jahre zur\u00fcckliegenden Fall aufzurollen. Damals verschwand von einem Horrorfilmset ein echter Edelstein, der als Requisite eingesetzt wurde. Vier Verd\u00e4chtige gibt es, weil es vier mechanische Monsterpuppen gibt, die an vier Projektbeteiligte verschenkt wurden, und die Ermittler davon ausgingen, dass der Smaragd in einer dieser Puppen vom Set verschwand. Wie richtig sie damit wirklich lagen, konnten die Ermittler seinerzeit nicht wissen, und letztlich gelingt es den drei Jugenddetektiven, sowohl den Smaragd zu finden als auch die T\u00e4terschaft aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Nun die Details, die sich nicht ohne Spoileralarm erl\u00e4utern lassen. Es ist schon mal Unsinn, dass bei einem B-Movie ein echter Smaragd zum Einsatz kommt, wenn es doch m\u00f6glich ist, den gegen eine Kopie auszutauschen, anstatt also gleich die Kopie zu nehmen. Auf der Leinwand w\u00e4re ein Unterschied sicherlich nicht auszumachen gewesen. Dann ist es extrem nachl\u00e4ssig, sich eine Heidenm\u00fche damit zu machen, wie der Smaragd ausgetauscht wird, und dabei dann rechts und links zu verwechseln. Die Ermittlungsarbeit der Jungs wiederum ersch\u00f6pft sich darin, herumzufahren und die Verd\u00e4chtigen zu interviewen. Der T\u00e4ter offenbart sich am Ende eher zuf\u00e4llig. Was den Smaragdfund betrifft, hilft ihnen ihre eigene Willk\u00fcr, indem sie n\u00e4mlich trotz erheblicher M\u00fcdigkeit ein Horrorfilmmuseum besuchen. Dabei ergibt sich zudem eine inhaltliche Ungenauigkeit: Das Museum entdecken sie auf der R\u00fcckfahrt vom Auftraggeber nach Rocky Beach, beim zweiten Besuch stellen sie fest, dass der Auftraggeber auf dem R\u00fcckweg vom Museum wohnt.<\/p>\n<p>Die wesentlichen Komponenten dieses Falls sind aus vielen bereits bekannten F\u00e4llen zusammengesucht. \u201eDie schwarze Katze\u201c, die sogar einmal zitiert wird, ist exemplarisch f\u00fcr die Suche nach \u00e4hnlichen Gegenst\u00e4nden; alte Hollywood-Filme mit versteckten Verbrechen findet man im \u201eMagischen Kreis\u201c und um \u201eLabyrinth der G\u00f6tter\u201c. Mal ganz abgesehen von den unz\u00e4hligen F\u00e4llen, in denen sich der Auftraggeber als T\u00e4ter entpuppt und ein Mensch mit Maskenf\u00e4higkeit die juvenilen Ermittler in die Irre f\u00fchrt. Es ist nicht eindeutig, ob es sich hier bei diesen Reminiszenzen um Hommagen handelt oder um erz\u00e4hlerische Einfallslosigkeit.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Kriterium ist aber der Zeichenstil. Kosmos bewirbt das Buch als \u201eGraphic Novel\u201c, nicht als Comic. Darin allein liegt schon eine fragw\u00fcrdige Entscheidung: \u201eGraphic Novel\u201c schreit nach erwachsener Kunst, Comic nach dem Rest. Es ist ja ehrenvoll, die Drei Fragezeichen mit Kunst in Verbindung bringen zu wollen, doch schadet es der Tat nur, wenn man vor lauter Kunst das Sujet nicht mehr erkennt. Die Zeichnungen sind viel zu ungenau, um zum Thema zu passen. Wer b\u00f6se ist, empfindet die Bilder nicht als kunstvoll, sondern schlichtweg als schlecht gezeichnet. Die Figuren sind uneindeutig, die Linien unvollst\u00e4ndig, die Kolorierung beschr\u00e4nkt sich auf die Farbe Blau; was sich bei ernsthaften Themen sicherlich als stimmungsvoll erweist, geht hier voll nach hinten los, denn Stimmungen kommen hier nur schwer auf, weil man die Inhalte schlichtweg nicht erkennt. Dabei stellt sich die n\u00e4chste Frage, was diese Geschichte n\u00e4mlich mit sich bringt, dass sie diese Literaturform erfordert. Nur wenige hinweisgebende Elemente sind hier ausschlie\u00dflich visuell angedeutet, was aufgrund des miesen Zeichenstils wiederum nur dann auff\u00e4llt, wenn es inhaltlich thematisiert wird.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4sst es sich diskutieren, welcher Stil hier passender w\u00e4re. Einerseits sind die Drei Fragezeichen als Kinder dargestellt, andererseits richtet sich die Darstellung an Erwachsene. Ein frankobelgischer Funny-Stil w\u00e4re sicherlich nicht angemessen, aber es gibt auch erwachsene Zeichenstile, die man deutlich erkennen kann. Und dann kann man die drei Fragezeichen auch \u00e4lter darstellen. Und genauer. Selbst Onkel Titus und Tante Mathilda wirken hier viel zu jung. Ganz abgesehen von der uralten Diskussion, dass die visuelle Umsetzung von allgemeing\u00fcltigen Lieblingsfiguren immer den Ruf nach sich zieht, der Leser habe sie sich ganz anders vorgestellt. Auch dieser Vorwurf greift hier; Justus sieht aus wie ein zu breit geratener unsympathischer Bengel mit Seitenscheitel, Bob und Peter lassen sich nur dann unterscheiden, wenn Bob seine Brille nicht abnimmt. Charakterlich und textlich sind sie alle mehr oder weniger eins; Lieblingswort der Autoren ist offenbar \u201ekorrekt\u201c, das hier fast alle Figuren mal benutzen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Immerhin bringt das Team Details aus fr\u00fcheren F\u00e4llen unter. Abgesehen von einem Wimmelbild auf dem Schrottplatz, auf dem die Cover der deutschen Ver\u00f6ffentlichungen, also von Aiga Rasch und Silvia Christoph, untergebracht sind, was wegen des Stils allerdings ein gr\u00f6\u00dferes R\u00e4tselraten erfordert als wegen der Gegenst\u00e4nde, findet man im Hintergrund mal ein Schild von \u201eSandler Records\u201c, dem Laden, in dem Bob arbeitete, oder zupft Justus gr\u00fcbelnd an seiner Unterlippe, was man auch nur deshalb erkennt, weil man danach sucht. Auch die Dialoge sind okay, der Humor, so er denn vorkommt, passt. Grusel oder Spannung kommen hier, ganz wie in den zeitgen\u00f6ssischen Episoden, nur anfangs auf. Wie in den H\u00f6rspielen muss Peter einmal \u201eunheimlich\u201c sagen, damit man auch begreift, dass es dies gerade sein soll. Der drei\u00e4ugige Totenkopf erscheint hier zudem nur als Titel eines Horrorfilms; das ist sehr schade, als Inhalt eines Falles kl\u00e4nge er viel gruseliger und verlockender.<\/p>\n<p>Da kommt nach 50 Jahren also der erste Comic der Drei Fragezeichen auf den Markt. Nachdem es von den Drei Fragezeichen Kids bereits Zeichnungen gibt, ist dies der erste Versuch einer durchgehenden graphischen Geschichte. L\u00f6blich ist, dass es sich dabei um einen neuen Fall handelt; aber wer wei\u00df, vielleicht w\u00e4re es doch interessanter gewesen, einen Zeichner mit einem klaren Strich einen alten Fall adaptieren zu lassen. Es muss ja nicht gleich \u00e0 la Walt Disney sein; wenngleich sich die Geschichten des \u201eNeuen Phantomias\u201c etwa ganz eindeutig an eine erwachsenere Leserschaft richten: mehr Tiefgang, mehr Gesellschaftskritik, mehr Gewalt, mehr Sex. Vielleicht sollte Kosmos auch endlich den Mut haben, die Drei Fragezeichen so erwachsen sein zu lassen, wie sie sich f\u00fcr den mitgewachsenen H\u00f6rer ohnehin darstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (04.10.2015) Die Idee ist respektabel, die Drei Fragezeichen als Comic zu visualisieren. Das Medium fehlte im ???-Kosmos bislang noch, nach B\u00fcchern, H\u00f6rspielen, Theaterst\u00fccken, Live-H\u00f6rspielen und Filmen. Der Titel ist gro\u00dfartig, \u201eDer drei\u00e4ugige Totenkopf\u201c verspricht eine Menge. 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