{"id":1476,"date":"2015-09-10T23:00:49","date_gmt":"2015-09-10T21:00:49","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1476"},"modified":"2015-09-11T17:23:50","modified_gmt":"2015-09-11T15:23:50","slug":"muller-die-platemeiercombo-castafiore-bauchpfannen-aufnahmen-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/muller-die-platemeiercombo-castafiore-bauchpfannen-aufnahmen-2015\/","title":{"rendered":"M\u00fcller &#038; die Platemeiercombo \u2013 Castafiore \u2013 Bauchpfannen Aufnahmen 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1477\" title=\"M\u00fcller &amp; die Platemeiercombo - Castafiore\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/M\u00fcller-die-Platemeiercombo-Castafiore.jpg\" alt=\"\" width=\"104\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (10.09.2015) \/ Auch erschienen auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/von-castafiore-und-bauchpfannen-aufnahmen\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour\u00a0\u2013 Der Stadtblog<\/a><\/p>\n<p>Endlich. Endlich!!! Das wurde aber auch Zeit. Vier Jahre nach \u201eVon M\u00fc\u00dfigg\u00e4ngern und anderen Taugenichtsen\u201c kommt mit \u201eCastafiore\u201c endlich das Album, dessen \u00e4lteste Songs die Band schon w\u00e4hrend der Aufnahmen zum Vorg\u00e4nger live spielte. Ganze zwei, drei Lieder dieses Dutzends kennt der Rezensent nicht bereits von Auftritten, den Rest kann er auswendig mitsingen; die Vorfreude auf die Studioversionen war riesig, die Freude \u00fcber sie ist es ebenfalls. Das Album macht einen Schritt voraus und einen zur\u00fcck: Thematisch ist es nicht mehr so homogen und durchgehend ernsthaft wie der Vorg\u00e4nger, sondern wagt auch manchen R\u00fcckgriff auf den alten M\u00fcller-Humor; gleichzeitig vertieft M\u00fcller in anderen Songs seine inhaltliche Seriosit\u00e4t, oft in Bezug auf Beziehungskonzepte und wie sie sich auf diejenigen auswirken, die sich auf sie einlassen. Und auch in einen vordergr\u00fcndigen Scherz steckt M\u00fcller immer etwas Hintergr\u00fcndiges. Nicht zuletzt \u00fcberzeugt das Quartett wie immer auch musikalisch: Zwar ist der 50er-Schlager-Bossa-Sound etwas beiseite ger\u00fcckt, daf\u00fcr wagt die Band hier auch mal mitrei\u00dfende Discorhythmen und l\u00e4sst dem ausufernden Rock mehr Raum. Alles auf so hohem Niveau, dass die leicht in Schieflage eingestreuten Elemente das nahezu perfekte Ergebnis nur umso fester am Boden verankern.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und trotz der brillanten Musik sind es die Texte, die M\u00fcller &amp; die Platemeiercombo so besonders machen. Man muss zuh\u00f6ren, man k\u00f6nnte etwas verpassen, und zwar nicht einfach nur irgendwelche Pointen, sondern inhaltliche Wendungen, die den H\u00f6rer hinterr\u00fccks erwischen und ihn seiner selbstbetr\u00fcgerischen Sicherheit berauben. Wie ein Taschenspieler zaubert M\u00fcller in den unerwartetsten Momenten Spiegel hervor, die er dem Betrachter vorh\u00e4lt. Wie in der Eskapismusphantasie \u201eCura\u00e7ao\u201c, in der M\u00fcller f\u00fcr jeden Alltagsm\u00fcden nachvollziehbar vom Verschwinden singt, und dann feststellen l\u00e4sst, dass man vor sich selbst nicht fliehen kann; solches kann durchaus wehtun, weil es eben stimmt und leider nicht jedem bewusst ist. Die offene Beziehung, die sich in Selbstbetrug m\u00fcndend als emotionale Katastrophe erweist, behandelt \u201eSein Spiel\u201c. Besonders dunkel ist \u201eKeine Rose ist keine Rose\u201c, das schmerzhaft das Bild einer gescheiterten Hoffnung in eine alte Partnerschaft zeichnet. Auf dem Album ist das Lied \u00fcbrigens trotz aller ausufernden Opulenz um einige Minuten k\u00fcrzer als live; wenn die Band in sich versinkt, macht sie aus dem schleppend startenden St\u00fcck gern ein noch gr\u00f6\u00dferes psychedelisches Monster als hier.<\/p>\n<p>Selbst die vermeintlichen Scherzlieder sind eigentlich keine. \u201eAlles au\u00dfer Tiernahrung\u201c ist eine Konsumkritik, \u201eBj\u00f6rn Hellmark\u201c, Hauptfigur der \u201eMacabros\u201c-Reihe, hinterfragt die Motivation in Bezug auf die Teilnahme am allgemein G\u00e4ngigen, und \u201eIch bin nur wegen der Vorgruppe da\u201c entlarvt selbsternannte Kulturhipster. So richtig einfach nur um seiner selbst willen ist eigentlich nur das treibende Trinklied \u201e7 Drinks, 6 Stunden Schlaf\u201c da.<\/p>\n<p>Hach, und dann ist da ja eben noch die Musik. Die Band beherrscht abenteuerliche Rhythmuswechsel, aus dem Lateinamerikanischen in den Rockgroove geht es wie nebenbei. Nat\u00fcrlich ist manches Lied wie fr\u00fcher und also wie immer im Swing oder in sonst einem vermeintlich veralteten Rhythmus getaktet, aber wie gesagt, der eher straighte Rock dominiert, und doch wei\u00df die Band, dass der alleine nicht mehr so viel wert ist, und verlegt sich daher aufs Gniedeln, Herumarrangieren, Abdriften, auf mehrstimmigen Gesang, Backgroundshouts und gottlob auch wieder den gelegentlichen Einsatz von Cora Coriander. Und auf (programmierte) Streicher, die finden auch ihren Platz und f\u00fcgen sich sogar \u00fcberraschend stimmig ein.<\/p>\n<p>Bei M\u00fcller &amp; die Platemeiercombo geht es also um mehr als nur Text und um mehr als nur Musik. Wer auf nur eines von beiden scharf ist, kommt voll auf seine Kosten, weil er das andere noch als Geschenk dazu erh\u00e4lt. Wem beides wichtig ist, wird gl\u00fccklich. Dies werden auch Vinylfreunde: \u201eCastafiore\u201c soll auch als LP ver\u00f6ffentlicht werden, mit beigelegter CD. Dann sieht man das je nach Phantasie des Betrachters m\u00f6glicherweise anz\u00fcgliche Cover auch mal in gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.09.2015) \/ Auch erschienen auf Kult-Tour\u00a0\u2013 Der Stadtblog Endlich. Endlich!!! Das wurde aber auch Zeit. 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