{"id":1468,"date":"2015-09-06T10:55:47","date_gmt":"2015-09-06T08:55:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1468"},"modified":"2015-09-06T11:05:54","modified_gmt":"2015-09-06T09:05:54","slug":"helge-schneider-lass-knacken-helge-universalpolydor-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/helge-schneider-lass-knacken-helge-universalpolydor-2015\/","title":{"rendered":"Helge Schneider \u2013 Lass k(n)acken, Helge! \u2013 Universal\/Polydor 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1469\" title=\"Helge Schneider - Lass k(n)acken, Helge!\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Helge-Schneider-Lass-knacken-Helge.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"141\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (06.09.2015)<\/p>\n<p>Der Ruhestand ist nichts f\u00fcr den respektabelsten humorschaffenden Entertainer im deutschsprachigen Raum: Helge Schneider macht die Scorpions und kommt mit dem Programm \u201eLass k(n)acken, Oppa!\u201c nach seinem Abschied doch wieder auf Tour. Um das zu promoten, gibt es einen Konzertmitschnitt fast gleichen Titels von der Abschiedstour im vergangenen Jahr auf DVD, mitgeschnitten in Berlin. Zu sehen sind haufenweise Lieder aus seiner B\u00fchnenanfangszeit und zwei neuere St\u00fccke. Wie gewohnt garniert Schneider seine feinen Jazzst\u00fccke mit kom\u00f6diantischen Einlagen. Die gestalten sich erheblich anders als vor 20 Jahren, als er sich in der deutschsprachigen Humorkiste platzierte. Nicht schlechter, aber eben anders. Der Bonus dieser DVD indes ist besch\u00e4mend beleidigend.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ohne die Jazzmusik war ein Liveprogramm von Helge Schneider noch nie vorstellbar. Mit den versiertesten Musikern, die alle zwischendurch ein Solo bekommen und ihre exquisite Fingerfertigkeit zur umjubelten Schau stellen, bringt Schneider hier seine alten Hits dar, viele noch aus seinem ersten Film \u201eJohnny Flash\u201c: Mit W\u00fcrde performt er die alten Schlagerversuche \u201eLadiladiho\u201c, \u201eHunderttausend Rosen\u201c, \u201eEs hat gefunkt bei mir\u201c und \u201eDer Tanz auf dem Vulkan\u201c. Aus der Hit-Zeit Anfang bis Mitte der 90er bringt er \u2013 nun \u2013 eben die Hits: \u201eKatzeklo\u201c, \u201eHast du eine Mutter\u201c, \u201eDer Meisenmann\u201c und \u201eEs gibt Reis\u201c, streckenweise mit neuen Texten. Die folgenden 15 Jahre spart er aus und spielt dann lediglich die beiden neueren Lieder \u201eDer Sch\u00f6nheitschirurg von Banania\u201c und \u201eNachtigall, huh (Es zittert unser Haus, was ist nur drau\u00dfen los?)\u201c. Hinter dieser trockenen Liste steckt ein gigantisches Potpourri an Jazzstilen. Manche St\u00fccke \u2013 wie das entlarvend den Krautrock persiflierende \u201eNachtigall, huh\u201c \u2013 ufern ins Unendliche aus, dann geht es der gro\u00dfen Band tats\u00e4chlich um die Musik, um die transportierten Emotionen, um die Spielfreude, um den musikalischen Exzess. Wer nicht ein kleines bisschen Spa\u00df am Jazz hat, wird sich hier vermutlich verloren f\u00fchlen; alle anderen freuen sich mit den Musikern. Besonders der Chef kann was, wie jeder wei\u00df, der ihn kennt; der k\u00fcnstlerische H\u00f6hepunkt des Multiinstrumentalisten ist sicherlich, als er ein Trompetensolo gibt und sich dabei am Fl\u00fcgel begleitet. Der humoristische H\u00f6hepunkt in diesem Rahmen indes ist das uneingest\u00f6pselte Egitarrensolo: formal brillant, aber eben nicht zu h\u00f6ren. Ein Fest.<\/p>\n<p>Auch verbal hat Schneider nat\u00fcrlich einiges an Humor zu bieten; dabei geht er jedoch weniger assoziativ und jazzig vor als vor 20 Jahren. Das ist bedauerlich, weil man eben seine spinnerte Art, Dinge zusammenzubringen, zu lieben gelernt hat; ein Alleinstellungsmerkmal, das andere Humoriker nicht einmal zu kopieren gewagt haben. Gelegentlich blitzt das Absurde durch, wenn er etwa erz\u00e4hlt, dass ein Freund von ihm beruflich Katholisch auf Evangelisch \u00fcbersetzt. Ansonsten verlegt er sich seit einiger Zeit vermehrt darauf, Witz daraus zu sch\u00f6pfen, dass er seinen Teekoch Bodo erniedrigt oder dass ein zerzauster Sergej Gleitmann auf der B\u00fchne herumzappelt. Das klingt nach zeitgen\u00f6ssischem Otto Waalkes und ist eines Helge Schneider nicht w\u00fcrdig. Seine W\u00fcrde offenbart er vielmehr, als er respektlos die kompositorischen Mechanismen in Beethovens \u201eMondscheinsonate\u201c offenlegt: So etwas kann nur Schneider, Hochkultur und Kabarett auf diese Weise verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Sicherlich hat man schon Witzigeres von Helge gesehen, aber selten so geballt musikalisch Anspruchsvolles geh\u00f6rt. Insofern hat die DVD in jedem Fall ihre Berechtigung, besonders, weil der Meister gelegentlich Anmerkungen zu seinen kreativen Hintergr\u00fcnden gibt. Zuletzt interviewt er sich selbst in der spanischen W\u00fcste und offenbart dabei ein schauspielerisches Talent, das er sogar in seinen eigenen Filmen versteckt.<\/p>\n<p>Seltsam ist die Angabe auf der DVD, der Film sei 145 Minuten lang; tats\u00e4chlich sind es gerade 100. Der einzige Bonus besteht aus einer beigelegten CD, die der Fan definitiv nicht braucht, denn dabei handelt es sich um einen Zusammenschnitt des im vergangenen Jahr erschienenen Doppelalbums \u201eLive At The Grugahalle\u201c, nur ohne die Ansagen. In diesem Zusammenhang ist die Coveraufschrift \u201eDas ungek\u00fcrzte Meisterwerk: DVD &amp; CD\u201c eine Frechheit, besonders, weil auch noch irref\u00fchrenderweise das Covermotiv des genannten Livealbums \u00fcbernommen wurde.<\/p>\n<p>Abgesehen davon hat man an der DVD seine gro\u00dfe Freude. Es zeigt den alten Mann (Schneider wird in diesem Jahr 60) in guter Form und belegt seine Ausnahmerolle in der Entertainmentbranche. Muss man einfach mal so festhalten. Einen wie ihn gibt es nicht zweimal. In jeder Hinsicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (06.09.2015) Der Ruhestand ist nichts f\u00fcr den respektabelsten humorschaffenden Entertainer im deutschsprachigen Raum: Helge Schneider macht die Scorpions und kommt mit dem Programm \u201eLass k(n)acken, Oppa!\u201c nach seinem Abschied doch wieder auf Tour. 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