{"id":1410,"date":"2015-07-13T22:42:32","date_gmt":"2015-07-13T20:42:32","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1410"},"modified":"2015-07-13T22:45:08","modified_gmt":"2015-07-13T20:45:08","slug":"automat-plusminus-bureau-b-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/automat-plusminus-bureau-b-2015\/","title":{"rendered":"Automat \u2013 Plusminus; Automat &#038; Max Loderbauer \u2013 Selekt 01 \u2013 Bureau B 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1411\" title=\"Automat - Plusminus\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Automat-Plusminus.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1412\" title=\"Automat &amp; Max Loderbauer - Selekt 01\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Automat-Max-Loderbauer-Selekt-01.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (13.07.2015)<\/p>\n<p>Das ist Sommermusik f\u00fcr Erwachsene. F\u00fcr Leute, die bereits erfahren haben, dass das Leben aus einem schweren Bisschen mehr besteht als in stylishen Restklamotten gechillt am Strand rumzuh\u00e4ngen, klebrige In-Cocktails und andere Bewusstseinsmanipulatoren in sich reinzukippen und den n\u00e4chsten Nachtabschnittsbegleiter f\u00fcr sich klar zu machen. Auch gute Laune kann schwarz sein, auch die Dunkelheit kann strahlen: Automat machen Dub in einem reichlich weiten Sinne. Ihre Musik beschallt die Party danach, f\u00fcr die G\u00e4ste, die erst dann zu feiern beginnen, nachdem die Hedonisten dumpf in den Vulkan gekippt sind. Wer dann n\u00e4mlich noch \u00fcbrig ist, tanzt zum Automat&#8217;schen Postapokalypse-Reggae.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der Hall und die gelegentlichen getoasteten Effekte charakterisieren Automat-Musik grob als Dub. Mit dessen jamaikanischen Variante von vor 50 Jahren hat dieser Dub allerdings weniger zu tun. Hier kopiert niemand alte Dancehall-Songs, sondern generiert eine eigene Musik, die wiederum nicht von ungef\u00e4hr an den vornehmlich rhythmusbasierten Dub aus der Post-Punk- oder Industrial-Zeit Anfang der 80er erinnert. Schlie\u00dflich reichen die musikalischen Anf\u00e4nge der Mitglieder dieses Trios in genau jene Zeit zur\u00fcck: In Jochen Arbeits Lebenslauf stehen unter anderem Die Haut, Sprung aus den Wolken und die Einst\u00fcrzenden Neubauten, Achim F\u00e4rber spielte bei Project Pitchfork, als \u201eMonk\u201c in Phillip Boas Voodooclub, zudem bei De\/Vision und vor einer Dekade kurz bei Die Krupps, und Georg Zeitblom startete seinerzeit mit Sovetskoe Foto. Klingt alles nicht nach besonders guter Laune. Und eben diese musikalischen Abgr\u00fcnde schleppen die drei weiter in sich herum und lassen sie in ihre Version sonniger Dubmusik einflie\u00dfen.<\/p>\n<p>Davon kann man in der Tat gute Laune bekommen, wenn man mindestens ebenfalls bereits so einiges an flachen Partys hinter sich und das Leben als etwas doch nicht so Heiteres erlebt hat. Dann n\u00e4mlich treffen Automat auf offene Ohren, dann dringen die typischen Bassgrooves und Schlagzeugfiguren leicht ins Gehirn ein, dann bekommen die eingestreuten Kratz-, Jaul- und St\u00f6rger\u00e4usche eine Relevanz, dann bilden die dunklen T\u00f6ne ein viel tragf\u00e4higeres Fundament als die \u00fcblichen fr\u00f6hlichen Reggaemelodien. Stimmen klingen, sofern sie dies \u00fcberhaupt tun, wie spr\u00f6de knarzend aus dem Computer. Die Rhythmen sind nicht auf die jamaikanischen Vorlagen beschr\u00e4nkt; das Titelst\u00fcck etwa ist \u00fcberraschend rasant und dabei gleichzeitig trippig. Und voll sind die St\u00fccke, nicht vollgestopft, sondern volumin\u00f6s, raumf\u00fcllend. Denn trotz der grunds\u00e4tzlichen Gitarre-Bass-Schlagzeug-Besetzung mixen die drei reichlich Effekte aus dem Computer dazu. Passend, wohlgemerkt. Das verleiht manchem Track beinahe etwas Clubtaugliches; aber solche Clubs m\u00fcssen noch erfunden werden. Anders als noch auf dem Deb\u00fct von vor einem Jahr, bedient sich das Trio dieses Mal \u00fcbrigens nicht bei Gasts\u00e4ngern. Hat es auch gar nicht n\u00f6tig; Stimme, Gesang, Text w\u00fcrden vielmehr eher st\u00f6ren hier. Die Musik wei\u00df alleine von sich zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Nun sind Automat gerade seit zwei Jahren aktiv und haben schon sechs Ver\u00f6ffentlichungen auf dem Zettel. Zu zwei Record Store Days gab es Split-12\u201ces, eine mit Kreidler und eine mit Camera, dann eine Split-12\u201c mit Schneider TM namens \u201eBootleg\u201c und fast parallel zu \u201ePlusminus\u201c die EP \u201eSelekt 01\u201c mit Max Loderbauer, dem ersten Teil einer neuen Kollaborationsserie des Labels Bureau B. Darauf klingt der Automat-Dub wieder anders, fordernder, tanzbarer, verspielter, elektronischer. IDM-Fachmann Loderbauer nimmt der Automat-Musik das Entspannte und presst sie in kompakter groovende Formen. Stressig wird sie davon nicht, bleibt sogar \u00e4hnlich dunkel und bekommt wie beil\u00e4ufig einen ver\u00e4nderten Charakter. Hier wird sogar noch deutlicher, was die regul\u00e4ren Automat-Ver\u00f6ffentlichungen schon auszeichnet: Vordergr\u00fcndig elektronische Musik erh\u00e4lt viel mehr Tiefe, wenn sie mit echten Instrumenten gespielt wird. Wie auf \u201eSelekt 01\u201c etwa der Bass eine Matratze auslegt, auf der die Beats pluckern, das geht mit einem E-Bass einfach besser.<\/p>\n<p>Der \u201ePlusminus\u201c-LP liegt \u00fcbrigens wie dem ersten Album eine CD bei, den ersten 100 dazu noch ein etwa siebenz\u00f6lliger Kunstdruck mit dem Covermotiv (der Rezensent hat die handgeschriebene Nummer 065 von 100). Die 12\u201ces von Automat gibt es leider nicht als Download, \u201eSelekt 01\u201c immerhin zum Streamen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (13.07.2015) Das ist Sommermusik f\u00fcr Erwachsene. 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