{"id":1389,"date":"2015-07-05T12:45:58","date_gmt":"2015-07-05T10:45:58","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1389"},"modified":"2015-07-05T12:45:58","modified_gmt":"2015-07-05T10:45:58","slug":"ronald-r-klein-stefan-van-zwoll-hg-schimmel-uber-berlin-verlag-andreas-reiffer-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ronald-r-klein-stefan-van-zwoll-hg-schimmel-uber-berlin-verlag-andreas-reiffer-2015\/","title":{"rendered":"Ronald R. Klein &#038; Stefan van Zwoll (Hg.) \u2013 Schimmel \u00fcber Berlin \u2013 Verlag Andreas Reiffer 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1390\" title=\"Klein &amp; van Zwoll - Schimmel \u00fcber Berlin\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/Klein-van-Zwoll-Schimmel-\u00fcber-Berlin.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"141\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (05.07.2015)<\/p>\n<p>\u201eSchimmel \u00fcber Berlin\u201c ist eine seltsame Anthologie. Sie gibt im Klappentext vor, eine von mehreren Autoren abgefasste Abhandlung mit alternativen Blicken auf das immerw\u00e4hrende Hypethema Berlin zu sein, doch wer das Buch deswegen kauft, wird entt\u00e4uscht, denn es stimmt nicht. Es sind haufenweise Beitr\u00e4ge ohne Berlinbezug dazwischen, und wo etwa in Interviews auch mal Berlin angesprochen wird, geschieht dies nur unter ferner liefen. Man tut sich vielmehr einen Gefallen damit, das Buch nicht wegen Berlin zu erwerben (oder auch, f\u00fcr diejenigen, denen Berlin als Thema einfach mal geflissentlich auf den Sack geht, trotz Berlin), sondern um seiner selbst willen, und dann bietet es dem Leser eine \u00fcberraschende Bandbreite an Prosa, Lyrik, Meinungen und Kunst an; auch qualitativ ist die Bandbreite gro\u00df: Nicht alles gef\u00e4llt, aber das Gefallende ist dann wiederum besonders gut. In der Tat: ein schr\u00e4ger Mix.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Vorwort verr\u00e4t, dass die Herausgeber zwischen 1999 und 2004 ein Magazin namens \u201eLIBUS\u201c betrieben und dass \u201eSchimmel \u00fcber Berlin\u201c dazu eine Art Analogie darstellen soll, aber kein Best-Of. Woher die Beitr\u00e4ge nun kommen und warum trotzdem so viele alte Texte darunter sind, verschweigt man jedoch. Einige LIBUS-Macher erl\u00e4utern in Gestalt eines eingestreuten Beitragstextes ihre Motivation, sich bei dem Magazin eingebracht zu haben, dies aber oftmals so verschwurbelt, dass man die Beweggr\u00fcnde trotzdem nicht nachvollziehen kann. Bleibt das Fazit, dass man als Leser auch ohne klare Erl\u00e4uterungen f\u00fcr das auskommen muss, was man da grad in den H\u00e4nden h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Und das ist also ein Magazin in Buchform. Also schon mal f\u00fcr sich gesehen eine gute Idee. Als Lockmittel sind Interviews mit klug ausgew\u00e4hlten Prominenten quer \u00fcber die 300 Seiten verstreut, die bis auf eines alle Ronald R. Klein f\u00fchrte; einzig mit Jonathan Meese sprach Kerstin Roose. Klein interviewte eine repr\u00e4sentative Auswahl an ernstzunehmenden K\u00fcnstlern und vermied es, sich mit Glitzersternchen zu behaften; er sprach etwa mit Iggy Pop und Dieter Meier, Laibach und Anne Clark, Christoph Schlingensief und Wolfgang Joop, Ellen Alien und Johan Edlund. Diese Gespr\u00e4che sind in jeder Hinsicht aufschlussreich: Einige Gespr\u00e4chspartner lassen sich auf einen vergn\u00fcglichen Talk ein, dem man mit Freude folgt. Andere hingegen \u00fcbernehmen die hochgestochene, oft viel zu intellektuelle Sprechweise des Interviewers und bleiben in ihrer Sachlichkeit unkonkret und so narzisstisch wie der Fragesteller, dass man sich dar\u00fcber wundert, wie die Beteiligten dies als Gespr\u00e4ch aufgefasst haben konnten. Manchmal erzeugt dies den Eindruck, als h\u00e4tte es zwischen ihnen gar keine konkreten Themen gegeben.<\/p>\n<p>Drumherum platzierten die Herausgeber literarische Arbeiten. Mit deren Qualit\u00e4t verh\u00e4lt es sich ebenso wie mit denen der Interviews. Manches ist \u2013 mit Verlaub \u2013 Egowichse, anderes Lesefutter mit Aussage, Sprachwitz, Kritik oder sonstigem Einfallsreichtum. Bj\u00f6rn Kuhligks \u201eDen Job bekommst du!\u201c ist ein lakonischer Hybrid aus Literatur und Reportage \u00fcber den Job als Zeitungszusteller. \u00dcberspitzt satirisch geht jemand namens alic borNa in \u201eKlinik XIV: Der Durst\u201c an den Kater danach heran. Melancholisch-zynisch geht Thorsten Schulz in \u201eDrei Geburtstage\u201c mit den Altlasten der deutschen Geschichte um. Die Adoleszenz einer Au\u00dfenseiterin beschreibt Yvonne Kaeding in \u201eFluchtwege\u201c reflektiert und selbstanalytisch. Ebenso offen beschreibt Nicole Hahn in \u201eDer Brief\u201c die Probleme, die sie mit psychischen Problemen im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft sieht. In feinster \u201eBolle\u201c-Manier reimt Gerda Arndt-Komalek in \u201eEilig \u2013 Ein Schicksalswort\u201c \u00fcber Zeitnot; einer der wenigen wahrhaft humoristischen Beitr\u00e4ge, \u00fcbrigens.<\/p>\n<p>Dem entgegen stehen bestenfalls mahnende Zeigefinger (\u201eDer Unfall\u201c von Titus M\u00fcller), meistens aber Experimente, denen man nur schwer folgen kann oder gar nicht folgen mag. Muss es auch geben, umso deutlicher stechen die Beitr\u00e4ge hervor, die man mag. Au\u00dferdem steuert Friederike Ablang so genannte Visual Art bei, die sich von Kunst allgemein nicht signifikant dadurch unterscheidet, dass man sie sehen kann, was den Begriff etwas r\u00e4tselhaft macht; ihre Grafiken sind h\u00fcbsch, fantasievoll, farbenfroh, freundlich, verspielt, vertr\u00e4umt; ihre Fotoreihe \u201eDer Stuhl\u201c stellt einen weiteren raren, aber sehr schwarzen Humorpunkt dar. Die weiteren Fotos in dem Buch sind vorrangig einfach mal da.<\/p>\n<p>Berlin nun, diese Stadt, die jemand mal rund um einen Club namens Berghain errichtete, von der alle bundesdeutschen Trends ausgehen und wo man einzig relevante Kultur produziert, wo in den 70ern bis 90ern international relevante K\u00fcnstler von Legenden umrankte international relevante Kunst fabrizierten, Berlin also, das taucht nur nebenbei auf. Immer wieder mal versuchen die Herausgeber, die Stadt zu platzieren, aber sie ist mehr Beiwerk als Zentrum. Ehrlich: Das ist auch gut so. \u201eEs gibt mehr wie Tennis auf der Welt\u201c, um es mal mit Boris Becker zu sagen, und dieses vermeintliche Berlin-Buch belegt dies. Und der Titel, selbstverst\u00e4ndlich angelehnt an den des Films \u201eDer Himmel \u00fcber Berlin\u201c von Wim Wenders, stellt damit gottlob eher Kaufargument als Inhaltsbeschreibung dar.<\/p>\n<p>Wie mit jedem guten Sampler, ist es auch mit diesem Buch: Man entdeckt neue Autoren und K\u00fcnstler, bekommt Einblicke in fremde Gedankenwelten, erweitert seinen Horizont, st\u00f6\u00dft an seine Grenzen, findet seinen eigenen Standpunkt. Die Vielfalt hat etwas latent Willk\u00fcrliches, daf\u00fcr aber auch einen enorm weiten Horizont.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (05.07.2015) \u201eSchimmel \u00fcber Berlin\u201c ist eine seltsame Anthologie. 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