{"id":138,"date":"2012-06-08T17:44:40","date_gmt":"2012-06-08T15:44:40","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=138"},"modified":"2012-11-10T14:47:44","modified_gmt":"2012-11-10T13:47:44","slug":"nils-koppruch-live-beim-festival-theaterformen-in-braunschweig-gartenhaus-haeckel-am-7-juni-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/nils-koppruch-live-beim-festival-theaterformen-in-braunschweig-gartenhaus-haeckel-am-7-juni-2012\/","title":{"rendered":"Nils Koppruch \u2013 Live beim Festival Theaterformen in Braunschweig, Gartenhaus Haeckel, am 7. Juni 2012"},"content":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.06.2012)<\/p>\n<p>Was fehlte: Die tanzenden Theaterleute vor der B\u00fchne. Eigenartig eigentlich. So blieb es bei dem gro\u00dfen Abstand zwischen Publikum und K\u00fcnstlerduo \u2013 Gitarrist Nils Koppruch hatte sich einen Bassisten zur Seite gestellt \u2013, der daraus resultierte, dass sich der bequeme Teil der Zsuchauer mit Klappst\u00fchlen fernab der B\u00fchne niederlie\u00df und so jedem anderen den Mut nahm, sich davorzustellen. Diese Distanz blieb auch mental bis zum Schluss des einst\u00fcndigen Konzertes erhalten: Bis auf einige Fink-Fans, die an ihren lauten Begeisterungsrufen zu erkennen waren, sobald die ersten Zeilen vertrauter Lieder oder die letzten T\u00f6ne der Songs erklangen, schienen die Braunschweiger nur \u2013 immerhin \u2013 leise oder sich unterhaltend an dem Auftritt interessiert zu sein, nur bedingt jedoch jugbelnd oder lautstark applaudierend. Einige verlie\u00dfen das stimmungsvolle Konzertgel\u00e4nde gar vorzeitig, weil ihnen die Musik, wie sie sagten, zu langweilig war. Koppruch geh\u00f6rt nun mal konzentriert geh\u00f6rt: Seine Sprache l\u00e4sst sich nicht ad hoc entschl\u00fcsseln, und dabei hat er doch so viel zu sagen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Koppruch arbeitet mit Bildern und Analogien, bezieht sich auf Mythologisches, Biblisches und Redewendungen und f\u00fcgt alles zu sehr emotionalen Betrachtungen zusammen. Oft geht es um Beziehungen, h\u00e4ufig um die Position des Einzelnen in der Masse und das Gef\u00fchl, das man hat, wenn man das Weltgeschehen betrachtet und sich ausgeliefert und hilflos vorkommt. Koppruch sagt dem H\u00f6rer dann: Du bist nicht allein. Zumindest kann das eine m\u00f6gliche Interpretation sein. Das ist das Sch\u00f6ne bei seinen Texten: Der Nebenmensch kann schon wieder etwas v\u00f6llig Anderes darin erkennen als man selbst, bestenfalls sich selbst. Oder eben auch gar nichts und gehen. Es hilft, die CDs \u00f6fter zu h\u00f6ren, weil man die Texte mit jedem Durchlauf mehr f\u00fcr sich entschl\u00fcsselt, aber das ist bei einem Liveauftritt naturgem\u00e4\u00df etwas schwierig.<\/p>\n<p>Aber dann gab es ja auch noch Musik. Koppruch hatte seine Akustikgitarre dabei, machte aber trotzdem keinen Singer-Songwriter-Tr\u00e4llerm\u00fcll. Mit dem Fu\u00df bediente er den Schellenkranz und um den Hals trug er wie Bob Dylan ein Mundharmonikagestell. Der Bass seines Compagnons war elektrifiziert. Wie schon bei Fink und Koppruchs Solo-Alben hatte die entspannte Rockmusik einen Country-Einschlag, nur dass von der Rockmusik bei der Instrumentierung bis auf den Rhythmus nicht mehr viel \u00fcbrig blieb. Dem Zuh\u00f6renden fehlte dennoch nichts, schlie\u00dflich hatten sie es mit Virtuosen zu tun; jedoch lud die musikalische Entspannheit dazu ein, sich nebenbei zu unterhalten oder das Konzert eben auch langweilig zu finden.<\/p>\n<p>Koppruch k\u00fcndigte seinen Bassisten Lars Paetzelt als seine Band \u201eDer Wald\u201c an: \u201eIch stehe also mit einem Baum auf der B\u00fchne.\u201c Als Humorbolzen entpuppte sich der Hamburger indes nicht, als galanter Conferencier auch nicht. Das machte ihn aber nicht weniger sympathisch; im Gegenteil: Ein S\u00e4nger, der sich aufs Singen konzentrierte, war nicht nur deshalb eine willkommene Abwechslung, weil Witze ohnehin nicht angebracht gewesen w\u00e4ren, sondern auch, weil Koppruchs Texte eben wundervoll sind, ohne direkt aufs Lachen abzuzielen. Ab und zu versuchte Koppruch sich dann doch am Witz: \u201eDas n\u00e4chste Lied ist das \u00e4lteste, was wir heute Abend spielen.\u201c Es sei seinerzeit f\u00fcr den Film \u201eQuo Vadis\u201c verfasst und dann nicht im Soundtrack untergebracht worden. Das Duo spielte einige Akkorde, dann unterbrach sich Koppruch: \u201eAndere Geschichte\u201c, sagte er und erz\u00e4hlte eine andere Geschichte zu dem Song.<\/p>\n<p>Wie bei allen Musikern, die wahlweise lange nach ihrer Hit-Zeit oder nach dem Aus einer beliebten Band solo unterwegs sind, wollen die Fans das Altvertraute h\u00f6ren. Entsprechend gro\u00df war die Freude, wenn Koppruch Fink-Songs anstimmte. Dabei sind seine Soloalben von ebenb\u00fcrtiger Qualit\u00e4t. \u201eNicht die Bienen\u201c etwa vom Deb\u00fct \u201eDen Teufel tun\u201c ist nicht weniger toll als \u201eEr sieht sie an w\u00e4hrend sie ihn ansieht und er sieht zur T\u00fcr\u201c. Beide Songs speilte Koppruch \u00fcbrigens. Und zum Schluss als vierte Zugabe \u2013 ein weieter Witz \u2013: \u201eOh, du lieber Augustin\u201c.<\/p>\n<p>Die Musik verklang, das Licht verlosch, die Instrumente verschwanden von der B\u00fchne, doch noch eine halbe Stunde sp\u00e4ter \u00e4nderte sich die Anordnung des sitzenden und stehenden Publikums nicht, h\u00f6chstens, um f\u00fcr den Getr\u00e4nkenachschub zu sorgen. Keine \u00fcbliche Abwanderung setzte ein, der Gro\u00dfteil blieb einfach da und genoss die Nacht mit Freunden, Vertrauten und Fremden. Ohne das Festival Theaterformen w\u00e4re man in dieser Konstellation zwar nicht zusammengekommen, man brauchte es und damit Koppruch dann aber auch nicht mehr, um zusammenzubleiben. Erst der wie angek\u00fcndigt gegen Mitternacht einsetzende Regen trieb die G\u00e4ste langsam auseinander. So sch\u00f6n ist es in Braunschweig. Koppruch war klasse, die Gespr\u00e4che aber auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.06.2012) Was fehlte: Die tanzenden Theaterleute vor der B\u00fchne. Eigenartig eigentlich. 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