{"id":1371,"date":"2015-06-25T23:54:05","date_gmt":"2015-06-25T21:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1371"},"modified":"2015-06-26T07:45:31","modified_gmt":"2015-06-26T05:45:31","slug":"faith-no-more-sol-invictus-reclamation-recordsipecac-2015-tetema-geocidal-ipecac-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/faith-no-more-sol-invictus-reclamation-recordsipecac-2015-tetema-geocidal-ipecac-2015\/","title":{"rendered":"Faith No More \u2013 Sol Invictus \u2013 Reclamation! Records\/Ipecac 2015; T\u0113t\u0113ma \u2013 Geocidal \u2013 Ipecac 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1372\" title=\"Faith No More - Sol Invictus\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/Faith-No-More-Sol-Invictus.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1373\" title=\"T\u0113t\u0113ma - Geocidal\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/T\u0113t\u0113ma-Geocidal.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (25.06.2015)<\/p>\n<p>Faith No More sind ohne Jim Martin einfach nicht mehr Faith No More. Die Crossoverpioniere verkrafteten den Wechsel von Chuck Mosley zu Mike Patton am Mikro deutlich besser als den von Jim Martin zu wem auch immer an der Gitarre. Der jetzige spielt einfach nur Gitarre, Jim Martin hatte Seele, Fl\u00e4che, Atmosph\u00e4re, Charakter, einen eigenen Sound, egal, ob bei Pop, Funk oder Death Metal. Da war selbst Pattons Seitenprojekt Tomahawk bisweilen dichter an den klassischen Faith No More, als die es nach Martins Ausstieg waren. Und nach 18 Jahren Pause nun wieder sind. Da es einigerma\u00dfen offenbar ist, dass trotz einer Leadsingle mit dem Antititel \u201eMotherfucker\u201c nat\u00fcrlich vorrangig kommerzielle Beweggr\u00fcnde zu \u201eSol Invictus\u201c (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen nationalsatanistischen Band) f\u00fchrten, und nicht eben kreative, bringt Mike Patton nahezu parallel mit \u201eGeocidal\u201c ein sehr gegens\u00e4tzliches, h\u00f6chst experimentelles Album mit seinem neuen Freejazz-Projekt T\u0113t\u0113ma heraus. Beides zusammen w\u00e4re vermutlich ein richtig geiles Album.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sicherlich, auf \u201eSol Invictus\u201c gibt es Lieder, deren Sound bis weit in die 80er zur\u00fcckragt. Das Piano in \u201eSuperhero\u201c h\u00e4tte es so sicherlich vor 30 Jahren auch auf \u201eWe Care A Lot\u201c schon gegeben. Doch genau bei diesem St\u00fcck wird exemplarisch deutlich, wie gro\u00df der Unterschied zum letzten gro\u00dfen Werk \u201eAngel Dust\u201c ist: John Hudsons Gitarre ist charakterloses Beiwerk. Imaginiert man sich einen Jim Martin dazu, kl\u00e4nge die Gitarre aus, ersch\u00fcfe sie Universen, lie\u00dfe Sounds zu Supernovae anschwellen. Bei Hudson klingt die Gitarre abgehackt, spr\u00f6de, trocken, gebremst, versenkt, und das wirkt sich in gleichem Ma\u00dfe auf den Gesamtsound der Songs aus. Ihnen fehlt schlichtweg die Atmosph\u00e4re. Das war auch schon auf dem ersten Album mit Hudson so, \u201eKing For A Day, Fool For A Lifetime\u201c. Sicher, wenn man wei\u00df, dass Martin nach \u201eAngel Dust\u201c ausstieg, weil er mit der Entwicklung des Bandsounds nicht mehr einverstanden war, und sich dann sein folgendes, eher schwachbr\u00fcstiges Soloalbum \u201eMilk And Blood\u201c anh\u00f6rt, wei\u00df man, dass Faith No More auch mit ihm nicht die alte Klasse behalten h\u00e4tten. Zus\u00e4tzlich dazu ist auch noch Roddy Bottums Keyboard ebenso arg zur\u00fcckgenommen. Steuerte er auf den ersten drei, vier Alben noch den Kitt bei, der den Songs das i-T\u00fcpfelchen an gro\u00dffl\u00e4chigem Zusammenhalt gab, ist er auf \u201eSol Invictus\u201c fast gar nicht mehr zu h\u00f6ren. Das Ausufernde fehlt ohnehin, die St\u00fccke sind trotz ihrer \u00fcberwiegenden Unkonventionalit\u00e4t sehr kompakt. Einzig \u201eMatador\u201c und eben \u201eSuperhero\u201c \u00fcberschreiten mal die F\u00fcnf-Minuten-Marke, das ganze Album ist keine 40 Minuten lang.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es sch\u00f6n, dass von der alten Bande tats\u00e4chlich alle aus der letzten Besetzung auch hier wieder mit an Bord sind. Neben Patton, Hudson und Bottum sind dies Schlagzeuger Mike Bordin und Bassist Billy Gould. Gegen Pattons Stimmakrobatik ist ohnehin nichts einzuwenden. Er growlt, croont, schreit, singt klar, wispert, spuckt Plosivlaute, hyperventiliert, und all das in gr\u00f6\u00dferem Umfang als zu aktiven Faith-No-More-Zeiten, weil er sich in der Zwischenzeit einfach in tausenden Projekten verwirklichen konnte. Alleine daf\u00fcr lohnt sich \u201eSol Invictus\u201c schon, und bei aller Entt\u00e4uschung \u00fcber die gro\u00dfen Unterschiede zu den alten Faith No More muss man auch festhalten, dass \u201eSol Invictus\u201c f\u00fcr sich gesehen ein gutes Rockalbum ist. Die Jungs haben gute Ideen, scheren sich um Konventionen, arrangieren sich um Kopf und Kragen, mit Kastagnetten, Ch\u00f6ren, Mundharmonikas. Kommerziell ist \u201eSol Invictus\u201c also nicht vordergr\u00fcndig wegen der darauf enthaltenen Musik, sondern wegen des aufgedruckten Bandnamens. Dennoch: Wegen \u201eSol Invictus\u201c allein w\u00fcrde man wohl eher nicht zum Faith-No-More-Fan werden.<\/p>\n<p>Trotz der Unkommerzialit\u00e4t von Faith No More tobt sich Patton in seinem neuesten Nebenprojekt T\u0113t\u0113ma musikalisch sogar noch weitaus experimenteller aus. Es ist nicht so schlimm wie \u201eShe\u201c von Maldoror, da auf \u201eGeocidal\u201c tats\u00e4chlich song\u00e4hnliche Strukturen zu h\u00f6ren sind, doch tr\u00e4gt der Umstand Rechnung, dass sein Kooperationspartner Anthony Pateras ein eigenwilliger australischer Freejazzkomponist ist, der als sein Lieblingsinstrument das pr\u00e4parierte Klavier nennt.<\/p>\n<p>Hier wirft Patton alles zusammen, womit er seine treue H\u00f6rerschaft in den vergangenen 20 Jahren herausforderte: unrhythmisches Geschrei, als Polyrhythmik verkleidetes taktloses Poltern, industrielle Noisesounds, vermeintlich willk\u00fcrliche Stimmakrobatik, flirrende Hintergrundeffekte, durchsetzt mit Wohlf\u00fchlsounds aus dem Ambientregal, groovenden Jazz-Beats, klarem Gesang, Glockenspiel, Trompete, was auch immer. Und hey: Was zun\u00e4chst anstrengend, verwirrend und undurchsichtig erscheint, offenbart recht schnell eine eigene Atmosph\u00e4re, etwas enorm Einnehmendes, mit etwas Eingew\u00f6hnung sogar Positives, Wohliges. Auf \u201eGeocidal\u201c erklingt keine einfache Musik, sie ist nicht einmal so nachvollziehbar, wie es der fr\u00fche Free Jazz vergleichsweise war. Und trotzdem, man bringt nicht nur Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das auf, was da passiert, sondern gro\u00dfe Zuneigung. Das liegt vermutlich auch daran, dass die Strukturen zwar ungew\u00f6hnlich sind, es aber kein \u00fcbertrieben un\u00fcbersichtliches instrumentales Durcheinander gibt. Man muss nat\u00fcrlich ein Faible haben f\u00fcr Horrorfilmsoundtracks oder so etwas. Nat\u00fcrlich erfindet auch ein Mike Patton das Rad nicht neu, man entdeckt seine Inspiration etwa bei Frank Zappa, den Residents, Sun Ra und anderen. Aber das macht nichts, Patton bleibt er selbst, mindestens aufgrund der charakterstarken Stimme.<\/p>\n<p>\u201eGeocidal\u201c ist nur eine Minute k\u00fcrzer als \u201eSol Invictus\u201c. Man m\u00fcsste mal jemanden mit zwei Plattenspielern fragen, was dabei herauskommt, wenn man beide Alben gleichzeitig abspielt. Und \u00e0 propos Plattenspieler, beide Alben kommen mit Download-Code. Und \u00fcbrigens lohnt es sich, sich auch die anderen Projekte einiger Faith-No-More-Mitglieder anzuh\u00f6ren, besonders Imperial Teen von Keyboarder Roddy Bottum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (25.06.2015) Faith No More sind ohne Jim Martin einfach nicht mehr Faith No More. 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