{"id":1349,"date":"2015-06-12T10:56:02","date_gmt":"2015-06-12T08:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1349"},"modified":"2015-06-12T10:56:02","modified_gmt":"2015-06-12T08:56:02","slug":"jurassic-world-colin-trevorrow-usa-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jurassic-world-colin-trevorrow-usa-2015\/","title":{"rendered":"Jurassic World \u2013 Colin Trevorrow \u2013 USA 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (12.06.2015)<\/p>\n<p>Der Film f\u00e4ngt noch viel beschissener an, als man zu f\u00fcrchten wagte: US-Amerikanische heile Welt, gl\u00fcckliche Familie mit zwei Kindern, davon ein frisch verliebter Teenager, der unbeholfen von seiner Auserw\u00e4hlten Abschied nimmt. Alles in Pastell, in altbekannten Dialogen, mit Dudelmucke unterlegt, kitschig-s\u00fc\u00dflich arrangiert. KOTZ!!! Das ist unfassbar schlimm. Das Allerschlimmste daran ist, dass das zwar ironisch aussieht, oder besser: dass man hofft, es sei zumindest ironisch gef\u00e4rbt, dass es aber komplett ernst gemeint ist. Die wollen einem ernsthaft als Rahmenhandlung zu einem Dinosaurier-Actionfilm so einen kindertauglichen RomCom-Schwachsinn andrehen. Und bei dieser Rezeptur bleibt es: Keine Figur ist auch nur halbwegs durchdacht, sie agieren und reden allesamt und durchgehend stereotyp. Damit sind auch fast alle Zwangsgags vorhersehbar. Inklusive dem Showdown, und dabei f\u00e4llt einem ein, dass es ja auch noch animierte Dinosaurier in dem Film gibt. Ja, die Reptilienpassagen sind ansehnlich und turbulent und besonders in 3D sehenswert. Sie rechtfertigen aber den gehirnschmelzenden Schei\u00df drumherum nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist halt bl\u00f6d, wenn die Zielgruppe nicht eindeutig sein darf, weil man das Produkt so breit wie m\u00f6glich vermarkten will. Und genau das merkt man dem Film einfach an. Kinder sind hier die Hauptfiguren. Um Gottes Willen. Sicher, Jungs finden Dinos geil, aber dann soll man f\u00fcr die einen Extrafilm drehen. Oder aus dem Material zurechtschneiden.<\/p>\n<p>Seltsam am zeitgen\u00f6ssischen Hollywood ist, dass in dieser Industrie Milliarden von Dollars stecken, aber f\u00fcr vern\u00fcnftige Drehbuchautoren keine Kohle \u00fcbrig ist. Warum zum Henker muss die Rahmenhandlung von Special-Effects-Filmen immer so extrem nach Baukasten aussehen? Daf\u00fcr braucht man kein Script, um die tausendfach gesehenen Versatzst\u00fccke anderer Blockbuster willk\u00fcrlich zu arrangieren. Inklusive der Dialoge, Charakterkonstellationen und Pseudoemotionen. Das, liebe Filmgucker, ist Verarschung des Publikums. Ganz offensiv. Aber das Publikum schluckt es.<\/p>\n<p>Es ist so banal und haneb\u00fcchen: Die beiden Kinder sind Neffen einer Jurassic-World-Managerin, die auf sie aufpassen soll, aber aus Businessgr\u00fcnden keine Zeit daf\u00fcr findet und ihnen deshalb eine smartphoneversessene Ego-Blondine an die Seite stellt. Klar b\u00fcxen die Jungs aus. Der Ex-Lover der Tante ist dies genau deshalb, weil er \u2013 wie sie moniert \u2013 zum ersten Date in Hawaii-Shorts aufschlug, \u201ewer macht denn sowas\u201c, genau, wer ist denn so oberfl\u00e4chlich und verkauft das auch noch als allgemeing\u00fcltig? Dieser Typ ist ein \u201eIndiana Jones\u201c-geschulter actiongeladener Gutmensch und der Retter der Insel. Dann gibt\u2019s noch seinen ebenfalls moralischen Kollegen, einen machtgeilen Milit\u00e4rarsch, einen skrupellosen Wissenschaftler, einen ebenso skrupellosen Parkchef, einen latent eigensinnigen Wachmann, die emotional angeditschte Topmanagermutter der Kinder (die geheime Scheidung der Eltern konterkariert immerhin die heile Welt des Anfangs) sowie massenhaft Dinofutter.<\/p>\n<p>Die eigentliche Handlung gibt dann das Trickstudio vor: Man hat vermeintlich gez\u00e4hmte Velociraptoren, die der Kriegstreiber als Waffe einsetzen will, man hat einen hungrigen T-Rex, man hat einen haiefressenden Meeressaurier und man hat eine Neuz\u00fcchtung namens Indominus Rex. In der stecken \u00e0 la Coca-Cola geheime DNA-Zutaten, die ihm \u201ePredator\u201c-artige Superkr\u00e4fte verleihen: Er kann sich tarnen und kalt stellen, er kann denken, planen, aus Lust t\u00f6ten, Ereignisse vorhersehen, an vielen Orten gleichzeitig sein, Menschen hinter Autos wittern, Kinder entkommen lassen, die Gr\u00f6\u00dfe \u00e4ndern, mit Velociraptoren sprechen sowie vor dem Zubei\u00dfen so lange herumbr\u00fcllen, bis die Helden verschwunden sind. Au\u00dferdem ist er so lange unsterblich, wie das Geld f\u00fcr den pixelgenerierten Showdown reicht. Dieses Tier w\u00fctet sich nun fr\u00f6hlich durch den Park und zermetzelt Brontosaurier, befreit Flugsauerier, \u00f6ffnet Parkfahrzeuge, stellt bewaffneten M\u00e4nnern Fallen. Richtig ernst meinen die Macher die Katastrophe indes nicht, sonst lie\u00dfe der Indominus nicht die ganzen Parkbesucher leben. In der einzig wirklich unvorhersehbaren Sequenz sto\u00dfen die befreiten Flugsaurier immerhin in der Parkmeile auf die Besucher nieder und sorgen f\u00fcr einigen lethalen Schabernack. Nicht genug jedoch; ohne den Kinderanteil w\u00e4re hier mehr Mut mit mehr Spa\u00df belohnt worden. Indominus selbst trifft erst dann im Park ein, als es zum Kampf der verbliebenen vier Personen \u2013 Kinder, Tante, Actionheld \u2013 mit dem Endgegner kommt. Klar.<\/p>\n<p>Die Sauriersequenzen sind den Kinobesuch immerhin wert. Man begleitet die Besucher auf Fahrten durchs Auenland, vorbei an Bronto- und Stegosauriern, man sieht Kinder auf Triceratopsen reiten, man begleitet Raptoren, wie die Velociraptoren hier genannt werden, in \u201eEvil Dead\u201c-Manier bei ihrer Hatz durch den Urwald. Ah, begleitet von einem Motorradfahrer, der offroad keinerlei Schwierigkeiten mit den herumliegenden Baumst\u00e4mmen und sonstigen Unebenheiten hat, Respekt, Alter! Positiver Aspekt: Ganz wie im ersten \u201eJurassic Park\u201c von 1993 oder in \u201eAlien\u201c warten die Macher ewig, bis sie dem Zuschauer den Indominus in seiner Komplettheit zeigen. War dies 1993 noch der mangelnden Kohle f\u00fcr die sauteuren CGI-Rechnereien geschuldet, ist es heute einer der wenigen gelungenen dramaturgischen Kniffe. Die Monstrosit\u00e4t spielt sich eben im Kopf des Betrachters ab. Ansonsten hat selbst Peter Jackson in seinem insgesamt allerdings vergurkten \u201eKing Kong\u201c vor zehn Jahren schon unterhaltsame Saurierk\u00e4mpfe in einem Film untergebracht, dem f\u00fcgt \u201eJurassic World\u201c nicht mehr allzuviel hinzu.<\/p>\n<p>Man profitiert bei diesem Update nat\u00fcrlich halbwegs von der Nostalgie, die man hier auch noch f\u00fcttert, indem man die Kinder auf ihrer Flucht im aufgelassenen alten Gel\u00e4nde aus dem ersten Teil ein Fluchtfahrzeug finden oder den semicoolen Wachmann kritisch ger\u00fcgt ein Oldschool-T-Shirt tragen l\u00e4sst. Auch manche Handlungsteile sind dem ersten Film entnommen. Inklusive der dummen Figuren. Interessant ist immerhin, wer hier dann doch zwischendrin auf der Strecke bleiben darf. Ein gewisser Zynismus liegt in der Darstellung der Lebenskurve der Sicherheitsleute, die der Krawallosaurus eleminiert \u2013 tausendfach gesehenes Stilmittel seit den 80ern, in der Realit\u00e4t indes l\u00e4ngst nicht angekommen, hier sogar fragw\u00fcrdig schulterzuckend untergebracht. Sind ja nur Statisten. Da der Film aber keine Selbstironie mitbringt, kann man \u00fcber diesen offensichtlichen Zynismus auch nicht im Sinne der Macher lachen; vielmehr muss man ihnen vorwerfen, mit der unreflektierten Darstellung einer einer Mehrklassengesellschaft Geld machen zu wollen. \u00c4hnlich schlimm ist, dass die Kinder ihre tats\u00e4chlich unsympathische St\u00f6ckelschuh-Tante erst dann als cool akzeptieren, sobald sie als waffenbest\u00fcckte Kriegsbraut vor ihnen steht.<\/p>\n<p>Der ganze Schei\u00df lenkt so derbe von den an sich geilen Actionteilen ab. Wie schade! Besonders in 3D stellt sich so mancher Achterbahn-Effekt ein. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft beeindrucken die Killermaschinen und die Kuschelsauerier gleicherma\u00dfen. An mancher Stelle waren sich die Macher wohl nicht so ganz einig, was ihre Monster eigentlich sein sollten; sicher vermarkten sie sich besser, wenn der Held mit den Raptoren in die Kiste springt, aber realistisch ist es nicht, dass die instinktgesteuerten Fleischfresser nach einem zwischenzeitlichen Gesinnungswechsel die humanoide Entenmama in Person des Actionhelden gegen den Megasaurier als Leittier akzeptieren.<\/p>\n<p>Trotz der vielz\u00e4hligen Andeutungen war \u00fcbrigens Menschen-DNA laut Drehbuch nicht Bestandteil des Gencocktails, aus dem der Indominus gezaubert wurde. Warum auch immer. Ah, f\u00fcr die Fortsetzung, die ist m\u00f6glich, denn der Wissenschaftler hat mit neuen Embryonen als Gefolgschaft der B\u00f6sen ab. Okay. Vielleicht bleibt dann ja endlich Kohle f\u00fcr ein vern\u00fcnftiges Drehbuch \u00fcbrig. Oder mindestens f\u00fcr filmf\u00fcllend vern\u00fcnftige Tricks, denn alles, was nicht Dinosaurier ist, sieht mal derbe nach auf Gro\u00df gefilmter Miniatur aus. Das hat selbst in \u201eStar Wars\u201c in den 70ern besser geklappt.<\/p>\n<p>Warum sollte man sich diesen Film also ansehen? Mit Hirn nur, wenn man Bock auf ein paar ausgew\u00e4hlte Achterbahnfahrten und die F\u00e4higkeit zum Ausblenden hat. Ohne Hirn ist es egal, da funktionieren auch die ausgelutschten Elemente offenbar. Aber ehrlicher w\u00e4re es, den Abenteuerkram gleich ohne den Stumpfsinn zu bringen; dann ist der Film vielleicht nur eine halbe Stunde lang, daf\u00fcr aber durchgehend gut, siehe \u201eKung Fury\u201c. Geht doch. Und der Erfolg jenes Filmes zeigt, dass es f\u00fcr genau so etwas ein Publikum gibt. Mehr Mut, Hollywood! Und mehr Ehrlichkeit bitte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (12.06.2015) Der Film f\u00e4ngt noch viel beschissener an, als man zu f\u00fcrchten wagte: US-Amerikanische heile Welt, gl\u00fcckliche Familie mit zwei Kindern, davon ein frisch verliebter Teenager, der unbeholfen von seiner Auserw\u00e4hlten Abschied nimmt. 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