{"id":1316,"date":"2015-05-28T11:42:37","date_gmt":"2015-05-28T09:42:37","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1316"},"modified":"2015-05-28T11:42:37","modified_gmt":"2015-05-28T09:42:37","slug":"a-girl-walks-home-alone-at-night-ana-lily-amirpour-usa-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/a-girl-walks-home-alone-at-night-ana-lily-amirpour-usa-2014\/","title":{"rendered":"A Girl Walks Home Alone At Night \u2013 Ana Lily Amirpour \u2013 USA 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (28.05.2015)<\/p>\n<p>W\u00e4re die Handlung bl\u00f6d, man h\u00e4tte trotzdem ein riesiges Vergn\u00fcgen an diesem Film, denn Ana Lily Amirpour liefert eine einhundertmin\u00fctige Sammlung gro\u00dfartiger Bilder, mit allen Tricks und Kniffen, die die Filmkunsttheorie so hergibt. Nun hat man zus\u00e4tzlich das Gl\u00fcck, dass die Handlung zwar sperrig und entschleunigt, aber gut ist, also einen Mehrwert, der den schwarzwei\u00dfen \u201eA Girl Walks Home Alone At Night\u201c mit stark westlicher Pr\u00e4gung alternativer Art und vermutlich orientalischem Erz\u00e4hlstil nicht zu einem genretypischen Vampirfilm verkommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Schwarzwei\u00dffilm, das lockt schon mal, das ist nicht mehr so typisch, nachdem einige geliebte Kunstregisseure in den 90ern vermehrt darauf zur\u00fcckgegriffen hatten. Diese Analogien merkt man dem Film unabl\u00e4ssig an: Amirpour kennt Jim Jarmusch, Aki Kaurism\u00e4ki, David Lynch und deren Wegbegleiter. Ihr gelingt es dabei, sich zwar erkennbar bei ihren Vorbildern zu bedienen, aber ihren Film nicht zu einer Kopie geraten zu lassen, sondern zu einem eigenst\u00e4ndigen Werk mit freundschaftlichen Bez\u00fcgen, die sie sinnvoll einsetzt. So gemahnen ein regelm\u00e4\u00dfiges, zumeist unrhythmisches Brummen an die Gruselsequenzen des Hobbymystikers David Lynch, lange Einstellungen an die Tristesse des gro\u00dfen Finnen Aki Kaurism\u00e4ki, die Schwarzwei\u00df\u00e4sthetik an den europ\u00e4ischen New Yorker Jim Jarmusch. Obgleich der mit \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c zuletzt ebenfalls einen fantastischen Vampirfilm drehte, sind Amirpours Analogien vielmehr in seinen anderen Werken zu finden, vorrangig in \u201eDead Man\u201c. Nicht zuletzt klingen hier erstaunlicherweise immer wieder Elemente aus dem Western an.<\/p>\n<p>Besonders Amirpours Bildgestaltung zieht den Betrachter sofort und dauerhaft in den Bann. Fast jedes Bild ist ein Kunstwerk, alles ist brillant durchkomponiert, das \u00e4u\u00dferst gebremste Filmtempo ist unterst\u00fctzend an diese \u00c4sthetik angepasst. Wie sie etwa ein undurchdringliches Gestr\u00fcpp zeigt und in der Sch\u00e4rfenregulierung auf arbeitende \u00d6lpumpen fokussiert, wundersch\u00f6n. Wie zwei Menschen nahezu regungslos hintereinander stehen und die schnellste Bewegung von den Reflexionen eines rotierenden Mirrorballs stammt. Wie der Wechsel von Totaler zu Nahaufnahme immer wieder den Raum transparent macht und die Figuren und Gegenst\u00e4nde beinahe greifbar anordnet. Dazu die Spiele mit Hinterlicht und Schlagschatten, mit Perspektiven und Linien, mit Gr\u00f6\u00dfenverh\u00e4ltnissen und Bildkompositionen. Ein Fest!<\/p>\n<p>Eines mit Handlung: \u201eA Girl Walks Home Alone At Night\u201c ist dabei zun\u00e4chst etwas schwierig zu erfassen. Der Fokus liegt irref\u00fchrenderweise anfangs nicht auf einer Hauptfigur; da l\u00e4sst es sich spekulieren, ob da in diesem ansonsten sehr westlichen Werk wom\u00f6glich die orientalische Erz\u00e4hlweise der aus dem Iran abstammenden Regisseurin durchbricht, was ja sch\u00f6n w\u00e4re. So entgehen dem Betrachter zu Beginn wom\u00f6glich relevante Details, von denen er noch nicht wei\u00df, dass er sie als Information f\u00fcr den Verlauf des Films noch ben\u00f6tigt. So schlimm ist das aber nicht, man findet sich dann trotzdem zurecht. Abschweifungen geh\u00f6ren hier jedenfalls zum Wesen der Erz\u00e4hlung.<\/p>\n<p>Im deren Zentrum stehen Arash und ein namenloses M\u00e4dchen in einer \u00f6den iranischen Industriestadt mit dem nicht zuf\u00e4llig gew\u00e4hlten Namen \u201eBad City\u201c. Hier dreht sich alles um jedwede Art von Kriminalit\u00e4t, von Drogenhandel \u00fcber Prostitution und Diebstahl bis zu Gewalttaten. Auch Arash ist darin verwickelt, stellt aber in diesem Zusammenhang einen der wenigen Personen mit so etwas wie Moral dar, einen \u201eGentleman\u201c gar, wie ihn seine Arbeitgeberin nennt, nicht wissend, dass es ihm nicht so sehr um ihren Ruf geht, wenn sie sich als M\u00e4dchen mit ihm nicht zu lange in einem Raum aufhalten soll, sondern um die Gelegenheit, ihre Ohrringe zu stehlen. Parallel steigt Arash ins Drogengesch\u00e4ft ein und versucht, seinen Junkievater zu entw\u00f6hnen. Das titelgebende Girl schleicht derweil nachts durch die leeren Stra\u00dfen und bedient sich bei den besonders b\u00f6sen sowie den vermeintlich \u00fcberfl\u00fcssigen Menschen. Im Kontrast zum ruhigen Erz\u00e4hlton des Filmes wirken ihre Vampirattacken besonders verst\u00f6rend, wenngleich man schnell herausfindet, dass ihre Schattenhaftigkeit zwar beunruhigend ist, sie aber etwa f\u00fcr Arash keine generelle Bedrohung darstellt. Vielmehr kontrastiert Amirpour die grunds\u00e4tzliche Bedrohlichkeit einer Vampirin mit deren zuckers\u00fc\u00dfen Segelohren und ihrem nur wenig b\u00f6sartigen Ringelshirt. Das Girl erinnert somit vielmehr an \u201eEmily The Strange\u201c als an die Monster aus \u201eFrom Dusk Till Dawn\u201c.<\/p>\n<p>Das erste Aufeinandertreffen der beiden ist so gro\u00dfartig, dass diese Situation alleine schon ein Grund ist, den Film zu sehen. Arash war im Draculakost\u00fcm bei einer Mottoparty und lie\u00df sich dort von seiner Arbeitgeberin zum Extasykonsum verleiten. Mit Plastikgebiss im Mund fixiert er sp\u00e4ter in einer Wohnsiedlung eine Stra\u00dfenlampe, als das Girl auf einem Skateboard an ihm vorbeirollert. Die romantische Begegnung zweier Untoter. Es entspinnt sich eine distanzierte N\u00e4he zwischen den beiden, die in einer lebensver\u00e4ndernden Entscheidung mit fatalen Effekten gipfelt, f\u00fcr die wiederum eine Katze der Ausl\u00f6ser ist.<\/p>\n<p>Interessant ist, wie Amirpour mit dem Genre bricht und gleichzeitig auf typische Elemente zur\u00fcckgreift. Die Ger\u00e4usche beim Zubei\u00dfen etwa sind klassisch, die Lebensweise der Vampirin ist es nicht. Ein einzelner spontaner Ortswechsel unterstreicht ihre \u00dcbernat\u00fcrlichkeit, ansonsten bewegt sich das Girl wie ein Mensch. Zwar geht es bei \u201eA Girl Walks Home Alone At Night\u201c auch wie bei dem anderen Genrebrecher \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c um Drogen, aber anders als dort nicht darum, dass das Blut die Droge ist. Auch bei \u201eThe Addiction\u201c setzte Abel Ferrara seinerzeit den Vampirismus mit einer Drogenabh\u00e4ngigkeit gleich; mit jenem Film teilt der vorliegende somit eher das Schwarzwei\u00dfe. Der nicht un\u00fcbliche Gleichklang von Vampirismus und Sexualit\u00e4t ert\u00f6nt indes immer mal wieder unterschwellig, besonders in der Szene, als Arash dem Girl mit einer Sicherheitsnadel Ohrl\u00f6cher sticht: Da wachsen ihre Eckz\u00e4hne vor Erregung. Von \u201eTwilight\u201c und anderem Schmonz ist hier gottlob trotzdem nichts zu finden.<\/p>\n<p>Nicht nur die Bildgestaltung wirkt wie aus dem Lehrbuch, auch beim Musikeinsatz ist dies der Fall. Anders als bei den Bildern bekommt man beim H\u00f6ren aber wirklich das Gef\u00fchl, Amirpour arbeite ein Handbuch ab. Was ihr beim Bild aufs Allerbeste gelingt, macht im Ton einen studentischen Eindruck: Die Stimmungen der Musik montiert sie etwas abrupt auf Kante. Das schm\u00e4lert den Genuss aber keineswegs. Zudem ist dem Ton immanent, dass die Sprache komplett in Persisch gehalten ist \u2013 ein sch\u00f6nes Element unter vielen sch\u00f6nen Elementen in diesem Film.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.05.2015) W\u00e4re die Handlung bl\u00f6d, man h\u00e4tte trotzdem ein riesiges Vergn\u00fcgen an diesem Film, denn Ana Lily Amirpour liefert eine einhundertmin\u00fctige Sammlung gro\u00dfartiger Bilder, mit allen Tricks und Kniffen, die die Filmkunsttheorie so hergibt. 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