{"id":1293,"date":"2015-05-16T20:05:01","date_gmt":"2015-05-16T18:05:01","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1293"},"modified":"2015-06-04T22:33:30","modified_gmt":"2015-06-04T20:33:30","slug":"holger-reichardt-karsten-weyershausen-stadt-land-flucht-schwarzkopf-schwarzkopf-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/holger-reichardt-karsten-weyershausen-stadt-land-flucht-schwarzkopf-schwarzkopf-2015\/","title":{"rendered":"Holger Reichard &#038; Karsten Weyershausen \u2013 Stadt. Land. Flucht. \u2013 Schwarzkopf &#038; Schwarzkopf 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1294\" title=\"Holger Reichard &amp; Karsten Weyershausen - Stadt. Land. Flucht\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Holger-Reichardt-Karsten-Weyershausen-Stadt.-Land.-Flucht.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"159\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (16.05.2015) \/ Auch auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/holger-reichard-karsten-weyershausen-stadt-land-flucht-schwarzkopf-schwarzkopf-2015\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour\u00a0\u2013 Der Stadtblog<\/a><\/p>\n<p>Die Diskussion darum, ob die Lebensqualit\u00e4t auf dem Land oder in der Stadt h\u00f6her ist, ist vermutlich so alt wie menschliche Wohnbebauung, aber die beiden befreundeten Autoren Holger Reichard und Karsten Weyershausen widmen ihr dennoch genau jetzt ein ganzes Buch. H\u00e4tte schiefgehen k\u00f6nnen, tut es aber ganz und gar nicht: Jeder von beiden bevorzugt einen von beiden Standorten, und was ihre anekdotische und analytische Betrachtung so verschlingbar macht, ist die Differenziertheit. Jeder von beiden sieht Vor- und Nachteile in beiden Varianten. Keine Sichtweise wird verherrlicht, die andere nicht rettungslos blo\u00dfgestellt. Positiv dazu kommt, dass die beiden Autoren einen auf den ersten Blick vielleicht betulichen, in Wahrheit aber seri\u00f6sen, kompakten und treffenden Schreibstil haben, angenehm frei von All\u00fcre, Attit\u00fcde und Schenkelklopferhumor. Dieses Buch macht Spa\u00df.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beide Autoren haben ihre klare Grundhaltung: Weyershausen ist St\u00e4dter, Reichard Landei. Davon r\u00fccken sie auch nicht ab. Obschon sie zuvorderst die Vorz\u00fcge ihrer Lebensweise anf\u00fchren, finden sie gleicherma\u00dfen Vorz\u00fcge auch am Leben des Anderen und sogar Nachteile am eigenen. Diese reflektierte Betrachtung macht das Buch so wertvoll. Am Ende hat man den Eindruck, wirklich alle Belange einmal komplett ausgeleuchtet und abgeklopft bekommen zu haben, mit Luft, Einsamkeit, Distanzlosigkeit, Toleranz, den unterschiedlichen Optionen und vielem mehr, und alles auch aus unterschiedlichen Altersperspektiven betrachtet. Nat\u00fcrlich zwangsweise aus rein m\u00e4nnlicher Sicht; f\u00fcr die weibliche Betrachtung m\u00fcsste ein eigenes Buch her.<\/p>\n<p>Reichard und Weyershausen greifen f\u00fcr ihre nicht einmal vordergr\u00fcndig als solche erkennbare Argumentation auf selbsterlebte Anekdoten zur\u00fcck. Beide kennen beides, also Stadt- und Landleben, und berichten aus beidem, mit allen Einwohnerzahl-Abstufungen, von der Einsiedelei \u00fcber D\u00f6rfer, Kleinst\u00e4dte und Vorst\u00e4dte bis zu Millionenmetropolen. Ihr pers\u00f6nliches Erleben konzentriert sich dabei auf ihre Heimat: Braunschweig und Umgebung. Interessant ist, dass die beiden damit dennoch Allgemeing\u00fcltiges zu Papier bringen.<\/p>\n<p>Der Sprachstil der beiden Freunde \u00e4hnelt sich erstaunlicherweise. Sie schaffen erz\u00e4hlerisch Entspannung, sie hetzen nicht durch ihre Geschichten, und sie schlagen einen angemessenen Tonfall an, einen erwachsenen, besonnenen. Ihr Humor ist subtil, aber nachdr\u00fccklich. Sie machen keine Comedy und wollen auch keinen Poetry Slam gewinnen. \u201eHarmlos\u201c w\u00e4re hier dennoch das falsche Attribut, sie wenden nur ein eigenes Wertesystem f\u00fcr die Qualit\u00e4t der erlebten Ereignisse an und wissen die gelegentlichen Exzesse unpr\u00e4tenti\u00f6s und zur\u00fcckhaltend zu schildern. Und sie fallen nicht ins L\u00e4stern, jedenfalls nicht als Hauptattraktion. Hier ist vielmehr das Wort \u201eSeitenhieb\u201c angebracht. Ein lauthalses Loslachen des Lesers hat hier eine ganz andere Qualit\u00e4t und findet definitiv immer wieder statt.<\/p>\n<p>Die Geschichten pendeln zwischen Aha-Effekt und Nostalgie, zwischen Euphorie und Melancholie. Auch dieser Abwechslungsreichtum tr\u00e4gt zum Lesevergn\u00fcgen bei. So manche Geschichte bleibt nachhaltig h\u00e4ngen, etwa die mit dem Fu\u00dfballspiel im Schnee und ohne Tore. Sie sind nach Monaten und Jahreszeiten sortiert und durchsetzt von l\u00e4ngeren analytischen Essays \u00fcber Grundthemen der jeweiligen Lebensweise.<\/p>\n<p>Die beiden Autoren schildern ihre Begebenheiten \u00fcbrigens nicht als Kooperationsteam, sondern jeder f\u00fcr sich, gekennzeichnet \u2013 abgesehen vom K\u00fcrzel \u2013 durch kleine Icons, gestaltet vom Comiczeichner Weyershausen, dem auch der Buchumschlag zu verdanken ist. Das vereinfacht die Orientierung. \u201eStadt. Land. Flucht.\u201c ist \u00fcbrigens die zweite Gemeinschaftsarbeit der beiden nach \u201eKerle im Klimakterium\u201c. Mit dem Album \u201eStadt, Land, Flucht\u201c der Band Jimmy Kafka hat es indes nichts zu tun. Und der Titel erinnert zudem an eine andere Kooperation zweier norddeutscher Autoren: \u201eStadt \u2013 Land \u2013 Mord\u201c von Susanne Fischer und Fanny M\u00fcller, die 1998 in Briefform einen Kriminalfall schilderten.<\/p>\n<p>Am Ende bedauert man, dass man selbiges erreicht hat, das Buch k\u00f6nnte gerne auch l\u00e4nger dauern. Die Frage, welches Leben man f\u00fcr sich als das ideale empfindet, beantwortet dieses Buch nat\u00fcrlich nicht \u2013 aber es gibt massenhaft Denkanst\u00f6\u00dfe. Wer nun nicht vor einer solchen Entscheidung steht, sei es aus Unverm\u00f6gen oder weil die Entscheidung bereits feststeht, hat deshalb nicht weniger Freude an der Lekt\u00fcre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.05.2015) \/ Auch auf Kult-Tour\u00a0\u2013 Der Stadtblog Die Diskussion darum, ob die Lebensqualit\u00e4t auf dem Land oder in der Stadt h\u00f6her ist, ist vermutlich so alt wie menschliche Wohnbebauung, aber die beiden befreundeten Autoren Holger Reichard und &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/holger-reichardt-karsten-weyershausen-stadt-land-flucht-schwarzkopf-schwarzkopf-2015\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-1293","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1293"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1334,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1293\/revisions\/1334"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}