{"id":1290,"date":"2015-05-13T22:04:31","date_gmt":"2015-05-13T20:04:31","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1290"},"modified":"2015-05-16T20:08:24","modified_gmt":"2015-05-16T18:08:24","slug":"toddn-kandziora-im-hohlraum-der-jahre-buchbauerepubli-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/toddn-kandziora-im-hohlraum-der-jahre-buchbauerepubli-2015\/","title":{"rendered":"Toddn Kandziora \u2013 Im Hohlraum der Jahre \u2013 Buchbauer\/epubli 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1291\" title=\"Toddn Kandziora - Im Hohlraum der Jahre\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/05\/Toddn-Kandziora-Im-Hohlraum-der-Jahre.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"152\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (13.05.2015) \/ Auch erschienen auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/toddn-kandziora-im-hohlraum-der-jahre\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour \u2013 Der Stadtblog<\/a><\/p>\n<p>In seiner Buchbauer-Reihe gibt der Randbraunschweiger Toddn Kandziora befreundeten Autoren eine Plattform f\u00fcr ihre Texte. Die Nummer zehn nimmt Toddn selbst ein, mit Geschichten um die Figur Wotan Engel, die haupts\u00e4chlich in den 80ern stattfinden und ein Bild dieser Zeit abgeben, das die Massen so eher nicht erlebt haben d\u00fcrften. \u201eIm Hohlraum der Jahre\u201c feiert zwar in gewisser Weise die Jugend, zelebriert aber nicht den medial ausschlachtbaren 80er-Geist mit Smileys, Rubikw\u00fcrfeln und Nena. Ich-Erz\u00e4hler Wotan Engel berichtet aus den unteren Schubladen der Existenz, von der Gesellschaft meistens gar nicht wahrgenommen, und wenn doch, dann verschm\u00e4ht. Dieses Buch trumpft einerseits mit krassen Erlebnissen bis weit \u00fcber die Kotzgrenze hinaus auf, stellt aber haupts\u00e4chlich einen wehrhaften Tritt zur\u00fcck dar, gegen Gesellschaft, Staat, System, Willk\u00fcr. So, wie Toddn es darstellt, stellt man sich selbst zumindest meistens an seine Seite und m\u00f6chte sich mit ihm zusammen wehren. Na ja, und ihm zus\u00e4tzlich f\u00fcrs n\u00e4chste Mal einen Lektor an die Hand geben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die zw\u00f6lf Geschichten sind zeitlich auf den Monat genau verankert; ihnen stellt Toddn markante Ereignisse aus der Weltgeschichte voran, die aber selten Einfluss auf das Geschehen haben. Handlungsort ist ganz klar Braunschweig und Umgebung, mit einigen szenerelevanten Orten und anderen offenbar umbenannten realen Personen. Wotan Engels Erlebnisse sind im Grunde weitgehend allgemeing\u00fcltig: Eine Jugend auf dem Lande mit Blick auf die verhei\u00dfungsvolle Nachbarstadt, Jobsuche, Nachtleben, Milit\u00e4r, Freundeskreis. Doch l\u00e4sst Toddn seinen Protagonisten die Unterseite des Bekannten erleben: Als Wehrdienstleistender mit wenig Sold verarmt er und fliegt aus seiner Wohnung, als arbeitsloser Hilfsarbeiter wird er mit \u00dcberstunden ausgebeutet, eine Fischvergiftung beim Wochenenddienst in der Kaserne wird ihm beinahe als Desertion ausgelegt, mittlere Exzesse auf der Dachterrasse sto\u00dfen auf Widerstand bei den Nachbarn und der Polizei, seine Vermieterin verdient sich im eigenen Haus als Zuh\u00e4lterin etwas dazu. Die Ungerechtigkeit des Systems macht Wotan zum findigen Fuchs, indem er in Besitzverh\u00e4ltnissen ungenau wird, kleine Verbrechen toleriert, Drogen ausprobiert, Exzesse zelebriert und auf die Nachbarn flatuliert. Wotan ist also niemand, der das System f\u00fcr sich umbiegen oder zum Besseren beeinflussen will. Eher wird er noch zum egoistischen Arschloch, das dem Rest der Welt Schuld an seinem Elend gibt und diesen Rest der Welt damit f\u00fcr sein daraus resultierendes Fehlverhalten verantwortlich macht. Als Leser schwankt man zwischen \u201eDa hat er aber Recht, das System ist echt schei\u00dfe\u201c und \u201eAlso, so muss er nun auch wieder nicht \u00fcbertreiben\u201c. Dennoch trifft Toddn mit seinem Wotan vermutlich den Tonfall und das Schicksal viel zu vieler Menschen in diesem unseren Lande der ach so bl\u00fchenden Landschaften.<\/p>\n<p>In seinen Schilderungen stellt sich Toddn als angenehm fl\u00fcssiger Erz\u00e4hler dar. Sprachlich bleibt er dem geschilderten Leben angemessen, er vermittelt den Duktus des Ich-Erz\u00e4hlers dem Milieu entsprechend treffend. Unpassend erscheint es lediglich, dass er den vom Milit\u00e4rdienst aufs Kreuz gelegten Wotan distanzlos aufs Bundeswehrvokabular zur\u00fcckgreifen l\u00e4sst, anstatt sich sprachlich davon abzusetzen. In diesem Zusammenhang f\u00e4llt au\u00dferdem auf, dass dem Autoren ein Lektor fehlt; manche Passagen sind wegen der \u00fcberm\u00e4\u00dfig vielen Rechtschreib- und Zeichensetzungsfehler sogar schwer verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>Schwierig ist auch, dass Toddn die Figur Wotan Engel nicht einf\u00fchrt. W\u00fcsste man es nicht vom Umschlag, hielte man das Buch f\u00fcr autobiographisch, was es vermutlich in einigen Z\u00fcgen auch ist. Man wei\u00df jedoch auch nach der Lekt\u00fcre nicht, wer dieser Wotan Engel ist. Seine auf dem Cover aufgef\u00fchrte \u201eRasselbande\u201c tritt au\u00dferdem erst in der zweiten H\u00e4lfte des Buches auf und bleibt in der Folge unbestimmt. Man wei\u00df nicht, wer alles dazugeh\u00f6rt und wer diese Personen sind. Die Inhalte funktionieren gottlob auch ohne den Kontext; des Fehlen desselben macht den Leser lediglich ratlos.<\/p>\n<p>\u201eIm Hohlraum der Jahre\u201c ist ein aufschlussreicher differenzierter Einblick in die 80er allgemein und in Braunschweig besonders, wie viele Leser ihn selbst vermutlich nicht erlebt haben. Nach der Lekt\u00fcre ist man dar\u00fcber aber auch ganz froh. Schlimm nur: Das Buch offenbart dabei auch, dass sich die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr die Unterkante der Gesellschaft seitdem nicht wesentlich zum Besseren gewandelt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (13.05.2015) \/ Auch erschienen auf Kult-Tour \u2013 Der Stadtblog In seiner Buchbauer-Reihe gibt der Randbraunschweiger Toddn Kandziora befreundeten Autoren eine Plattform f\u00fcr ihre Texte. 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