{"id":1258,"date":"2015-04-27T15:50:35","date_gmt":"2015-04-27T13:50:35","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1258"},"modified":"2015-04-27T19:15:01","modified_gmt":"2015-04-27T17:15:01","slug":"muhlheim-texas-helge-schneider-hier-und-dort-andrea-roggon-d-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/muhlheim-texas-helge-schneider-hier-und-dort-andrea-roggon-d-2015\/","title":{"rendered":"M\u00fclheim-Texas: Helge Schneider hier und dort \u2013 Andrea Roggon \u2013 D 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (27.04.2015)<\/p>\n<p>Helge Schneider ist nicht zu fassen, und das gilt f\u00fcr s\u00e4mtliche Bedeutungen dieser Wendung. Das ist gut f\u00fcr ihn als K\u00fcnstler, weil seine Unberechenbarkeit ein wichtiger Grund daf\u00fcr ist, ihn zu m\u00f6gen (wenn man ihn denn mag), aber schlecht f\u00fcr diese Dokumentation, weil sich der Gegenstand derselben dem Dokumentiertwerden entzieht. Sicherlich liegt das Versagen der Regisseurin, einen stringenten, repr\u00e4sentativen, zusammenh\u00e4ngenden und dichten Film \u00fcber den 59-j\u00e4hrigen Schneider zu produzieren, in Schneider selbst begr\u00fcndet. Trotz der tollen Ausschnitte aus Schneiders B\u00fchnenprogramm, Werdegang und semiprivatem Gebaren stellt sich daher die Frage nach dem Sinn des Films. Wenigstens kommen Fans mit neuen Zitaten ihres Entertainmenthelden aus dem Kino, daf\u00fcr immerhin lohnt sich das Betrachten des ansonsten leider schalen Werks.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wer Schneider, von seinen Fans schlicht \u201eHelge\u201c genannt, mag, muss ihn f\u00fcr diesen Film nicht erkl\u00e4rt bekommen, alle anderen finden ebenfalls nur eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, mit ihm nichts anfangen zu k\u00f6nnen. In dieser Doku nennt Schneider selbst sein Konzept: Einfach sein \u2013 und unvorhersehbar. Auf diese Weise macht er Jazz ebenso wie Humor, und er bezeichnet sich hier sogar selbst als Clown. Mit seiner Art Humor weicht er indes von dem s\u00e4mtlicher Kabarettisten, Comedians, Bl\u00f6delbarden und sonstiger Gaglieferanten komplett ab, Helge ist einmalig. Und scheidet die Geister. Was dem einen albern vorkommt, ist dem n\u00e4chsten der Gipfel der Subversivit\u00e4t.<\/p>\n<p>So subversiv n\u00e4hert sich Schneider auch dem Dokumentatorenteam. Eine der ersten Sequenzen zeigt ihn in der Interviewkonstellation. Auf die Frage, woher er seine Freiheit hat, sagt er, dass man sie nicht hat, sondern sie sich nehmen muss, steht auf, sagt \u201etsch\u00fcss!\u201c und geht. Diese abweisende Haltung erl\u00e4utert er sp\u00e4ter im Film: Er m\u00fcsse ein Geheimnis sein, um interessant zu bleiben; das bleibt er dann auch konsequent. So ergeben sich f\u00fcr den Film nur sehr wenige wirklich exklusive Szenen mit Schneider. In Spanien auf dem Motorrad mit Beiwagen, auf der Ruhr um Ruderboot, am Set von \u201e00 Schneider: Im Wendekreis der Eidechse\u201c, bei B\u00fchnenproben, zu Hause bei der Arbeit oder in einem schwarzen Studio zum Interview. Er offenbart kaum etwas, gibt sich verschlossen, nicht mal wirklich unterhaltsam, und verh\u00f6hnt im Grunde das Filmteam. Sicherlich macht auch das eine Aussage \u00fcber den K\u00fcnstler, aber sie ersch\u00f6pft sich recht schnell und f\u00fchrt eigentlich eher die Hilflosigkeit der Filmer vor als Schneiders aktive Nichtbereitschaft zur Kooperation.<\/p>\n<p>Dabei unterl\u00e4sst es Regisseurin Andrea Roggon auch noch, die Sequenzen zeitlich transparent zu machen. Alles steht nebeneinander. Damit ein ganzer Film daraus wird, f\u00fcllt sie die L\u00fccken mit Ausschnitten aus Schneiders ersten beiden Filmauftritten \u201eJohnny Flash\u201c und \u201eTexas \u2013 Doc Snyder h\u00e4lt die Welt in Atem\u201c. Weitere Hinweise auf Schneiders Werdegang bekommt man nicht, damit h\u00e4tte sie sich diese beiden Ausschnitte auch sparen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn Schneider also nichts preisgibt und die festgehaltenen Aufnahmen bis auf wenige Ausnahmen (die Modenschau in der W\u00fcste etwa) fast leer wirken, muss halt Helge auf der B\u00fchne her. Okay, die Ausz\u00fcge sind auch wirklich gut. Besonders die mit der Beatboxerin Butterscotch, die im \u201eEidechsen\u201c-Film eine Taxifahrerin spielte: Zusammen performen sie erst spontan und dann einstudiert. Die erste Szene zeigt einen Schneider, der einmal nicht der Bandchef ist, sondern sich seinem Gast unterzuordnen wei\u00df; ein seltener Moment. Danach brillieren beide als Musikerteam, indem sie h\u00f6chst beeindruckend \u201eIch dr\u00fcck die Maus\u201c darbieten. Sehr intensiv sind die Szenen gegen Schluss, als die Kamera dem Publikum einer Helge-Show minutenlang ins Gesicht blickt: Zwischen Schnappatmung, Fassungslosigkeit und Abscheu reichen die Reaktionen, mit dem Hauptgewicht auf ersterem. Man lacht laut \u00fcber die Making-Ofs einer Sendung namens \u201e10 vor 11\u201c mit Alexander Kluge, die aber nicht weiter erl\u00e4utert werden, und \u00fcber eine absurde Pressekonferenz, bei der eine Heerschar von Fotografen Schneider dabei ablichtet, wie er auf einer Spielzeugrakete reitet.<\/p>\n<p>Was fehlt, ist die Struktur, der \u00dcberbau. Wenn Schneider den nicht bietet, h\u00e4tte es sich vielleicht angeboten, seine Wegbegleiter zu Wort kommen zu lassen. Es gibt selbst f\u00fcrs Fernsehen weitaus bessere Dokumentationen \u00fcber den M\u00fclheimer Multiinstrumentalisten als diese \u2013 es ist also m\u00f6glich, sich ihm zu n\u00e4hern, man muss es offenbar nur wollen. Oder er muss es zulassen. Was tut man also, wenn man merkt, dass das nicht m\u00f6glich ist? Den Film dann trotzdem herausbringen und das Publikum entt\u00e4uschen. Nun gut, wenn es so sein soll, dann ist die Kritik eben gerechtfertigt. Schulterzuckend wendet sich der Filmgucker dem Internet zu und wird in Sachen Helge reichhaltiger f\u00fcndig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (27.04.2015) Helge Schneider ist nicht zu fassen, und das gilt f\u00fcr s\u00e4mtliche Bedeutungen dieser Wendung. 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