{"id":1255,"date":"2015-04-26T11:04:51","date_gmt":"2015-04-26T09:04:51","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1255"},"modified":"2015-04-26T11:04:51","modified_gmt":"2015-04-26T09:04:51","slug":"apocalyptica-shadowmaker-odysseyrough-trade-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/apocalyptica-shadowmaker-odysseyrough-trade-2015\/","title":{"rendered":"Apocalyptica \u2013 Shadowmaker \u2013 Odyssey\/Rough Trade 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1256\" title=\"Apocalyptica - Shadowmaker\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Apocalyptica-Shadowmaker.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (26.04.2015)<\/p>\n<p>Man kann Apocalyptica nicht vorwerfen, dass sie sich nicht entwickeln. Zumindest ihre eigenen Grenzen \u00fcberschreiten die einstigen Metallica-mit-vier-Celli-Nachspieler immer wieder; dumm nur, dass das Ergebnis im Vergleich mit dem Rest des Universums so wenig Weiterentwicklung birgt. Neu ist dieses Mal bei den Cellometallern, dass es keine wechselnden Stimmeng\u00e4ste mehr gibt, sondern einen festen S\u00e4nger. Und in einem Track h\u00f6rt man elektronische Breakbeats. So weit, so okay. Leider ist das Album ein mittelm\u00e4\u00dfiges Mainstreamwerk geworden. Ob da nun Cello draufsteht, ist oftmals egal, weil die Songs \u2013 besonders, weil seit einigen Alben ein Drummer zum festen Line-Up geh\u00f6rt \u2013 meistens mediokren Softrockheulern \u00e4hneln. Offenbar haben die Finnen den f\u00e4lligen Schritt zur Erwachsenenband \u00fcbersprungen und sind bei junggebliebenen Classic-Rock-Rentnern angekommen, die damit gleichzeitig junge Alternative-Rock-H\u00f6rer erreichen wollen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Franky Perez ist der Mann, der Apocalypticas achtem Studioalbum die einzige Stimme leiht. Bisher nur wenig auf fiel der Mann als S\u00e4nger der Alternative-Rock-Band Scars On Broadway. Er neigt wie viele seiner popul\u00e4ren Kollegen dazu, Silben pathetisch zu dehnen und damit ein k\u00fcnstliches, aber leider kein k\u00fcnstlerisches Drama zu erzeugen. Er macht sicherlich rein technisch gesehen einen soliden Job, aber wer das genau deshalb gut findet, sitzt dem medial aufgedr\u00fcckten Missverst\u00e4ndnis auf, dass es reicht, eine attraktive Stimme zu haben und vorgegebene Noten vern\u00fcnftig treffen zu k\u00f6nnen, um als \u201egut\u201c und damit schlimmerweise potentiell erfolgreich zu gelten. Die mit solchen bestimmt honorablen Sangesleistungen verbundene Musik hingegen ist meistens der pure Schrott. So schlimm ist es bei Apocalyptica gottlob nicht, aber dazu sp\u00e4ter mehr. Nicht zuletzt w\u00e4ren viele etablierte S\u00e4nger mit Seele nach heutigen Kriterien nie zu dem geworden, was sie sind; man imaginiere sich Leute wie Patti Smith, Mark E. Smith, Janis Joplin, David Gedge oder selbst Herbert Gr\u00f6nemeyer und Nena vor einer beliebigen TV-Jury. Eine Stimme mit Charakter und ein beseelter Vortrag machen vermeintliche Gesangsfehler nicht nur wett, sondern lassen den Anspruch an sie in den Hintergrund verschwinden und das Gesamtergebnis z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ein Franky Perez nun also kann singen, sicherlich. Doch was hilft&#8217;s, wenn Apocalyptica keine Songs einfallen, die sie vom Mainstreamrock unterscheiden. Daf\u00fcr braucht es keine Celli, daf\u00fcr muss man sich \u201eShadowmaker\u201c nicht anh\u00f6ren. Der Mut zum Experiment geht den Finnen hier leider weitgehend verloren, dabei lie\u00dfen die vorherigen Ver\u00f6ffentlichungen genau Gegenteiliges erhoffen. Es war auf den Studioalben eindeutig wahrzunehmen, dass die St\u00fccke mit den prominenten S\u00e4ngern meistens eine vom Label geforderte Chartstauglichkeit erf\u00fcllten und die Band auf den instrumentalen Songs dazwischen ihre Lust am Experiment auslebte. H\u00f6hepunkt war \u201eBring Them To Light\u201c mit Joe Duplantier von Gojira auf \u201e7<sup>th<\/sup> Symphony\u201c, das einen relevanten Gasts\u00e4nger mit mutiger Komposition vereinte. Zwischen jenem Album und dem neuen Werk gab es die Live-CD \u201eWagner Reloaded\u201c, die vor Wahnwitz und Unfassbarkeit strotzte. Und das Gewicht auf eine weitere Komponente im Soundkosmos der Band verlagerte, die zuletzt etwas zur\u00fcckgewichen war: die Klassik, an die man im Zusammenhang mit Cellisten auch ruhig mal denken darf.<\/p>\n<p>Abgesehen von den Elektro-Elementen in \u201eRiot Lights\u201c sind es besonders die Passagen, die nicht wie mittelm\u00e4\u00dfige Metalgitarren klingen, sondern nach Celli, die \u201eShadowmaker\u201c interessant machen \u2013 und es von eben Rockmusik unterscheiden. Was nutzt schon eine Cellomusik, die Gitarren so exakt kopiert, dass sie sich selbst \u00fcberfl\u00fcssig macht. Ist ja nett, dass sie das k\u00f6nnen, das sollen sie auch d\u00fcrfen, aber dann sollen sie bitte attraktivere Musik komponieren. Sonst klingen sie doch nur wie eine Rockband, die sich uninspiriert von einem Orchester begleiten l\u00e4sst, weil Deep Purple das schon konnten und die Verk\u00e4ufe mal wieder angekurbelt werden m\u00fcssten. Apocalyptica verlieren an Eigenst\u00e4ndigkeit und machen sich damit selbst obsolet.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens gibt es das Album als limitierte Version mit den St\u00fccken \u201eReign Of Fear\u201c und \u201eCome Back Down\u201c als Bonus. Interessanterweise kleben die nicht einfach hinten an den anderen zehn St\u00fccken, sondern sind unter sie gemischt; da sie attraktiver sind als viele andere St\u00fccke, stellt sich auch hier die grunds\u00e4tzliche Frage nach der Idee von einem Album. Mit zw\u00f6lf St\u00fccken ist es jedenfalls die bessere Variante, sieht man davon ab, dass man \u201eShadowmaker\u201c trotzdem nicht wirklich braucht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (26.04.2015) Man kann Apocalyptica nicht vorwerfen, dass sie sich nicht entwickeln. Zumindest ihre eigenen Grenzen \u00fcberschreiten die einstigen Metallica-mit-vier-Celli-Nachspieler immer wieder; dumm nur, dass das Ergebnis im Vergleich mit dem Rest des Universums so wenig Weiterentwicklung birgt. &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/apocalyptica-shadowmaker-odysseyrough-trade-2015\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-1255","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1255"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1257,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1255\/revisions\/1257"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}