{"id":1242,"date":"2015-04-13T22:45:02","date_gmt":"2015-04-13T20:45:02","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1242"},"modified":"2015-05-08T13:03:36","modified_gmt":"2015-05-08T11:03:36","slug":"marcel-pollex-in-hoflicher-ablehnung-verlag-andreas-reiffer-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/marcel-pollex-in-hoflicher-ablehnung-verlag-andreas-reiffer-2015\/","title":{"rendered":"Marcel Pollex \u2013 In h\u00f6flicher Ablehnung \u2013 Verlag Andreas Reiffer 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1243\" title=\"Marcel Pollex - In h\u00f6flicher Ablehnung\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Marcel-Pollex-In-h\u00f6flicher-Ablehnung.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"179\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (13.04.2015) \/ Auch erschienen auf <a title=\"Kult-Tour\" href=\"http:\/\/www.kult-tour-bs.de\/marcel-pollex-in-hoeflicher-ablehnung-andreas-reiffer-verlag-2015\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour \u2013 Der Stadtblog<\/a><\/p>\n<p>\u201eH\u00f6flich\u201c ist gelogen, die \u201eAblehnung\u201c hingegen quillt tats\u00e4chlich aus allen Zeilen, die Marcel Pollex zu kleinen Texten formt und in diesem, seinem ersten, Buch versammelt. Sp\u00fcrbar angewidert befasst sich Pollex mit den Themen des Zeitgeistes, und dies auch oftmals mit dessen Mitteln. Er verabscheut die popkulturellen, mainstreamigen Inhalte und Bewegungen, doch um sich auf diese seine Weise mit ihnen auseinanderzusetzen, muss er sie konsumiert haben, was bei seiner Haltung wahrlich kein Vergn\u00fcgen gewesen sein kann. So bewegt er sich zwar einerseits auf massentauglichen Feldern, dies allerdings in einer Gangart, die das Gegenteil von massentauglich ist. Das macht es schwierig, eine Zielgruppe zu finden, denn wer zwar seine Haltung teilt, interessiert sich aber nicht zwingend f\u00fcr die Ziele seines Spottes, und wer dies doch tut, wird seinem Werk vermutlich eher nicht begegnen. So erfreut man sich als Leser (und H\u00f6rer, dem Buch liegt ein Download-Code bei) an der Sprache, derer sich Pollex beflei\u00dfigt und die f\u00fcr sich eine wesentliche Besonderheit seiner Arbeit ausmacht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Pollex mag die Welt nicht. Besonders nicht die zivilisatorischen Errungenschaften. Wie sie in Lifestylemedien, im Unterhaltungsfernsehen, im Feuilleton, auf Emailanbieterstartseiten und beim Brunch diskutiert, ausgewalzt, dargestellt und formuliert werden. Das stinkt ihm, und seinem Unmut macht er Luft, indem er genau diese Dinge l\u00e4cherlich macht und sie in ihrer eigenen Suppe so zerkocht, dass ihre Ingredienzen nicht mehr verleugnen k\u00f6nnen, wie grotesk sie tats\u00e4chlich sind. Daraus ergibt sich ein Schreibstil, mit dem Pollex das Absurde spiegelt; aus dem wiederum sch\u00f6pft er den n\u00f6tigen Humor, mit dem man den ganzen l\u00e4cherlichen Kram nur ertragen kann.<\/p>\n<p>Seine Ziele findet Pollex im Kleinen wie im Gro\u00dfen: Selbst \u00fcber die Rosine l\u00e4sst er sich aus, in Analogie zu TV-Menschen wie G\u00fcnther Jauch, Inge Meysel und Guido Knopp (den er \u201eKnoop\u201c schreibt), oder \u00fcber die Salzstange, an der er die Motivation des Gastgebers ableitet, der sie anbietet, oder \u00fcber das Brunchen. Er entlarvt Akademikerp\u00e4dagogik, die Sprache von Politikern, K\u00fcnstlern und Journalisten, selbst Lifestyle-Themen wie Veganismus, Nichtrauchen, Kreativit\u00e4tsurlaub, Markenkleidung und was ihm noch so vor die Flinte l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Nicht nur das Vokabular passt er ans Sujet an, indem er sie f\u00fcr sich bedient und W\u00f6rter benutzt wie passiv-aggressiv, anyway und Imperialistengetr\u00e4nk. Tiefer greifend sind seine Redundanzen und Loops, er wiederholt st\u00e4ndig ganze S\u00e4tze, die er den Protagonisten oder dem lyrischen Ich in den Mund legt, und f\u00fchrt damit ihre Inhaltslosigkeit vor. Das Ganze durchsetzt er mit gro\u00dfartigen Ideen, etwa in der Rubrik \u201eGute Nachrichten\u201c, die er sich \u00fcber Promis ausdenkt, wie jener, dass in einer weiblichen Sherlock-Holmes-Verfilmung Katie Holmes Dr. Watson und Emma Watson den Detektiv spielen w\u00fcrde. Oder die Idee von einem Film namens \u201e&#8217;Die gro\u00dfe Abzocke&#8216;, der nicht existiert und drei\u00dfig Euro Eintritt kostet\u201c (aus \u201eBrachmann spricht\u201c). Doch besteht Pollex&#8216; Sprache nicht aus der reinen Kopie; ger\u00e4t er in seinen eigenen Fluss, treibt er darauf in einem angenehmen Stil hin. Da wird dann aus dem Zornnickel ein eigenst\u00e4ndiger, lesenswerter Fabuleur, und das passiert sogar gar nicht so selten.<\/p>\n<p>Wie sehr ihn diese Welt nun anwidert, kann man als Buchk\u00e4ufer sogar h\u00f6ren: Pollex trug ausgew\u00e4hlte Texte (und auch solche, die es nicht ins Buch geschafft haben) bereits auf seiner Braunschweiger Leseb\u00fchne \u201eKopf &amp; Kragen\u201c vor, Mitschnitte davon sind in einer Zip-Datei geb\u00fcndelt, die der Buchk\u00e4ufer per beigelegtem Code aus dem Internet herunterladen kann. Zwei Dialogtexte sprach Pollex extra daf\u00fcr noch ein sowie seine Gedanken dazu, sich auch bei einem H\u00f6rbuch nicht an Konventionen halten zu wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (13.04.2015) \/ Auch erschienen auf Kult-Tour \u2013 Der Stadtblog \u201eH\u00f6flich\u201c ist gelogen, die \u201eAblehnung\u201c hingegen quillt tats\u00e4chlich aus allen Zeilen, die Marcel Pollex zu kleinen Texten formt und in diesem, seinem ersten, Buch versammelt. Sp\u00fcrbar angewidert befasst &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/marcel-pollex-in-hoflicher-ablehnung-verlag-andreas-reiffer-2015\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[],"class_list":["post-1242","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buch"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1242","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1242"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1242\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1280,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1242\/revisions\/1280"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1242"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1242"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1242"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}