{"id":1232,"date":"2015-04-04T12:35:36","date_gmt":"2015-04-04T10:35:36","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1232"},"modified":"2015-04-05T09:48:54","modified_gmt":"2015-04-05T07:48:54","slug":"das-ewige-leben-wolfgang-murnberger-a-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/das-ewige-leben-wolfgang-murnberger-a-2015\/","title":{"rendered":"Das ewige Leben \u2013 Wolfgang Murnberger \u2013 A 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (04.04.2015)<\/p>\n<p>Der vierte Film der Brenner-Reihe, gedreht nach dem sechsten Buch der inzwischen achtb\u00e4ndigen Krimiserie von Wolf Haas: In \u201eDas ewige Leben\u201c stolpert der Ex-Polizist Simon Brenner (wie immer gespielt von Josef Hader) durch sein altes Leben, als er aus prek\u00e4ren Gr\u00fcnden in seine Heimat Graz zur\u00fcckkehrt, und muss sich mit seinem Suizid, einer m\u00f6glichen Vaterschaft und diversen Todesf\u00e4llen befassen. Das bew\u00e4hrte Team (inklusive angemessener Musik der Sofa Surfers) dreht einen soliden Film, der f\u00fcr sich als Krimi mit vielen Aha-Momenten funktioniert, aber den Brenner etwas zu kurz kommen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Brenner-B\u00fccher galten seit jeher als unverfilmbar. Als Wolfgang Murnberger im Jahr 2000 mit \u201eKomm, s\u00fc\u00dfer Tod\u201c (der dritte Roman) den ersten Versuch wagte, schuf er gegen alle Erwartungen den bis dato erfolgreichsten Film der \u00f6sterreichischen Geschichte. Und belegte, dass es m\u00f6glich ist, aus der eigenwilligen Literaturvorlage etwas Visuelles zu extrahieren. Es folgten 2004 \u201eSilentium!\u201c (Band vier) und 2009 \u201eDer Knochenmann\u201c (Band zwei). Bis dahin kannte der Rezensent die Romanvorlagen nicht, sondern bewertete die Filme ohne ihre literarische Bezugsgr\u00f6\u00dfe. Bei \u201eDas ewige Leben\u201c ist dies nicht mehr so, da ist dem Rezensenten die Vorlage vertraut, und entsprechend schwierig ist es f\u00fcr den Film, mit den Erwartungen Schritt zu halten.<\/p>\n<p>Was die Unverfilmbarkeit ausmacht, ist die Sprache, und die ist auch ein wesentlicher Grund, die Romane zu lesen. Ein namenloser, aber als Person existierender omnipotenter und dennoch leicht naiver Erz\u00e4hler berichtet in einem abgehackten Satzbau von den abstrusen Geschehnissen. Abgesehen vom typischen Intro-Satz \u201eJetzt ist schon wieder was passiert\u201c flie\u00dft diese eigenwillige Sprache in die Filme jedoch nicht ein. Die Romane indes weisen eine wellenf\u00f6rmige Qualit\u00e4t auf: Besonders die verfilmten sind gro\u00dfartig; einigen anderen merkt man allerdings an, dass Haas sich dazu gedr\u00e4ngt gef\u00fchlt haben mag, einen neuen Roman abzuliefern, und den mit eher konstruiert-gek\u00fcnsteteln Absurdit\u00e4ten streckte. Insofern ist eine Filmumsetzung grunds\u00e4tzlich sinnvoll, deren Drehbuch die Story, die nun mal trotzdem in jedem der schwarzhumorigen B\u00fccher steckt, auf eine Weise aufzuarbeiten, die eine spannende Kriminalthrillergeschichte als Ergebnis hat. So ist es vorwiegend auch bei \u201eDas ewige Leben\u201c geworden.<\/p>\n<p>Darin kommt Brenner arbeits- und obdachlos in seinen Grazer Heimatstadtteil Puntigam zur\u00fcck und trifft auf zwei fr\u00fchere Begleiter, von denen einer Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler und der andere der Leiter des Landeskriminalamtes ist. Ein vierter aus dieser Runde starb bei einem versuchten gemeinsamen Bank\u00fcberfall. Davon erz\u00e4hlt der Film in 70er-\u00e4sthetischen R\u00fcckblenden, die die Handlung ausbremsen und die man erst versteht, wenn man das gesamte Bild kennt; daf\u00fcr sind sie ein angemessenes \u00c4quivalent der literarischen Vorlage. Brenner setzt sich nun w\u00e4hrend eines heftigen Migr\u00e4neanfalls eine Kugel in den Kopf und glaubt hinterher, dass man ihm den Suizidversuch nur einreden wollte. Er macht sich an zaghafte Ermittlungsarbeiten und wird dabei von externen Aktivit\u00e4ten \u00fcberholt. Vielmehr stolpert er durch den Plot und erkennt allm\u00e4hlich \u00fcberraschende Zusammenh\u00e4nge. Es kommt zu einer gro\u00dfartigen Verfolgungsjagd.<\/p>\n<p>Eben diese Komplexit\u00e4t tr\u00e4gt den Film und macht es spannend, ihn zu sehen. Brenners im oft schwierig zu verstehenden \u00d6sterreichisch gebellte Passagen sind die besten Momente, aber leider sind sie vergleichsweise rar. Im Rahmen der Story treten andere Figuren in den Vordergrund, die aus \u201eDas ewige Leben\u201c eben vornehmlich einen soliden Kriminalfilm machen. Solide, mit einigen Schwierigkeiten; Nora von Waldst\u00e4tten ist in ihrer Rolle sehr ambivalent und daher nicht \u00fcberzeugend. Die zielstrebige Killerin, die seri\u00f6se \u00c4rztin, die unterw\u00fcrfige Gattin, die Party-Maus, das f\u00fcgt sich nicht recht zusammen.<\/p>\n<p>Und dann sind da die fehlenden Elemente. Im Roman hat Brenners Suizidversuch eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung, weil nicht klar ist, ob er sich selbst den Kopfschuss beigebracht hat; das ist f\u00fcr ihn der Ausgangspunkt daf\u00fcr, \u00fcberhaupt Ermittlungen anzustellen. Diverse Zusammenh\u00e4nge im Film lassen sich auch nur dann fl\u00fcssig nachvollziehen, wenn man Kenntnis \u00fcber den Romanverlauf hat. Dennoch gelingt es Murnberger, den Film so weit auszuarbeiten, dass er auch f\u00fcr sich funktionieren kann. Letztes fehlendes Element ist der Tod des Erz\u00e4hlers, der im Film nun gar nicht stattfindet. Da ist Weglassen vermutlich wirklich die am besten umzusetzende Variante.<\/p>\n<p>In Summe bedient \u201eDas ewige Leben\u201c Humor- und Krimi-Freunde gleicherma\u00dfen und Brenner-Fans, von denen es auch im Norden Deutschlands einige gibt, immerhin ausreichend. Hader ist einfach bombastisch in der Rolle. So gehen Helden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (04.04.2015) Der vierte Film der Brenner-Reihe, gedreht nach dem sechsten Buch der inzwischen achtb\u00e4ndigen Krimiserie von Wolf Haas: In \u201eDas ewige Leben\u201c stolpert der Ex-Polizist Simon Brenner (wie immer gespielt von Josef Hader) durch sein altes Leben, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/das-ewige-leben-wolfgang-murnberger-a-2015\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1232","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1232"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1235,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1232\/revisions\/1235"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1232"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1232"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1232"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}