{"id":1219,"date":"2015-04-02T16:54:47","date_gmt":"2015-04-02T14:54:47","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1219"},"modified":"2015-04-02T16:54:47","modified_gmt":"2015-04-02T14:54:47","slug":"marc-domin-der-todesbiss-der-schwarzen-nonnelichtreflexe-of-the-love-marc-domin-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/marc-domin-der-todesbiss-der-schwarzen-nonnelichtreflexe-of-the-love-marc-domin-2015\/","title":{"rendered":"Marc Domin \u2013 Der Todesbiss der schwarzen Nonne\/Lichtreflexe Of The Love \u2013 Marc Domin 2015"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1220\" title=\"Marc Domin - Der Todesbiss der schwarzen Nonne\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Marc-Domin-Der-Todesbiss-der-schwarzen-Nonne.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"142\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1221\" title=\"Marc Domin - Lichtreflexe Of The Love\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/Marc-Domin-Lichtreflexe-Of-The-Love.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"102\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (02.04.2015)<\/p>\n<p>Mit seinem neuesten Doppelpack, bestehend aus Buch und CD, festigt Marc Domin seinen Stand als wandelnde Provokation. Fischt er auf der Akustik-CD \u201eLichtreflexe Of The Love\u201c thematisch noch vornehmlich in beinahe klassischen Punk-Gew\u00e4ssern, tritt er in dem dreigeteilten Buch \u201eDer Todesbiss der schwarzen Nonne\u201c mehrheitlich \u00fcber die Ufer des guten Geschmacks. Das Heft ist ein Stinkefinger in s\u00e4mtliche Richtungen, sowohl formal als auch inhaltlich. Er h\u00e4lt sich an keine Erwartungen und zeigt keinen Respekt vor auch nur irgendetwas. Man fragt sich, was einen so entwaffnend charmanten und gro\u00dfherzigen Menschen k\u00fcnstlerisch so bodenlos werden l\u00e4sst. Die Lekt\u00fcre des Buches jedenfalls findet doch sehr unter Schmerzen statt, ein reines Vergn\u00fcgen treibt Domin dem Leser gekonnt aus. Daf\u00fcr bekommt man von ihm etwas anderes, was ist es nur: Voyeurismus? Schadenfreude? Genugtuung? Rebellion? Oder schlicht Punkrock?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das erste Drittel des grob in der 80er-U-Kultur angesiedelten Buches besteht aus Zeichnungen, die der Autor euphemistisch als Comics bezeichnet. In Wahrheit sind es mittelm\u00e4\u00dfig begabt vollgekritzelte Bl\u00e4tter: Domin kann gar nicht zeichnen, wollte sich mit der Ver\u00f6ffentlichung aber einen Traum erf\u00fcllen. Man f\u00fchlt sich an seine eigenen Versuche in der Pubert\u00e4t erinnert, als man die Micky-Maus-Hefte beiseite legte und selbst zu schmieren anfing. Mit einem \u00e4hnlichen Humor sind auch Domins Geschichten gespickt, mit Randerkl\u00e4rungen, Lagepl\u00e4nen, falschen Perspektiven, undifferenzierten Figuren; und die Bilder sind durch Linien getrennt, nicht durch Freir\u00e4ume. Nichts davon hindert aber daran, den Geschichten folgen zu k\u00f6nnen; das immerhin. Diese wiederum sind typisch Domin: Sie erf\u00fcllen h\u00e4ufig Charakteristika von Kurzgeschichten, bilden also einen Ausschnitt aus etwas Gr\u00f6\u00dferem ab und enden oft scheinbar willk\u00fcrlich im Nirgendwo. Wie in den folgenden Kurzgeschichten und dem M\u00e4rchen flie\u00dft auch in den Comics extrem viel Blut, es kommt zu sinnloser Brutalit\u00e4t und absto\u00dfender expliziter Sexualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Was die Comics diesbez\u00fcglich teilweise nur andeuten, vertiefen die folgenden Geschichten. Literarisch f\u00fchlt man sich bei Domin erstaunlicherweise an andere Autoren erinnert, die man durchaus verehrt: Wolf Haas (die zerst\u00fcckelten S\u00e4tze), Eugen Egner (die psychedelische Phantasie), Helge Schneider (das Absurde). Domin verr\u00fchrt diese Zutaten, garniert mit seinem rebellischen Blick auf die Welt, zu einer Melange aus Blut und Sperma. In dieser Suppe indes schwimmen gesellschaftskritische Hasstiraden, mit denen man sich als gelegentlich hilflos den M\u00e4chten von Lobbyismus, Politik, Massengeschmack, Volksverdummung und anderen M\u00e4chten ausgesetzt Sehender zu seiner eigenen \u00dcberraschung sogar identifizieren kann. Domin l\u00e4uft verbal Amok; Opfer sind ebenso die kleinen Alltags-Fieslinge von nebenan wie das diffus undurchblickbare System.<\/p>\n<p>Seine Wortkaskaden durchsetzt Domin immer wieder mit Abschweifungen; meistens erl\u00e4utert er dem Leser seine Intentionen und seine Kenntnis etwa \u00fcber seine Grammatikfehler oder Logikschw\u00e4chen, manchmal l\u00e4sst er sich auch \u2013 positiv wie negativ \u2013 \u00fcber Kulturg\u00fcter aus. Man wundert sich dann aber recht h\u00e4ufig, wie oft Domin zu bestimmten Punkten zur\u00fcckkehrt und in seinen Geschichten tats\u00e4chlich so etwas wie eine Handlung aufkommen l\u00e4sst. Exemplarisch daf\u00fcr steht der dritte Teil des Buches, der aus dem bereits als Book-On-Demand erschienenen M\u00e4rchen \u201eMit ohne was an in die Mitte der Welt\u201c besteht, in Unkenntnis des Inhaltes illustriert \u00fcbrigens von seiner zweij\u00e4hrigen Tochter. Darin sucht eine dreik\u00f6pfige Familie einen Nazischatz in einem Gew\u00e4sser in der Mitte der Welt, dank dessen sie in den Obersalzberg einzieht und wiederum einen Zugang zur Mitte der Welt findet, um dort das B\u00f6se und das Gute zu t\u00f6ten. Absto\u00dfendes und Sch\u00f6nheit liegen hier wie immer bei Domin dicht beieinander: Er beschreibt, wie der Vater st\u00e4ndig mit Gegenst\u00e4nden kopuliert, und l\u00e4sst andererseits S\u00e4tze fallen wie \u201eDer Mond neigt sich h\u00f6flich nach vorne und spiegelt sein Antlitz auf der Matt [sic!] schimmernden Oberfl\u00e4che [&#8230;]\u201c. Keine leichte Kost, f\u00fcrwahr.<\/p>\n<p>Die CD \u201eLichtreflexe Of The Love\u201c ist dies daf\u00fcr schon eher. Nach dem Ausstieg bei der Band Die Weltenretter sah man Domin h\u00e4ufiger solo auf der Akustikgitarre seine Songs performen. Zwar steigerte er sich auch in seinen Songtexten mehr und mehr ins Vulg\u00e4re, aber lange nicht so extrem wie in den B\u00fcchern. Die Lieder schwanken zwischen Punkerleben und Liebesschmerz; maximal b\u00f6sartig ist vielleicht noch \u201eOhne Arme kein fis Moll\u201c. Die ersten neun Songs sind im Studio aufgenommen, die letzten vier live. F\u00fcr eing\u00e4ngige Melodien hat Domin definitiv ein Gesp\u00fcr, das bewies er bereits mit seinen Bands Bonner Pr\u00e4servative, Die letzten Kavaliere und eben Die Weltenretter. Als Akustikpunk macht er eine gute Figur.<\/p>\n<p>Das Album also kann man sich bedenkenlos zulegen, bei dem Buch sollte man wissen, dass man einen Faustschlag in die Weichteile erwirbt. Zu beziehen sind beide Werke (und noch viele andere) unter akusticpunk@gmx.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.04.2015) Mit seinem neuesten Doppelpack, bestehend aus Buch und CD, festigt Marc Domin seinen Stand als wandelnde Provokation. 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