{"id":120,"date":"2012-06-03T12:20:21","date_gmt":"2012-06-03T10:20:21","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=120"},"modified":"2012-11-10T14:48:29","modified_gmt":"2012-11-10T13:48:29","slug":"bohren-der-club-of-gore-live-beim-festival-theaterformen-gartenhaus-haeckel-braunschweig-am-2-juni-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/bohren-der-club-of-gore-live-beim-festival-theaterformen-gartenhaus-haeckel-braunschweig-am-2-juni-2012\/","title":{"rendered":"Bohren &#038; der Club Of Gore \u2013 Live beim Festival Theaterformen, Gartenhaus Haeckel, Braunschweig, am 2. Juni 2012"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bohren-Der-Club-of-Gore_Foto-Ruediger-Knuth_DSC3527.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-128\" title=\"Bohren &amp; Der Club of Gore_Foto Ruediger Knuth_DSC3527\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bohren-Der-Club-of-Gore_Foto-Ruediger-Knuth_DSC3527-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/>\u00a0\u00a0 <\/a><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bohren-Der-Club-of-Gore_Foto-Ruediger-Knuth_DSC3460.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-129\" title=\"Bohren &amp; Der Club of Gore_Foto Ruediger Knuth_DSC3460\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Bohren-Der-Club-of-Gore_Foto-Ruediger-Knuth_DSC3460-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (03.06.2012)<br \/>\nFotos von <a title=\"I Shoot Rock Shows\" href=\"http:\/\/ishootrockshows.com\/\" target=\"_blank\">R\u00fcdiger Knuth<\/a><\/p>\n<p>Wer h\u00e4tte das gedacht, dass ausgerechnet das Konzert von Bohren &amp; der Club Of Gore, der Doom-Jazz-Band, der der Ruf der extremen Langsamkeit anhaftet, zum wahrscheinlich lustigsten Konzert des Jahres \u2013 schon jetzt! \u2013 werden w\u00fcrde? Dabei lag es doch so nahe (und klang mit geschlossenen Augen auch so): Bohren kommen aus M\u00fclheim an der Ruhr \u2013 wie ein anderer wichtiger zeitgen\u00f6ssischer Jazzer, n\u00e4mlich Helge Schneider. Bei den enorm witzigen Ansagen und einem fast zweist\u00fcndigen Programm, das sich musikalisch zwar nur wenig von den Alben unterschied, war es dann auch verkraftbar, dass das Schlagzeug komplett vom Band kam. Den Grund erl\u00e4uterten die verbliebenen drei Musiker im Verlauf der Nacht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Den Drang zur Selbstironie offenbarte das Trio schon bei seiner Vorstellung: Als \u201eunromantische Band aus Nordrhein-Westfalen\u201c bezeichnete sie Christoph Cl\u00f6ser, \u201eClub\u201c \u00fcbrigens deutsch, nicht englisch aussprechend. Er sprach dabei stets so schleppend, wie die Band spielte \u2013 alles f\u00fcgte sich. Robin Rodenberg zupfte gelegentlich den Bass und lieferte damit den Unterbau f\u00fcr die St\u00fccke, Morten Gass schuf mit seiner Orgel repetetive Melodien und auch mal einlullende Soundteppiche, Cl\u00f6ser f\u00fcgte allem Details an Saxophon, Keyboard, vollends verfremdeter Gitarre oder Vocoder hinzu. Ab und zu erklangen das gesampelte Hi-Hat und die Bass-Drum des abwesenden Thorsten Benning. Man sagt Bohren eine Metal-Vergangenheit nach; da wunderte man sich schon, dass das dominierende Instrument neben dem Bass die Orgel war und dass die kaum beanspruchte Gitarre dann wie weiland bei The Young Gods nach einem Keyboard klang.<\/p>\n<p>Das Erstaunliche an der Musik von Bohren ist immer, dass sie sich auf dem Papier liest, als sei sie leer, es in Wirklichkeit aber nie ist. Bei Bohren kommt \u2013 im Gegensatz zur Eigeneinsch\u00e4tzung (\u201eBohren bore\u201c) \u2013 nie Langeweile auf. Und so langsam, wie man ihnen nachsagt, sind sie auch nicht. Bisweilen hetzten sie fast durchs Programm, gemessen an dem Bild, das man davon hatte. Zwar stehen Bohren mit ihrem Sound allein auf weiter Flur, so allein, dass sich selbst Helden wie Mike Patton und die Melvins vor ihnen verneigen, dennoch erinnerte ihre Musik an andere Bekannte: An Painkiller etwa (kein Wunder, dass Mike Patton Bohren mag) oder an einen Angelo Badalamenti, dem man ein Depressivum verabreichte. So minimalistisch wie die Musik war auch die B\u00fchnenbeleuchtung, die aus wenigen Spots bestand, die im gleichen Tempo wie die Musik ihre Farben wechselten, also recht selten.<\/p>\n<p>Tja, und w\u00e4hrend die Band also den proppevollen Platz am Gartenhaus Haeckel somnambul in die Nacht wiegte, bewies Cl\u00f6ser mit seinen Ansagen, was man mit Blick auf die Alben- und Songtitel schon immer ahnte: Bohren haben Humor. Von einem \u201eSt\u00fcck von unserer neuen Tontr\u00e4gerin &#8218;Beileid&#8217;\u201c behauptete Cl\u00f6ser, \u201ees handele\u201c \u2013 Frechheit genug bei einer Band, die bis auf eine Ausnahme ausschlie\u00dflich Instrumentalst\u00fccke ver\u00f6ffentlicht \u2013 \u201evon H\u00e4usern, die abgerissen werden m\u00fcssen, weil sie nach Blumenkohl stinken\u201c. Gemeint war \u201eZombies Never Die\u201c. Von \u201eStill am Tresen\u201c behauptete er, es handele von dem vergeblichen Versuch eines Mannes, nachts in der Bar eine Frau anzusprechen, \u201evom Dreiklang Saufen-Versagen-Jammern\u201c und von dem bekannten Ph\u00e4nomen \u201en\u00fcchtern zu sch\u00fcchtern, besoffen zu offen\u201c. Der Schlagzeuger, erl\u00e4uterte Cl\u00f6ser nun, sei deshalb nicht dabei, weil er von der Leiter gest\u00fcrzt sei, \u201eals er in der Bibliothek nach einem Buch gesucht hat\u201c. Das sei zwar traurig und Cl\u00f6ser hoffe, das Publikum sehe das genauso, aber: \u201eWir spielen trotzdem weiter.\u201c Nach anderthalb Stunden k\u00fcndigte Cl\u00f6ser das letzte St\u00fcck an und behauptete: \u201eWer uns schon mal live gesehen hat, wei\u00df, dass wir keine Zugaben geben, dass wir Typen sind, die ihre Spielfreude im Griff haben.\u201c F\u00fcr das begeisterungsf\u00e4hige Braunschweiger Publikum \u00e4ndere die Band ihr Konzept; eine halbe Stunde Programm folgte dem noch, unter anderem mit dem Titelst\u00fcck des neuesten Albums \u201eBeileid\u201c, einem \u201e16-min\u00fctigen Tr\u00e4nent\u00f6ter\u201c, dem Cl\u00f6ser die Frage vorwegschickte: \u201eWarum seine Zeit mit sinnlosem Tun vergeuden, wenn man sie auch sinnlos verstreichen lassen kann?\u201c Das Publikum lachte Tr\u00e4nen und spornte die Band mit ihrem teils tosenden Zuspruch zu noch mehr Langsamkeit an. Mit ihrer Musik komme die Band \u00fcberall sehr gut an, so Cl\u00f6ser, \u201ein Celle&#8230; Hannover&#8230; Hildesheim&#8230; Wenn es hier in Braunschweig nicht klappt, liegt es nicht an der Musik\u201c. Unsinn, es klappte in Braunschweig, deswegen verabschiedete sich Cl\u00f6ser auch mit einem stilsicheren \u201ebleibt fr\u00f6hlich, Braunschweiger!\u201c.<\/p>\n<p>Und wie fr\u00f6hlich die Braunschweiger blieben. Und: Die Veranstalter des Festival Theaterformen lernten ganz offensichtlich dazu. Das Festival findet im j\u00e4hrlichen Wechsel in Hannover und Braunschweig statt. Vor zwei Jahren gab es das kostenlose Livemusik-Angebot, das von der Qualit\u00e4t der auftretenden Musiker her die Linie des von der Braunschweiger CDU aus Gnatz geschlossenen und durch ein neoliberales Luxushotel ersetzten SPD-Projekts FBZ fortsetzt, schon einmal. Damals jedoch waren Veranstaltungsort und Programm so schlecht wie nur irgendetwas beworben. Dieses Mal weht ein Banner \u00fcber dem Eingang zum Spielort, der angrenzende Parkbereich ist um Liegest\u00fchle und eine weitere Theke erweitert, stimmungsvolle Lichter illuminieren den Platz. Man freute sich schon nach Verklingen des letzten Molltons auf das n\u00e4chste Konzert am Donnerstag mit dem Ex-Fink Nils Koppruch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u00a0 Von Matthias Bosenick (03.06.2012) Fotos von R\u00fcdiger Knuth Wer h\u00e4tte das gedacht, dass ausgerechnet das Konzert von Bohren &amp; der Club Of Gore, der Doom-Jazz-Band, der der Ruf der extremen Langsamkeit anhaftet, zum wahrscheinlich lustigsten Konzert des Jahres \u2013 &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/bohren-der-club-of-gore-live-beim-festival-theaterformen-gartenhaus-haeckel-braunschweig-am-2-juni-2012\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-120","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-konzert"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":130,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120\/revisions\/130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}