{"id":1131,"date":"2015-02-10T00:08:49","date_gmt":"2015-02-09T23:08:49","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1131"},"modified":"2015-02-10T22:53:04","modified_gmt":"2015-02-10T21:53:04","slug":"sauacker-tobias-muller-d-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sauacker-tobias-muller-d-2013\/","title":{"rendered":"Sauacker \u2013 Tobias M\u00fcller \u2013 D 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (09.02.2015)<\/p>\n<p>Dank Informationen aus zweiter Hand (die Cousine des Hauptdargestellten) ist vorab klar, worum es dem Dokumentarfilmer Tobias M\u00fcller geht: Er will in Zeiten sich wandelnder Agrarindustrie zeigen, wie sich der Generationenkonflikt auf einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb bei Sigmaringen zeigt, indem er den rund drei\u00dfigj\u00e4hrigen Philipp Kienle dabei begleitet, wie er seine neuen Ideen gegen die traditionellen Vorstellungen seines finanziell nur wenig erfolgreichen Vaters Konrad durchzusetzen versucht. Den Film tr\u00e4gt ein sympathischer und konstruktiver Philipp \u2013 doch fehlt es der Darstellung an Dramaturgie, Tiefe, Struktur und Detailreichtum.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sicher, wer kein Gro\u00dfgrundbesitzer ist, hat es heutzutage in der Landwirtschaft schwer. St\u00e4ndig gibt die EU neue Direktiven aus, die f\u00fcr den Kleinbauern zus\u00e4tzliche Kostenbelastungen bedeuten. Die Arbeit, die der Landwirt investiert, h\u00e4lt den Betrieb nicht mal auf Null; er muss andernorts \u201eschaffen\u201c (Schw\u00e4bisch) gehen, um in den maroden Hof zu buttern und sich auch noch ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Konrad blieb vom Nebenerwerb verschont, Philipp nicht, doch will der genau das \u00e4ndern. Die Unterschiedlichkeit der Ansichten von Vater und Sohn ist Thema \u2013 selten aber die Ansichten an sich: Man erf\u00e4hrt nicht, welche revolution\u00e4ren Ideen Philipp nun hat. Es fallen Schlagworte wie Bio, Vielf\u00e4ltigkeit, neue Technik, aber weiter in die Tiefe l\u00e4sst Filmemacher M\u00fcller nicht blicken. Stattdessen monologisieren Bankangestellte und Steuerberater \u00fcber den hinl\u00e4nglich bekannterma\u00dfen schlecht aufgestellten Betrieb. Die Geschehnisse reihen sich ohne erz\u00e4hlerische Stringenz aneinander, es fehlt die Dramaturgie. Dazu kommt zur Verwirrung der Betrachter, dass M\u00fcller die offenbar \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum entstandenen Filmausschnitte ohne R\u00fccksicht auf Chronologie aneinanderreiht.<\/p>\n<p>Oft ist Konrad einfach nur stereotyp uneinsichtig und stur. Das wirkt bisweilen wie konstruiert, damit es \u00fcberhaupt zu Konflikten in dem Film kommen kann. Man kommt Konrad nicht wirklich nahe, und obwohl er nicht alt wirkt, wenngleich die ruhestandsbedingte \u00dcbergabe des Hofes an seine Sohn h\u00e4ufig Thema ist, vermittelt er unn\u00f6tigerweise den Eindruck eines unverbesserlichen R\u00fcckw\u00e4rtsgewandten. Philipp wiederum kommt man n\u00e4her, seine Wortbeitr\u00e4ge sind stimmig, selbstbewusst und schlau. Den ungew\u00f6hnlich klischeefreien Jungbauern begleitet man gern, h\u00f6rt ihm beim Reflektieren zu, staunt \u00fcber seinen Eifer und seine Belastbarkeit. Antrieb ist ihm die 300-j\u00e4hrige Tradition des Kienle-Hofes, die er nicht einfach beenden will. \u201eAufh\u00f6ren geht immer\u201c, sagt er, wie er so einiges Durchdachtes und auch Witziges sagt. Landwirtschaftliche Vielfalt begr\u00fcndet er, indem er sie mit der Ente vergleicht: Sie k\u00f6nne fliegen, schwimmen, tauchen und gehen \u2013 \u201ealles nicht besonders gut, aber sie kann es\u201c.<\/p>\n<p>Liebesbeziehungen sind ein weiteres Thema, zu dem sich Phillip reflektiert \u00e4u\u00dfert, auch nachdem seine Freundin Manu ihn verl\u00e4sst, weil sie sich als \u2013 all\u00fcrenfreie \u2013 angehende Kunststudentin nicht auf dem Hof zurechtfindet. \u201eWarum soll ich mich f\u00fcr eine Frau verstellen?\u201c, fragt Phillipp, denn wenn er sich dann sp\u00e4ter zeige, wie er ist, erschrecke die Frau doch. Seine Mutter Gertrud ist, anders als Manu, der wandelnde Kompromiss, die Selbstaufgabe schlechthin; sie w\u00fcrde nicht wieder heiraten, sagt sie Konrad lachend ins Gesicht. \u201eIhr seid wie zwei Arschbacken\u201c, hei\u00dft es an geeigneter Stelle nur echt mit falschem Genitiv, \u201ewegen jedem Furz geht ihr auseinander.\u201c<\/p>\n<p>Manche Bilder zeigen ansatzweise Idylle, mit gl\u00fccklichen Schweinen, pl\u00fcschigen Katzen und niedlichen neugeborenen K\u00e4lbern. Andere zeigen die unidyllische Qual, die der Vierundzwanzigstundenjob mit sich bringt, wenn die Landwirte etwa im Schneesturm m\u00fchsam versuchen, die Silage abzudecken. Sympathisch ist auch der oberschw\u00e4bische Dialekt, mit seinem \u201eit\u201c statt \u201enicht\u201c und weiteren Besonderheiten.<\/p>\n<p>So bleibt zuletzt eher der Eindruck eines unsortierten Wohlf\u00fchlfilms zur\u00fcck als der eines kontroversen Zukunftsbildes in Form einer Dokumentation. Exemplarisch f\u00fcr ein m\u00f6gliches Vorgehen anderer gebeutelter Bauernh\u00f6fe ist der der Kienles nach diesem Film nicht, eine Zukunftsvision l\u00e4sst sich nicht extrahieren. Das ist schade. Aber wenn Philipp das n\u00e4chste Mal in der Gegend ist, kann er gerne auf ein Bier vorbeikommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.02.2015) Dank Informationen aus zweiter Hand (die Cousine des Hauptdargestellten) ist vorab klar, worum es dem Dokumentarfilmer Tobias M\u00fcller geht: Er will in Zeiten sich wandelnder Agrarindustrie zeigen, wie sich der Generationenkonflikt auf einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sauacker-tobias-muller-d-2013\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1131","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1131","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1131"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1131\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1133,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1131\/revisions\/1133"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1131"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1131"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1131"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}