{"id":1121,"date":"2015-01-29T11:48:48","date_gmt":"2015-01-29T10:48:48","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1121"},"modified":"2015-01-29T11:48:48","modified_gmt":"2015-01-29T10:48:48","slug":"1001-gramm-1001-gram-bent-hamer-n-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/1001-gramm-1001-gram-bent-hamer-n-2014\/","title":{"rendered":"1001 Gramm (1001 gram) \u2013 Bent Hamer \u2013 N 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (29.01.2015)<\/p>\n<p>Na gut, nach drei tollen Filmen darf man Bent Hamer auch mal eine Niete zugestehen. \u201e1001 Gramm\u201c ist leider eine. Leider dann auch eine nahezu vollkommene. Wenn es die Absicht war, die \u00d6dnis des Eichamtsjobs filmisch umzusetzen, ist dies auf eine Weise gelungen, in der sich der Zuschauer langweilt, anstatt sich der gelangweilten Figuren mitf\u00fchlend anzunehmen. Man wartet bis zum Schluss, dass es endlich mit der Handlung losgeht. Sobald dies der Fall zu sein scheint, kommt der Abspann. Und die Moral von der Geschicht? Bestenfalls: Fang endlich an zu leben. Der Kinog\u00e4nger beherzigt dies wohl am besten, indem er diesen Film meidet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Hauptanliegen Hamers scheint zu sein, dem Zuschauer plausibel zu machen, dass Hauptdarstellerin Ane Dahl Torp als Marie Ernst in allen Lebenslagen eine gute Figur hat. Macht, Entschuldigung. Beides eigentlich. Sei es in Eichamtsuniform, Schlabberpulli, G\u00e4rtnerkluft oder splitternackt in der Badewanne beim Sex. Ja, auch das, genau, muss es zuletzt sein, damit der Zuschauer wenigstens etwas von dem Film in Erinnerung beh\u00e4lt (und sei es nur der v\u00f6llig deplatzierte Witz \u00fcber Penisl\u00e4ngen). So generiert Hamer lauter Situationen, in denen Dahl Torp ihr norwegisch-blondes Haar offen, hochgesteckt, zusammengebunden oder vom Winde verweht in die Kulissen halten darf. Ja, sie ist h\u00fcbsch, aber so makellos, dass es glatt wird und man an ihr vorbei guckt; das reicht also nicht f\u00fcr ein abendf\u00fcllendes Kinovergn\u00fcgen. Da muss mehr sein.<\/p>\n<p>Ist es aber nicht. Dahl Torp spielt Marie, die Tochter des Typen, der im Eichamt f\u00fcr den norwegischen Kilogramm-Prototypen verantwortlich ist. Stoisch stakst sie durch ihr geeichtes Leben, das Raucherpausen mit ihrem Vater beinhaltet, Abwarten in ihrem Elektro-Auto, dass ihr Ex endlich seine Luxusm\u00f6bel aus der gemeinsamen Luxusreihenhauswohnung holt, und gelangweilt Wein trinkend in der leeren Luxuswohnung herumsitzen. Ihr Vater stirbt irgendwann, und laut ihrer Aussage ger\u00e4t ihre Welt dadurch aus den Fugen, was man aber abseits dieser Aussage nicht wahrnimmt, weil sie so stoisch bleibt wie eh und je. Nun muss sie nun statt seiner zur internationalen Kilogrammkonferenz nach Paris. Dr\u00f6ge hin, dr\u00f6ge her, und wieder hin, und wieder her, zwischen Paris und Oslo. Dabei l\u00e4uft ihr in der vermeintlichen Stadt der Liebe ein Typ namens Pi \u00fcber den Weg, der ihr zuletzt dabei hilft, den verunfallten norwegischen Kilogramm-Prototypen heimlich zu restaurieren. Allm\u00e4hlich wacht sie auf, der Zuschauer auch, doch da ist es zu sp\u00e4t. Der Abspann kommt.<\/p>\n<p>Es gelingt Hamer nicht, die reduzierte Einsamkeit der Hauptfigur filmisch zu transportieren. Denn die Kamera ist stets so dicht an den Figuren dran und verfolgt sie mit permanenten Schwenks, dass man keine Distanz zu der \u00d6dnis bekommt. Stattdessen suggeriert Hamer, dass es etwas Inhaltsvolles zu Verfolgen gibt, was aber nicht stimmt. Man ist so dicht dran an der Leere, dass sie entt\u00e4uscht. Zum Mitf\u00fchlen l\u00e4dt diese N\u00e4he auch nicht ein. Passender (und skandinavischer) w\u00e4re es gewesen, mehr mit Totalen und statischen Kameras zu arbeiten.<\/p>\n<p>Sobald Hamer dies tut, sind indes die Bilder zudem nicht wirklich sch\u00f6n. Bis auf wenige Ausnahmen. Bisweilen ist die Szenerie schlecht ausgeleuchtet, weshalb beabsichtigte Effekte verpuffen. So gehen etwa einmal s\u00e4mtliche Kilogrammabgeordneten mit einem blauen Regenschirm und ihrem sto\u00dffest verpackten Nationalkilogramm eine Baumreihe entlang. Das h\u00e4tte sch\u00f6n sein k\u00f6nnen, w\u00e4ren sie nicht alle schon im ersten Bilddrittel im Schatten verschwunden.<\/p>\n<p>Die Delegierten sollen irgendwie nerdig aussehen. Ja, tun sie. Offenbar soll man \u00fcber diese geeichten Leben lachen k\u00f6nnen. Das wiederum kann man nicht. Daf\u00fcr kommen die vermeintlich kom\u00f6diantischen Szenen zu uninspiriert und beil\u00e4ufig zwischen die inhaltslosen Sequenzen geschnitten. Man sieht, dass sie konstruiert sind, und f\u00fchlt sich zum Lachen manipuliert. In diesem Rahmen gibt es indes einmal einen gesellschaftskritischen Dialog zwischen den Delegierten \u2013 der gut ist, aber wie ein Fremdk\u00f6rper wirkt, weil diese Art von Inhalt nicht Bestandteil des Films ist.<\/p>\n<p>Als w\u00e4re es nicht schon schlimm genug, verliert sich Hamer an einer Stelle sogar noch in Kitsch: Die Seele wiegt 21 Gramm, wei\u00df der Kinog\u00e4nger nach dem gleichnamigen Film von Alejandro Gonz\u00e1lez I\u00f1\u00e1rritu und sagt der sterbende Vater im Film. Es interessiere ihn, wie viel er als Asche w\u00f6ge, sagt er Marie. Die ermittelt dies heimlich nachts im leeren Institut: Sie kippt seine Asche in eine Schale. Die Waage zeigt zun\u00e4chst 1022 Gramm an, dann sinkt das Gewicht auf 1001. Sie blickt verkl\u00e4rt der vermeintlich entfleuchenden Seele ihres Vaters nach. Als entfleuche die nicht zum Zeitpunkt des Todes, sondern des Wiegevorgangs. Schlimm! Danach sitzt die Frau rauchend zwischen den Institutsgeb\u00e4uden, man kann \u00fcber ihr Sterne sehen. Und zwar unter anderem den Jakobsstab, den G\u00fcrtel des Orion \u2013 der aber in Nordeuropa erst im Winter zu sehen ist, wohingegen der Film augenscheinlich im Sommer spielt.<\/p>\n<p>Immerhin: Der Film erz\u00e4hlt nicht alles aus, sondern setzt Schnitte an Stellen, die der Zuschauer selbst mit Inhalt f\u00fcllen muss. Leider sind die Sequenzen dazwischen ebenso \u00fcberfl\u00fcssig wie das, was Hamer zu Recht wegl\u00e4sst. Und immerhin ist John Kaada wieder f\u00fcr den Score verantwortlich, jedoch reduziert er, f\u00fcr die bessere Vermarktbarkeit vermutlich, seinen ansonsten verqueren Jazz zu banalen Hintergrundmelodien. Auch er hat schon Eindrucksvolleres geschaffen.<\/p>\n<p>\u201eKitchen Stories\u201c, \u201eO&#8217;Horten\u201c und \u201eHome For Christmas\u201c waren sch\u00f6ne Filme, die man gerne sah und ebenso gerne in Erinnerung beh\u00e4lt. \u201e1001 Gramm\u201c reiht sich dort leider nicht ein. Hoffentlich f\u00e4ngt sich Hamer wieder und kommt zu seiner eigenen Filmsprache zur\u00fcck, ohne Blick auf Quoten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (29.01.2015) Na gut, nach drei tollen Filmen darf man Bent Hamer auch mal eine Niete zugestehen. \u201e1001 Gramm\u201c ist leider eine. Leider dann auch eine nahezu vollkommene. Wenn es die Absicht war, die \u00d6dnis des Eichamtsjobs filmisch &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/1001-gramm-1001-gram-bent-hamer-n-2014\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1121","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1121"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1121\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1122,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1121\/revisions\/1122"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}