{"id":1110,"date":"2015-01-05T22:01:25","date_gmt":"2015-01-05T21:01:25","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1110"},"modified":"2015-01-05T22:01:25","modified_gmt":"2015-01-05T21:01:25","slug":"thom-yorke-tomorrows-modern-boxes-landgrab-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/thom-yorke-tomorrows-modern-boxes-landgrab-2014\/","title":{"rendered":"Thom Yorke \u2013 Tomorrow&#8217;s Modern Boxes \u2013 Landgrab 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1111\" title=\"Thom Yorke - Tomorrow's Modern Boxes\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2015\/01\/Thom-Yorke-Tomorrows-Modern-Boxes.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"99\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (05.01.2015)<\/p>\n<p>Bei Thom Yorkes zweitem Soloalbum steht die Diskussion um den Vertriebsweg vor der um die Musik. BitTorrent, Bandcamp, Gratis-Downloads \u2013 und eine LP-Version f\u00fcr mindestens satte 40 Euro, das sind die Eckdaten zum Jahreswechsel. Damit sattelt Yorke auf den Coup um das Radiohead-Album \u201eIn Rainbows\u201c auf und macht sogar so \u00e4hnliche Musik, nur ohne Band dahinter, also rein elektronisch vertrackt mit seiner Stimme drin. Das Ergebnis ist jedoch eher Stimmung als Song \u2013 und damit latent entt\u00e4uschend, wenn auch auf hohem Niveau.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Catchy sind die Tunes nicht eben, das war auf \u201eIn Rainbows\u201c und dem Nachfolger \u201eThe King Of Limbs\u201c von Yorkes Hauptband Radiohead noch anders. Auch auf den wild diskutierten Post-Erfolgs-Z\u00e4suralben \u201eKid A\u201c und \u201eAmnesiac\u201c gab es massenhaft Hits, die sich lediglich in ihrer Struktur und Instrumentierung von den vorherigen Erfolgen unterschieden. So war aus der Grunge- und Alternative-Rock-Band eben eine experimentelle Electro-Gruppe geworden, die ihre herk\u00f6mmlichen Rockinstrumente und damit ihre alten musikalischen Strukturen trotz aller Experimentierfreude nicht g\u00e4nzlich vom Tisch gewischt hatte. Radiohead zeigten, dass man auch mit Breakbeats und Frickelelectro anr\u00fchrende Songs produzieren kann. Nicht zuletzt das Seitenprojekt Atoms For Peace, das Yorke als Live-Band zu seinem ersten Solo-Album \u201eThe Eraser\u201c zwischenzeitig rekrutiert hatte, mischte satt und nachvollziehbar IDM-Elemente mit der Musik einer Rockband.<\/p>\n<p>Wer \u00fcber \u201eTomorrow&#8217;s Modern Boxes\u201c jammert, klagt \u00fcber immer noch hohe Qualit\u00e4t. Acht Tracks bietet Yorke, mit extrem reduzierter Elektro-Instrumentierung, gebrochenen Beats, schwirrenden Atmosph\u00e4reneffekten und trotz seines markant hohen Gesangs ohne klassische Songstruktur. Uptempo wird es selten, meistens generiert Yorke Atmosph\u00e4ren, in die man sich dann fallen lassen kann. Eine sch\u00f6ne Abenduntermalung, eher f\u00fcr nach der Party als auf der Party oder zum Aufw\u00e4rmen. Den Mainstream erreicht er damit gottlob nicht, der Radiohead-Fan d\u00fcrfte trotz der Konditionierung der vergangenen 15 Jahre seine Zugangsschwierigkeiten haben. Es ist ein nettes Album, das man sich gut anh\u00f6ren kann. Die Aufregung ist es jedoch nicht wert. Und den Preis f\u00fcr die Vinyl-Version auch nicht, mal ehrlich.<\/p>\n<p>Das ist heutzutage ein Unfug, mit dem Labels und K\u00fcnstler den vermeintlich letzten ohnehin zahlungswilligen Fans zus\u00e4tzlich Geld aus der Tasche zaubern wollen: Wer nicht wie alle anderen die Musik schlichtweg kopiert, ist offenbar dazu bereit, das Album seiner Lieblingsband im Deluxe-Format auch f\u00fcr weit mehr als den doppelten Preis der CD zu kaufen. Zwar bekommt der Fan damit oft tats\u00e4chlich etwas Wertiges in die Hand, kauft aber unterm Strich weniger, weil einfach weniger Geld f\u00fcr die anderen Deluxe-Editions der anderen Lieblingsbands \u00fcbrig bleibt. Und oft ist dann der Mehrwert der Deluxe-Editions doch nicht den monet\u00e4ren Mehrwert wert. Die wei\u00dfe Vinyl-Version von \u201eTomorrow&#8217;s Modern Boxes\u201c etwa kommt lediglich in einer Plastikeinschwei\u00dfung, die Bestandteil des Artworks ist und somit auf keinen Fall ge\u00f6ffnet werden sollte, will man das Album als Wertanlage ins Regal stellen. Schon jetzt zahlen Kunden in zweiter Hand bis zu den dreifachen Preis daf\u00fcr, also 120 Euro. Das ist der n\u00e4chste enervierende Effekt limitierter Sondereditionen: Nicht nur Fans kaufen sie, sondern zu oft Gesch\u00e4ftemacher, die sie f\u00fcr noch horrendere Preise an Fans weiterreichen wollen.<\/p>\n<p>Abgesehen davon erregte Yorke weltweite Aufmerksamkeit, weil er das Album zun\u00e4chst als Torrent ins Netz stellte; im Gegensatz zu dem vergleichbaren Name-Your-Price-Coup mit \u201eIn Rainbows\u201c wies er dieses Mal immerhin sofort auf die Vinyl-Ausgabe hin. Dabei verdiente er dank freiwilliger Zahlungen der Fans f\u00fcr die Downloads trotzdem Geld. Als Muster f\u00fcr neue Vertriebswege dient dies nur bedingt, schlie\u00dflich ist es bei Yorke die langj\u00e4hrig erarbeitete Anh\u00e4ngerschaft, die sein Modell erfolgreich sein l\u00e4sst. Das k\u00f6nnen sich die wenigsten K\u00fcnstler erlauben.<\/p>\n<p>Von der LP steht jetzt im Januar \u00fcberdies die dritte Auflage zur Pressung an, dieses Mal f\u00fcr den freien Markt, also hat es sich was mit der Exklusivit\u00e4t der Fr\u00fchk\u00e4ufer. Und Yorke bietet das Album jetzt au\u00dferdem auf seiner Bandcamp-Seite an, dazu den neuen Track \u201eYouwouldn&#8217;tlikemewhenI&#8217;mangry\u201c, der sich harmonisch in den Stil des Albums einf\u00fcgt und dieses immerhin auf eine Dreiviertelstunde gestreckt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>So bleibt der Eindruck, dass \u201eTomorrow&#8217;s Modern Boxes\u201c ein kreatives, reduziertes Nachtalbum geworden ist, das gut unterh\u00e4lt, sofern man aufgeschlossen ist, der Welt aber eigentlich nichts wirklich Besonderes hinzuf\u00fcgt. Wo bleibt eigentlich das Remix-Album von Atoms For Peace?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (05.01.2015) Bei Thom Yorkes zweitem Soloalbum steht die Diskussion um den Vertriebsweg vor der um die Musik. BitTorrent, Bandcamp, Gratis-Downloads \u2013 und eine LP-Version f\u00fcr mindestens satte 40 Euro, das sind die Eckdaten zum Jahreswechsel. 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