{"id":1063,"date":"2014-12-02T12:45:35","date_gmt":"2014-12-02T11:45:35","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1063"},"modified":"2014-12-02T12:45:35","modified_gmt":"2014-12-02T11:45:35","slug":"qntal-vii-drakkarsoul-food-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/qntal-vii-drakkarsoul-food-2014\/","title":{"rendered":"Qntal \u2013 VII \u2013 Drakkar\/Soul Food 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1064\" title=\"Qntal - VII\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Qntal-VII.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (02.12.2014)<\/p>\n<p>Ein weiterer Fall, an dem man als Davongeschrittener \u00fcberpr\u00fcfen kann, inwieweit man den Zur\u00fcckgelassenen mach einiger Zeit wieder folgen kann: Die Elektro-Mittelalterer Qntal ver\u00f6ffentlichen nach sechs Jahren Pause ihr siebtes Album. Jenem ging ein gewisser kreativer Stillstand voraus, mit der Konsequenz, dass auch die Band dies bemerkte und sich von Keyboarder Philipp Groth alias Fil trennte. Mit dessen Nachfolger Leon Rodt soll nun alles besser werden. Festzustellen ist, dass \u201eVII\u201c kompakter und schl\u00fcssiger ausf\u00e4llt als die Vorg\u00e4nger. Damit einher geht jedoch ein \u00dcberma\u00df an Poppigkeit, das die anspruchsvolleren experimentellen Passagen \u00fcberlagert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das musikalische Mittelalter in gegenw\u00e4rtiger Form kann manchmal ganz sch\u00f6n nerven. In eine andere Richtung dr\u00e4ngten Michael Popp und Sigrid Hausen das finstere Zeitalter vor 22 Jahren, n\u00e4mlich in eine elektronische. Damit umgingen sie die Diskussion darum, wie authentisch die Nachspielungen sind; anders als bei ihrem Hauptprojekt Estampie, das ausdr\u00fccklich versucht, die mittelalterliche Musik so zu spielen, wie sie seinerzeit nach aktuellem Forschungsstand geklungen haben mag. Nichts desto trotz verwenden Qntal auch immer historisches Instrumentarium wie Schalmei, Laute und \u00e4hnliches. Das ist auch gut so, denn, seien wir mal ehrlich: Ohne diese Elemente unterschiede sich die Musik nur wenig von der eines beliebigen Synthiepoppers. Den allergr\u00f6\u00dften Unterschied macht nat\u00fcrlich der Gesang, den haupts\u00e4chlich Sigrid Hausen alias Syrah liefert. Mit ihrem Mezzosporan intoniert sie \u00fcberwiegend historische Texte aus dem Mittelalter; den Ausflug in die Renaissance wie noch zuvor unterl\u00e4sst die Band auf \u201eVII\u201c.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr verlagert sie sich auf den Pop, auf den Tanzflur, latent auf den Schlager. Zum Eingang bedient \u201eVII\u201c massiv radiogeschulte H\u00f6rgewohnheiten. Gelegentlich sind leichte Synthieeffekte eingestreut, wie sie Fil seinerzeit mitgebracht hatte, jene mit einem latenten Industrial-Geschmack. So richtig \u00fcberraschend ist das aber nicht. Erst ab der H\u00e4lfte integrieren Qntal einige akustische Wagnisse. Das \u201eFr\u00fchlingslied\u201c aus der Carmina Burana f\u00e4hrt Gitarrensounds auf, die das St\u00fcck vergleichsweise heavy erscheinen lassen. Dazu passt Syrahs Stimme vortrefflich. Breakbeats gibt es auf \u201eIn dem Begyn\u201c von Meister Eckhart, ein Orchestersample reichert das im Enigma-Rhythmus gehaltene \u201eMelos Lacrimosum\u201c eines anonymen Autoren aus Frankreich an. Jener Song ist bereits der erste von zwei Bonus Tracks der limitierten Erstauflage. Der zweite, \u201eNox Aeterna\u201c, ist beinahe der beste Track des Albums. Dabei handelt es sich um einen Remix des Albumtracks \u201eSchnee\u201c, dessen Text von Markus Heitz stammt, einem Thriller- und Fantasyautor, den man wohl nur dann kennt, wenn man sich in jener Szene auskennt. Der blutige Text passt aber gut zu Qntal. Und die Musik des Mixes ist dicht am EBM, h\u00e4lt aber dennoch die sch\u00f6nen Fl\u00e4chen von Qntal aufrecht und f\u00fcgt sogar eine Gitarre ein.<\/p>\n<p>Insgesamt sind dies zu wenige Songs, die h\u00e4ngen bleiben und die man sich dauerhaft gerne anh\u00f6rt. Besser als die Vorg\u00e4nger \u201eVI \u2013 Translucida\u201c und \u201eV \u2013 Silver Swan\u201c sind sie immerhin. Und doch, fr\u00fcher, als noch alles aus Holz war, boten Qntal deutlich mehr \u00dcberraschungen. Sicher, fr\u00fcher war diese Art Musik einfach noch neu. Doch hat das Deb\u00fct deutlich mehr Langzeitwirkung als jedes andere Album der Band. Die ersten beiden Alben entstanden noch als Nebenprojekt von Deine Lakaien und Estampie. Seinerzeit war Ernst Horn noch ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Sound verantwortlich, das war zu einer Zeit, als auch die Lakaien noch experimenteller waren. \u201eAd mortem festinamus\u201c lief noch viele Jahre sp\u00e4ter in Grufticlubs, einem fast industrial-artigen \u201eBlack Death\u201c stand das extrem zarte \u201eUnter der Linden\u201c gegen\u00fcber. Auch das \u201ePal\u00e4stinalied\u201c von \u201eII\u201c ist ein dauerhafter Clubhit. Danach zerstritten sich Horn und Popp. Horn hob Helium Vola mit gleicher kreativer Ausrichtung als Quasi-Konkurrenzprojekt aus der Taufe, Popp holte Fil zu Qntal. Beide Projekte eint, dass sie \u00fcber die Jahre begannen, den H\u00f6rer zu langweilen. Doch zun\u00e4chst war es noch anders. Auf \u201eIII \u2013 Tristan und Isolde\u201c feierte Fil fr\u00f6hlichen Einstand und lieferte mit \u201eEcce Gratum\u201c einen schwindelerregenden Tanzfl\u00e4chenhit. Sein Sound zeichnete sich durch eine gewisse Weichheit aus. Seine Snares zog er glatt, seine Sounds waren sanft. Lediglich gelegentlich schon er dem H\u00f6rer satte, knackige Beats unter. Schon auf \u201eIV \u2013 Ozymandias\u201c wich die elektronische H\u00e4rte weitestgehend einer zumindest angenehmen Entspannung, die noch nicht so glattpoliert war. Nicht so sehr wie \u201eV \u2013 Silver Swan\u201c und \u201eVI \u2013 Translucida\u201c, die in ihrer Opulenz stark an kitschige Filmsoundtracks erinnerten. Trotz vereinzelter Uptemponummern. So bleibt \u201eVII\u201c dieser Linie zwar einigerma\u00dfen treu, holt aber gottlob im Einzelfall das Experiment zur\u00fcck. Davon k\u00f6nnte es deutlich mehr geben, um der Beliebigkeit und vorzubeugen. Und einem Desinteresse alter Begleiter.<\/p>\n<p>Interessant ist \u00fcberdies ein Blick ins Booklet. Dort sind Michael Popp, Syrah und Mariko alias Sarah Newman als Band aufgelistet, Leon Rodt taucht lediglich in den Credits auf. Die wiederum lassen den Lesenden den Kopf sch\u00fctteln: Neben der verst\u00e4ndlichen Danksagung an die Fotografin sind auch die Zust\u00e4ndigen f\u00fcr Haar und Make-Up, Schmuck und Kost\u00fcmdesign aufgef\u00fchrt. Nun, es ist eben nicht mehr so einfach, ein neues Album zu finanzieren. \u00dcbrigens wirbt ein Sticker auf dem Digipak f\u00fcr den Exklusiven \u201eSchnee\u201c-Track von Markus Heitz \u2013 nirgendwo ist indes erw\u00e4hnt, dass Schriftzug und Logo des Covers im Dunkeln leuchten. Das ist doch mal ein nettes Gimmick.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.12.2014) Ein weiterer Fall, an dem man als Davongeschrittener \u00fcberpr\u00fcfen kann, inwieweit man den Zur\u00fcckgelassenen mach einiger Zeit wieder folgen kann: Die Elektro-Mittelalterer Qntal ver\u00f6ffentlichen nach sechs Jahren Pause ihr siebtes Album. 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