{"id":1044,"date":"2014-11-17T00:03:10","date_gmt":"2014-11-16T23:03:10","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1044"},"modified":"2014-11-18T22:29:34","modified_gmt":"2014-11-18T21:29:34","slug":"frank-lenny-abrahamson-gbirl-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/frank-lenny-abrahamson-gbirl-2013\/","title":{"rendered":"Frank \u2013 Lenny Abrahamson \u2013 GB\/IRL 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (16.11.2014)<\/p>\n<p>Fast alles an diesem Film ist zwitterhaft: Er ist halb Kom\u00f6die, halb Drama; hat im Grunde zwei Hauptfiguren; hat zwei aufeinander folgende Handlungsstr\u00e4nge; pendelt musikalisch von der Avantgarde zum Mainstream; t\u00fcrmt gro\u00dfe Geheimnisse auf, die sich letztlich zumeist als banal entpuppen. Den entt\u00e4uschend unausgereiften Charakteren stehen brillante Skurrilit\u00e4ten und eine fabelhafte experimentelle Musik gegen\u00fcber. Mindestens das Rehearsal zu \u201eSecure The Galactic Perimeter\u201c der Film-Band mit dem gro\u00dfartigen Namen The Soronprfbs um den Pappk\u00f6pfigen Titelgeber Frank bleibt als absoluter Gewinn des Films haften; \u00fcber den Rest muss man eine Weile nachdenken, und das ist ja auch schon mal was.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Mittelpunkt steht der junge Jon, der gerne Rock-Komponist w\u00e4re. Als er zuf\u00e4llig dem Suizidversuch des The-Soronprfbs-Keyboarders beiwohnt, verpflichtet ihn Manager Don vom Strand weg auf die B\u00fchne. Obwohl der Milchbubi dort zwischen den Exzentrikern versagt, ist es erneut Don, der Jon f\u00fcr Albumaufnahmen in Irland anheuert. In einem Ferienhaus, zwischen kreativem Pappkopf mit F\u00fchrungscharisma, muffigem Franzosen, borstiger Aggro-Frau und dem psychisch labilen Don, \u00fcberschreitet Jon seine kreativen F\u00e4higkeiten und eckt permanent an. Doch der blau\u00e4ugige Bengel l\u00e4sst sich nicht beirren und organisiert der Band einen Internet-Hype und daraus resultierend einen Auftritt in den USA, beim \u201eSounth By Sout West\u201c-Festival, kurz SxSW. Dort kippt die Stimmung angesichts des bevorstehenden Gigs vor vermeintlich vielen Followern, nachdem sich bereits einer aus der Gruppe in Irland umgebracht hat. Letztlich geht es The Soronprfbs wohl vielmehr um die therapeutische Komponente des Musikmachens als um die gro\u00dfe B\u00fchne. Nach einer Messerstecherei und anderen Katastrophen verliert Frank buchst\u00e4blich seinen Kopf und verschwindet unerkannt. Jons Los ist es nun, den angerichteten Schaden wieder gut zu machen, denn letztlich ist er mit seinen ungelenken Ambitionen der Ausl\u00f6ser f\u00fcr all die Zusammen- und Auseinanderbr\u00fcche.<\/p>\n<p>Im Abschnitt in Irland dreht es sich um das fragile Bandgef\u00fcge und den Au\u00dfenseiter, der st\u00e4ndig tumb dazwischengr\u00e4tscht, im Verlauf motiviert durch eine diffuse Zuneigung, die der respektierte Bandchef Frank ihm entgegenbringt. Daraus resultieren allerhand absurde Situationen, indem die unterschiedlichen Figuren aufeinandertreffen. Aus der N\u00e4he sind es Egomanien und harte Abneigungen, aus der Ferne Ringelreihen, an K\u00f6pfe geworfene St\u00f6cke oder Laufspiele mit Schl\u00e4gen. In der mittleren, viel interessanteren Distanz beobachtet man den kreativen Prozess in Franks Kopf. Dessen Pappigkeit ist zwar Thema, aber Jon muss akzeptieren, dass man hinter die Maskerade nicht blicken kann. Das Thema r\u00fcckt daf\u00fcr im US-Teil des Films in den Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Trotz der Vielzahl guter Ideen hinterl\u00e4sst der Film an vielen Stellen ein Gef\u00fchl von verschenkten Chancen. Die gelegentlichen Skurrilit\u00e4ten sind einfallsreich, wirken aber bem\u00fcht und sogar bedeutungslos, sobald der Film die ernsthafte Richtung einschl\u00e4gt; manche Bandmitglieder sind leider eher Staffage. Mit etwas mehr kreativer Sorgfalt h\u00e4tten die Charaktere mehr Tiefe gehabt und deren Aufeinandertreffen stringentere Absurdit\u00e4ten erzeugt. Doch sollten manche Elemente am Ende wohl eine Erkl\u00e4rung bekommen; gerade das nimmt ihnen aber den Zauber und entlarvt eine mangelnde Tiefe. Die Funktion des Pappkopfes etwa w\u00e4re nachhaltiger, wenn der Grund daf\u00fcr kein Thema gewesen, sondern die Existenz eines permanent bepappten S\u00e4ngers schlicht als gegeben akzeptiert worden w\u00e4re. So kommt es zu einem Drama, das wenig \u00fcberzeugt, da die Figuren, um die es geht, in der absurden H\u00e4lfte als nicht gerade ernstzunehmend eingef\u00fchrt wurden. So bleibt es auch unverst\u00e4ndlich, dass eine Band aus solchen harten Hunden ein beratungsresistentes, sich selbst \u00fcbersch\u00e4tzendes Weichei wie Jon akzeptiert. Jon lernt nicht aus den Zur\u00fcckweisungen und der Rest weist ihn nicht konkret in seine Schranken \u2013 so etwas funktioniert als Story nur, wenn es nicht noch ernst werden soll. Bei \u201eScott Pilgrim vs The World\u201c wirkte das besser, weil es stringenter und konsequenter war. Frank an sich bleibt zwar auch ohne Kopf ein R\u00e4tsel, aber das eher deshalb, weil sich auch sein Charakter unplausibel verschiebt (nicht wie beim anderen ber\u00fchmten maskierten Film-Frank, dem in \u201eDonnie Darko\u201c): Der kreative Gro\u00dfmeister und Zampano will pl\u00f6tzlich von Jon angestachelt mit Mainstream dem SxSW-Publikum gefallen (obwohl sein Mainstream zugegebenerma\u00dfen eher unmainstreamig nach den Residents klingt).<\/p>\n<p>Immerhin, die Musik ist gro\u00dfartig, und die ist sogar von allen Schauspielern (Michael Fassbender als Frank singt) selbst gespielt. Auch gelingen diverse brillante Pointen, nicht nur gute Musikerwitze. Die Bilder sind sch\u00f6n, \u201eFrank\u201c ist anschaulich in Szene gesetzt. Am Ende scheint Jon dann doch etwas gelernt zu haben; das ist notwendig, um nicht vollends den Respekt vor ihm zu verlieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.11.2014) Fast alles an diesem Film ist zwitterhaft: Er ist halb Kom\u00f6die, halb Drama; hat im Grunde zwei Hauptfiguren; hat zwei aufeinander folgende Handlungsstr\u00e4nge; pendelt musikalisch von der Avantgarde zum Mainstream; t\u00fcrmt gro\u00dfe Geheimnisse auf, die sich &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/frank-lenny-abrahamson-gbirl-2013\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1044","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1044","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1044"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1044\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1048,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1044\/revisions\/1048"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1044"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1044"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1044"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}