{"id":1039,"date":"2014-11-15T13:07:19","date_gmt":"2014-11-15T12:07:19","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1039"},"modified":"2014-11-18T22:30:34","modified_gmt":"2014-11-18T21:30:34","slug":"the-zero-theorem-terry-gilliam-usagbrof-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-zero-theorem-terry-gilliam-usagbrof-2013\/","title":{"rendered":"The Zero Theorem \u2013 Terry Gilliam \u2013 USA\/GB\/RO\/F 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (15.11.2014)<\/p>\n<p>Ein enorm vielschichtiger Film ist \u201eThe Zero Theorem\u201c, das ist sehr angenehm. Man kommt aus dem Kino und hat eine Menge mit seinen Sitznachbarn zu besprechen. Hat man alle Einzelheiten und Ebenen erfasst, wie interpretieren andere das Gesehene? Erstaunlicherweise \u00fcberfrachtet Gilliam den Film nicht, obwohl man anfangs mit der Bilderflut klarkommen muss. Optisch und inhaltlich n\u00e4hert sich Gilliam seinem Meisterwerk \u201eBrazil\u201c an, kopiert es aber nicht. Und Christoph Waltz darf zeigen, dass er als Schauspieler mehr als einen Typus drauf hat. Grandios.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es ist nicht einfach, die Story mal eben zusammenzufassen. Sie spielt in einer nicht n\u00e4her bestimmten Zukunft. Der psychisch desolate Qohen Leth (Christoph Waltz ohne Haare) arbeitet f\u00fcr die Firma \u201eMancom\u201c des gott\u00e4hnlichen \u201eManagements\u201c (Matt Damon) als Softwaresachbearbeiter. Doch da er auf einen Anruf wartet, der ihm den Sinn seines Lebens verraten soll, erwirkt er \u00fcber seinen Abteilungsleiter Joby einen Heimarbeitsplatz. Der wird bewilligt, mit der Auflage, dass Qohen das \u201eZero Theorem\u201c l\u00f6sen soll, eine Art Universalformel. Zu Hause bedeutet f\u00fcr Qohen in einer ehemaligen Kirche. Die Aufgabe w\u00e4chst aber \u00fcber Qohen hinaus. Unterst\u00fctzung bekommt er daher von Bainsley (M\u00e9lanie Thierry), in die er sich z\u00f6gerlich verliebt, und Bob, einem 15-j\u00e4hrigen Praktikanten. Wenn Qohen tr\u00e4umt, imaginiert er sich ein Schwarzes Loch; eine Online-Therapeutin (Tilda Swinton) soll ihm helfen, mit seinem Inneren klarzukommen.<\/p>\n<p>Qohen ist soziophob, wei\u00df nicht, wo er auf einer Party stehen soll, spricht fast mit niemandem, hat keine Freunde. Seine gesamte Hoffnung liegt in dem Anruf: Vor Jahren legte er im trunkenen Zustand versehentlich auf, als ihm jemand per Telefon etwas Wichtiges mitteilen wollte, von dem Qohen glaubt, dass es der Sinn seines Lebens sei. Seitdem wartet er, dass der Unbekannte erneut anruft \u2013 anstatt selbst am Sinn seines Lebens zu arbeiten. Da er f\u00fcr das Management eine unersetzbare Arbeitskraft darstellt, gew\u00e4hrt es ihm Unterst\u00fctzung. Es dauert, bis Qohen begreift, dass die vermeintliche Zufallsbekanntschaft Bainsley, die er sp\u00e4ter im Cyberspace am romantischen Strand trifft, ein Callgirl, also gekauft, ist. Auch erf\u00e4hrt er erst sp\u00e4t, dass der 15-J\u00e4hrige der Sohn des Managements ist. Aus deren urspr\u00fcnglicher Hilfe entwickelt sich, dass Qohen mit f\u00fcr ihn v\u00f6llig fremden Ideen konfrontiert sind, die im Sinne des Managements sogar kontraproduktiv w\u00e4ren: Bainsley verf\u00fchrt Qohen dazu, sein Leben aufzugeben und mit ihr zu verschwinden, und Bob wehrt sich gegen die \u00dcberwachung und die Rolle als Werkzeug f\u00fcr seinen eigenen Vater. Doch all diese Sinn-des-Lebens-Aspekte ignoriert Qohen auf der Suche nach seiner eigenen L\u00f6sung. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass Qohen irgendwann erkennen muss, dass alle Einfl\u00fcsse, von Bainsley \u00fcber Bob bis zu seiner Online-Therapeutin, direkte Manipulationsversuche des Managements sind.<\/p>\n<p>\u201eThe Zero Theorem\u201c ist wie jeder gute Science-Fiction-Film eine \u00dcberzeichnung der Gegenwart, hier mit unpers\u00f6nlicher, aber kreischend bunter Arbeitsplatzgestaltung, noch penetranterer Werbung, egofixierter Partyteilnahme als gleichgeschaltetes Individuum in der Gruppe, als selbstverst\u00e4ndlich aufgefasster permanenter \u00dcberwachung, unterw\u00fcrfiger Obrigkeitsh\u00f6rigkeit. Hier ersetzt das Geld die Religion; das Management \u00fcbernimmt die Rolle Gottes \u2013 ausgerechnet dessen Sohn fungiert f\u00fcr Qohen als rebellischer potentieller Heilsbringer. In Qohens Kirche sitzt auf der Christusfigur am Kruzifix kein Kopf, sondern eine Kamera, die ihre Bilder ans Management sendet \u2013 Gott sieht alles.<\/p>\n<p>Der Film liefert viele sch\u00f6ne Denkanst\u00f6\u00dfe. Bis auf seinen Computerarbeitsplatz hat Qohen keine externe Einfl\u00fcsse. Er ist nur Nahrung ohne erkennbaren Geschmack und meidet Menschen. Nach einer gescheiterten Ehe hat Bainsley zun\u00e4chst auch Probleme, sich ihm zu n\u00e4hern, aber letztlich doch ihre Mittel. Nicht einmal die aufreizende Pizzabotin entlockt ihm Aufmerksamkeit, w\u00e4hrend sie Bobs Bewusstsein geradezu l\u00e4hmt. Umso zerbrochener ist Qohen, als sich die vermeintlichen Gef\u00fchle Bainsleys als gekauft herausstellen. Da wird er rigoros. Umso n\u00e4her kommt er Bob, der ihn sogar dazu bringt, vom Pluralis Majestatis in die Erste Person Singular zu wechseln. Qohen f\u00fchlt sich f\u00fcr ihn verantwortlich, als Bob krank wird, und zieht damit die gewaltige Wut des Managements auf sich. Der sture Qohen findet seine Erl\u00f6sung eben doch nur auf seine Art, integriert aber Aspekte, die er bei Bainsley und Bob lernte, in seine Methode, diesen Weg zu finden.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist \u201eThe Zero Theorem\u201c in vielen Punkten ein typisches Gilliam-Werk. Die Optik erinnert an \u201eBrazil\u201c und \u201e12 Monkeys\u201c, dieser Mix aus Steampunk und SciFi. Gottlob kopiert er seine eigenen Filme nicht einfach, sondern f\u00fcgt einen neuen hinzu. Auch integriert er einige typische Monty-Python-Elemente; manche Situationen und Figuren sind skurril und erinnern an die Arbeiten, die Gilliam in den 60ern und 70ern mit den Pythons kreierte. Nicht zuletzt der nackt von hinten gezeigte Waltz am Anfang, der eine direkte Reminiszenz an den Regisseur ist, der f\u00fcr den \u201eBlackmail\u201c-Sketch stets am einer Orgel sitzend seinen nackten R\u00fccken pr\u00e4sentierte.<\/p>\n<p>Der Film ist weniger anstrengend oder stressig, als er am Anfang erscheint; er tr\u00e4gt das angenehme Ma\u00df an Ruhe und Inhalt. Die Ideen und die Geschichte \u00fcberzeugen; er enth\u00e4lt noch viel mehr, als in diesen Text passt. \u201eThe Zero Theorem\u201c unterscheidet sich sehr vom Vorg\u00e4nger, \u201eDas Kabinett des Doktor Parnassus\u201c, und doch tragen beide eindeutig Gilliams Handschrift und pr\u00e4sentieren seine Phantasie. Ein erfreulich lohnenswerter Film.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.11.2014) Ein enorm vielschichtiger Film ist \u201eThe Zero Theorem\u201c, das ist sehr angenehm. Man kommt aus dem Kino und hat eine Menge mit seinen Sitznachbarn zu besprechen. Hat man alle Einzelheiten und Ebenen erfasst, wie interpretieren andere &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-zero-theorem-terry-gilliam-usagbrof-2013\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-1039","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1039","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1039"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1039\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1050,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1039\/revisions\/1050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}