{"id":1025,"date":"2014-11-09T15:20:13","date_gmt":"2014-11-09T14:20:13","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1025"},"modified":"2014-11-09T15:20:13","modified_gmt":"2014-11-09T14:20:13","slug":"interstellar-christopher-nolan-usa-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/interstellar-christopher-nolan-usa-2014\/","title":{"rendered":"Interstellar \u2013 Christopher Nolan \u2013 USA 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (09.11.2014)<\/p>\n<p>Drei Stunden. Drei Stunden f\u00fcr was? \u201eInterstellar\u201c hat so wenige \u00fcberzeugende Momente, dass selbst die H\u00e4lfte der Spielzeit noch zu viel gewesen w\u00e4re. Der Film bleibt viel zu weit hinter seinen M\u00f6glichkeiten zur\u00fcck: flache Charaktere, wenig Handlung, bekannte Effekte, uninspirierte Kamera, spinnerte Story. Bis endlich etwas Bewegung ins Spiel kommt, l\u00fcmmelt man sich l\u00e4ngst abwesend in den Sesseln. Und fragt sich am Ende, was das eigentlich alles sollte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dem Film fehlt es zuvorderst an Seele. Die Figuren agieren, weil sie es laut Drehbuch m\u00fcssen, und nicht, weil die Charaktere sich zu irgendetwas getrieben f\u00fchlen. Man nimmt ihnen nichts ab, keine Initiative, keine Angst, kein Mitleid, keine Trauer, keine Reue, keine Liebe. Nur der sich als B\u00f6ser entpuppende Wissenschaftler auf einem Planeten zeigt, wenn auch komplett unlogische, so immerhin eigene Interessen und weicht vom Charakterbrei der anderen ab. Die Tochter der Hauptfigur kann man vielleicht noch als gelungen charakterisiert mitz\u00e4hlen, aber nur indirekt: \u00dcber ihren Charakter wird lediglich gesprochen, aber man nimmt ihn kaum selbst wahr. Das alles ist sch\u00e4dlich f\u00fcr die Dramaturgie, weil man sich von keinen Wendungen \u00fcberrascht f\u00fchlt und bei keinem wie auch immer gearteten Abschied mittrauert. Es ist einem egal. Und dauert daher viel zu lang.<\/p>\n<p>Zweitens fehlt es ihm an Atmosph\u00e4re. Viel zu deutlich klaut Nolan bei Filmen wie \u201e2001: A Space Odyssey\u201c, \u201eGravity\u201c, \u201eSigns\u201c und \u201eChildren Of The Corn\u201c. Er \u00fcbernimmt streckenweise ganze Bilder oder Effekte, f\u00fcgt sie aber nicht zu etwas stimmungsvoll Neuem zusammen. Seine Sequenzen sind willk\u00fcrlich, die Bildkomposition uninspiriert, die Tricks banal. Er bildet ab, aber erz\u00e4hlt nicht. Der Zuschauer ist Betrachter, aber er staunt nicht, ist nicht Bestandteil, wird nicht hineingesogen. Und das bei dieser methusalischen Filml\u00e4nge, das ist auch eine Leistung. Zwischen all sein \u00fcberzogenes Weltraum-Familiendrama mixt Nolan dann auch noch einen auf Humor programmierten Roboter, dem er vereinzelte One-Liner g\u00f6nnt, die aber im Kontext unangebracht wirken. Oder zu selten kommen und damit den Film auch nicht retten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Richtige \u00dcberraschungen sind rar. Der Gag mit dem Baseball im Dachfenster am Ende kommt gut. Die Explosion einer Raumf\u00e4hre versetzt einen Schock. Die Identit\u00e4t des Geistes ist ein netter, aber unausgereifter Aha-Effekt. Wenn man bedenkt, dass es sich dabei eigentlich um die Haupt-Handlung handelt, ist das schwach.<\/p>\n<p>Die Handlung geht so: Cooper hat zwei Kinder und einen Schwiegervater. Gemeinsam beackern sie vollautomatisch Maisfelder und setzen sich gegen allgegenw\u00e4rtigen Staub zur Wehr. Als er und seine Tochter Murphy in deren Zimmer Geister-Botschaften aus B\u00fcchern und Sand entschl\u00fcsseln, entdecken sie eine geheime Nasa-Basis. Dort wird Cooper dazu \u00fcberredet, einen Flug durch ein Wurmloch am Saturn zu leiten, um auf der anderen Seite neue Welten zu entdecken, die die Menschheit statt der aus welchen Gr\u00fcnden auch immer lebensfeindlich gewordenen Erde besiedeln k\u00f6nnten. Die Kinder finden&#8217;s halb doof, halb okay, und trotz der Warnung des Buchgeistes macht sich der offenbar ausgebildete Pilot Cooper ohne Testl\u00e4ufe los, um die \u00dcberlebenden fr\u00fcherer Expeditionen und damit neuen Lebensraum auf entlegenen Planeten zu suchen. Unterst\u00fctzung gibt es von \u201edenen\u201c, von denen niemand wei\u00df, wer sie sind, und zu denen offenbar auch der Geist geh\u00f6rt. Nun, es geht einiges schief, gibt ein paar Spezialeffekte und Standard-Spannungsmomente, und dann schlie\u00dft sich ein k\u00e4siger Kreis mit Zeitreise, Dimensionssprung und der Auferstehung der Toten, bei der Nolan nach fast drei Stunden Langeweile gro\u00dfz\u00fcgig unterschl\u00e4gt, wie sie vonstattengeht, au\u00dfer, dass es irgendwas mit Liebe zu tun hat. Genau: Was soll das? Und wie sollte es das? Die Br\u00fccke zwischen dem Geist, \u201edenen\u201c und der Evolution ist ja ganz nett, aber den massiven Vorlauf nicht wert und ohne einleuchtende Erkl\u00e4rungen auch nur eine halbgare Idee.<\/p>\n<p>Interessant ist die Ausstattung des Films. Zun\u00e4chst gibt es keine erkennbaren Unterschiede zur Jetzzeit, bis erstmals Technik gezeigt wird. Eine mindestens zehn Jahre alte indische Flugdrohne und ferngesteuerte M\u00e4hdrescher legen nahe, dass die Handlung sehr weit in der Zukunft spielen muss. An den Autos, M\u00f6beln, B\u00fcchern, Kleidungsst\u00fccken kann man das aber nicht erkennen. Der Film legt mindestens 23 Jahre zur\u00fcck; auch in der Zeit gibt es keine optischen Ver\u00e4nderungen in der Ausstattung. Ist das nun ein genialer Kniff oder faule Nachl\u00e4ssigkeit? Auf jeden Fall ist es irritierend. Nicht als einziger Aspekt des Films.<\/p>\n<p>Eine seltsame Reihe: Erst \u201ePrometheus\u201c, dann \u201eTranscendence\u201c, nun \u201eInterstellar\u201c \u2013 allesamt schockierend entt\u00e4uschende Science-Fiction-Filme. Es nimmt einem den Mut, sich weitere monumentale Sci-Fi-Gro\u00dfprojekte anzusehen. \u201eGravity\u201c zeigte doch, wie man es auch in Gut hinbekommen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.11.2014) Drei Stunden. Drei Stunden f\u00fcr was? \u201eInterstellar\u201c hat so wenige \u00fcberzeugende Momente, dass selbst die H\u00e4lfte der Spielzeit noch zu viel gewesen w\u00e4re. 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