{"id":1005,"date":"2014-10-26T12:26:44","date_gmt":"2014-10-26T11:26:44","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=1005"},"modified":"2014-10-26T12:26:44","modified_gmt":"2014-10-26T11:26:44","slug":"swans-live-im-pavillon-hannover-am-25-oktober-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/swans-live-im-pavillon-hannover-am-25-oktober-2014\/","title":{"rendered":"Swans \u2013 Live im Pavillon, Hannover, am 25. Oktober 2014"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-60.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1006\" title=\"Pharmakon\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-60-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-62.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1007\" title=\"Swans\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-62-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-65.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1008\" title=\"Michael Gira\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-65-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-67.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1009\" title=\"So sieht L\u00e4rm aus\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-67-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-71.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-1010\" title=\"Schwanengesang\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/Swans-71-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (26.10.2014)<\/p>\n<p>L\u00e4rm. Kaum mehr als das. Zweieinhalb Stunden lang. Mehr L\u00e4rm als Musik, und in der Musik mehr Rhythmus als Melodie. Eigentlich ist die Musik der Swans sehr simpel: repetetive Strukturen, unterlegt von Ger\u00e4usch. Und doch hat diese Musik so viel Seele und Ausdruckskraft wie kaum eine andere, besonders im extremen Sektor. Die Menge wogte sich in Trance, die Band spielte sich in Gl\u00fcckseligkeit \u2013 zuletzt sah man den Grantler Michael Gira sogar grinsen. Ein einzigartiges Konzertereignis, das eigenwillige Vergn\u00fcgen sprang auf die Besucher \u00fcber. Und das bei solcher Musik, die eigentlich \u00fcber lange Zeit keine ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Los ging es mit fast einer halben Stunde Ger\u00e4usch. Zug um Zug stellten sich die Musiker handwerklich vor, zun\u00e4chst mit dem Gong, nach einer Viertelstunde kam der Schlagzeuger dazu, dann der kaugummikauende Tasteninstrumentbediener, dann die drei Saiteninstrumentemaltr\u00e4tierer. Sie alle fielen in die tosende See, die der Gongoperator vorzeichnete, und lie\u00dfen sie zu einer Sturmflut anschwellen. Abrupt schwenkten die sechs nach einer halben Stunde in einen stoischen Takt, zu dem sie nur einen Akkord spielten. Dieses St\u00fcck variierten sie in seiner Intensit\u00e4t, in sonst nichts, und das eine weitere Viertelstunde lang. Selbst, wenn es ewig so weitergegangen w\u00e4re, h\u00e4tte es niemanden gest\u00f6rt. So ging es aber nicht weiter.<\/p>\n<p>Erstaunlicherweise wirkte die Band anfangs gar nicht so recht sympathisch. Der Tastenmann kaute sp\u00f6ttisch grinsend Kaugummi, w\u00e4hrend er die Regler auf Anschlag drehte und infernalischen L\u00e4rm erzeugte. Michael Gira, der angesichts seiner zumeist deutschsprachigen Mitmusiker seinerseits Deutsch sprach, wenn auch nur wenig, wirkte arrogant, wie er mit dem Tonmann schimpfte und ansonsten kaum auch nur Kontakt zu irgendwem hatte, der Rest agierte konzentriert vor sich hin. Eine seltsame Bande, die da das gesamte Konzert \u00fcber in glei\u00dfend wei\u00dfem Licht die dazu kontr\u00e4re Musik auf die Zuschauer loslie\u00df. Doch der Eindruck gab sich mit der Zeit. Zwar fand Giras \u00c4rger mit den zu hohen Frequenzen seiner Monitorbox erst nach amtlichen anderthalb Stunden ihren H\u00f6hepunkt und unterbrach den Gig, aber kurz vor Schluss ging er sogar grinsend auf Zuschauerfragen ein: \u201eWhy are we playing here? I don&#8217;t know.\u201c Berechtigte Frage: In Hannover! Aber gut so, Konzerte solchen Kalibers fehlen in der Region.<\/p>\n<p>Mit \u201eA Little God In My Hands\u201c wurde die Band kurzzeitig klar und h\u00f6rbar. Stumpfer Midtempo-Takt, vier T\u00f6ne auf dem Bass, Giras durchdringende, charakterstarke, wundervolle Stimme. Die Swans wissen, wie sch\u00f6ne Kl\u00e4nge gehen. Sie wissen aber auch, wie L\u00e4rm geht, und der kommt in dem St\u00fcck auch vor. Daf\u00fcr packte der optisch an Gimli erinnernde Multiinstrumentalist, der zuvor den Gong bearbeitet hatte, eigens die Trompete aus und erg\u00e4nzte so den heavy Gitarrenkrach. Der abrupte Wechsel zwischen H\u00e4schenwiese und Inferno gab den sch\u00f6nen Passagen noch mehr Wirkungskraft. Aber den L\u00e4rm, den mochten die Musiker an dem Abend besonders gern. Ob mit oder ohne Beat, Hauptsache Krach, und wenn der Drummer mit der Trillerpfeife oder der Percussionist mit dem Amboss auf Stahlrohren nachhelfen mussten.<\/p>\n<p>Wenn Songs zu erkennen waren, stammten sie vom j\u00fcngsten, gro\u00dfartigen Doppelalbum \u201eTo Be Kind\u201c, darunter neben dem Titelst\u00fcck und dem oben genannten auch \u201eJust A Little Boy (For Chester Burnett)\u201c. Es ist schon erstaunlich. Die Swans gibt es seit 1982, sie waren in den 80ern Einfluss f\u00fcr extrem viele andere Bands, so benannten sich die Young Gods nach dem Label der Swans. Musikalisch gingen die Swans diverse Inkarnationen durch, vom schleppenden Death Metal \u00fcber Folk und Techno bis \u2013 ja, was ist das eigentlich f\u00fcr Musik, die die Band heute macht? Gottlob zu sperrig f\u00fcr die Schublade. Und das auf Album drei nach der Reunion. Die wenigsten Bands, die sich nach einer Pause wieder zusammenfinden, erschaffen danach relevante Musik. Die Swans tun dies. Auch wenn es sich bei den Swans heute personell nat\u00fcrlich nicht um die Swans damals handelt. Und auch wenn live nicht immer von Musik die Rede sein kann. Was machen diese sechs alten M\u00e4nner anders, dass man ihnen ihre Strukturlosigkeit nicht nur freundschaftlich abnimmt, sondern sie sogar noch feiert? Zun\u00e4chst ist da die musikalische Qualit\u00e4t jedes einzelnen auf der B\u00fchne. Wer so brillant sch\u00f6ne Passagen spielen kann, \u00fcberl\u00e4sst im L\u00e4rm nichts dem Zufall. Vielleicht ist es das sp\u00f6ttische Grinsen des Tastenmannes, das einem als Gegensatz zum konzentriert-stoischen Gebaren des Bandchefs signalisiert, dass die Band eigentlich Spa\u00df an dem hat, was sie da treibt. Und erinnert uns Menschen dieser L\u00e4rm nicht vielleicht sogar unbewusst an die br\u00fcllende Blutzirkulation im Mutterleib, als alles noch gut und die grausame Welt noch ein ferner Ort war? Es mag auch am Tempo liegen: Die Swans \u00fcberfordern den H\u00f6rer nicht mit zu vielen Details. Auch wenn die Songs tanzbar sind, geschieht in ihnen nicht so viel Ablenkedes, dass man nach zweieinhalb Stunden das Gef\u00fchl hat, eigentlich zehn Konzerte erlebt zu haben. Es f\u00fcgt sich alles stimmig zusammen und bildet eine solide Einheit. Als Kontrast zum Alltag ist so eine handfeste Trance zudem ganz entspannend. Schlie\u00dflich macht die Band die Trance k\u00f6rperlich erlebbar. Die Musik dringt mit Lautst\u00e4rke und Wucht in die H\u00f6rer ein. Man f\u00fchlt sich wie in einer Supernova. Und beschenkt.<\/p>\n<p>Zuletzt stand die Band \u201ewie Schauspieler\u201c, so Gira, am B\u00fchnenrand und lie\u00df sich feiern. Die vermeintliche Arroganz war verflogen. Das gl\u00fcckliche Gef\u00fchl nicht. Sp\u00e4ter sah man die Musiker im Foyer durch die Menge streifen. Der Tastenmann erkl\u00e4rte dem Rezensenten, dass Kaugummikauen den Spielrhythmus nicht beeintr\u00e4chtigt, wenn man es wie er schon jahrelang ge\u00fcbt hat und sich vom Kaurhythmus nicht ablenken l\u00e4sst, sondern den an die Musik anpasst. Und Michael Gira signierte Objekte und erl\u00e4uterte entschuldigend, dass er von der Frequenz des Monitors fast taub geworden w\u00e4re. Wir auch, Michael. Danke f\u00fcr den Abend.<\/p>\n<p>Den leitete \u00fcbrigens Margaret Chardiet alias Pharmakon ein, eine extreme Soundk\u00fcnstlerin aus New York, die eine Art 70er-Jahre-Industrial mit Geschrei erzeugte. Zun\u00e4chst maltr\u00e4tierte sie Dinge und wechselte anscheinend unmotiviert den Klangerzeuger, dann lie\u00df sie dumpfe Rhythmen erschallen und schrie sich taumelnd durch die Zuschauermenge. Was das sollte, war die Frage, die sich stellte \u2013 doch erhielt die K\u00fcnstlerin f\u00fcr ihre halbst\u00fcndige Performance massiven Applaus. Es passte auf jeden Fall zu dem Swans.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (26.10.2014) L\u00e4rm. Kaum mehr als das. Zweieinhalb Stunden lang. Mehr L\u00e4rm als Musik, und in der Musik mehr Rhythmus als Melodie. Eigentlich ist die Musik der Swans sehr simpel: repetetive Strukturen, unterlegt von Ger\u00e4usch. 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