{"id":6823,"date":"2024-10-15T19:59:07","date_gmt":"2024-10-15T17:59:07","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?page_id=6823"},"modified":"2024-10-15T20:00:12","modified_gmt":"2024-10-15T18:00:12","slug":"onkel-rosebud","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/20-jahre-krautnick\/onkel-rosebud\/","title":{"rendered":"Onkel Rosebud"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20-Jahre-KN-26-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20-Jahre-KN-26-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6803\" srcset=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20-Jahre-KN-26-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20-Jahre-KN-26-300x200.jpg 300w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20-Jahre-KN-26-768x512.jpg 768w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/20-Jahre-KN-26-1536x1024.jpg 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>2004 The Life Aquatic With Steve Zissou (USA, 119 Min., Wes Anderson)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jacques Cousteau war ein gro\u00dfer Held meiner Kindheit. Sobald sich die M\u00f6glichkeit ergab, bestaunte ich den Meeresforscher, Abenteurer, Dokumentarfilmer und sein ber\u00fchmtes Schiff \u201eCalypso\u201c im Fernsehen. Wes Andersons Tiefsehtaucher ist der komplexe Versuch, diese Welt der Kindheit mit ihren Gef\u00fchlen noch einmal auferstehen zu lassen, im vollen Wissen dessen, welche Entt\u00e4uschungen das Leben (z.B. die Schummelei von Monsieur Cousteau bei seinen Filmchen) seither mit sich brachte. Wes Anderson begr\u00fcndete mit dem Film ein eigenes Filmgenre, wo es um nix und gleichzeitig um alles geht. Je nachdem, von welcher Seite man aus das betrachtet. Alle Wes-Anderson-Filme sind polierte Schmuckk\u00e4stchen mit vielen kleinen Unterschachteln drin. In diesen Schachteln wiederum sind polierte Preziosen. Mister Anderson ist einer von den Menschen, die in anderen ein Licht anmachen k\u00f6nnen. Bei mir jedenfalls.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2005 20.05.2005<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>An dem Tag habe ich \u201emeine Freundin\u201c, die Muse nicht nur meiner Kolumne, geheiratet und bin mir bis heute sicher, dass es sich um die beste Entscheidung handelt, die ich im Leben je getroffen habe. Bei der Zeremonie kamen folgende Songs zum Einsatz: Yo La Tengo \u201eAutumn Sweater\u201c, The Smiths \u201eThere\u2019s A Light That Never Goes Out\u201c, Edvard Grieg \u201eHall Of The Mountain King\u201c und Windsor For The Derby \u201eThe Melody Of A Fallen Tree\u201d. Die Frage stellt sich nicht; w\u00fcrde ich so heute wieder machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2006 The Fountain (USA, 93 Min., Darren Aronofsky)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Suche nach Unsterblichkeit ist das Leitmotiv des Films. Ein Eso-Trip durch Raum und Zeit. Mit einem Hugh Jackman, der nie besser war und wurde. Es ist kein Film, sondern ein Trip. So atemberaubende Bilder mit enormer suggestiver Kraft hatte ich bis dahin noch nie im Kino gesehen. Vor allem die Gestaltung der psychedelischen Hintergr\u00fcnde in der Zukunft, die aus Geldmangel nicht mittels CGI generiert wurden, sondern die stattdessen das Ergebnis von Mikroskopaufnahmen chemischer Reaktionen in einer Petrischale sind, finde ich sensationell.<br>Darren Aronofsky hatte vorher schon zwei sehr sch\u00f6ne, ambitionierte Filme gemacht, \u201ePi\u201c und \u201eRequiem For A Dream\u201c, die die Latte der Erwartung an \u201eThe Fountain\u201c hochlegten. Dass er dann nach der Pressevorf\u00fchrung bei der Premiere der Filmfestspiele in Venedig ausgebuht wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Vor allem, weil \u2013 zwar konnten das die Kritiker damals nicht wissen \u2013 alles, was danach von ihm kam, wie \u201eThe Wrestler\u201c, \u201eBlack Swan\u201c oder \u201eMother!\u201c, kommerziell durch die Decke ging, \u201eThe Fountain\u201c k\u00fcnstlerisch gesehen aber nicht das Wasser reichen konnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2007 Malcolm Middleton \u201cA Brighter Beat\u201d (Full Time Hobby)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Territorial gesehen habe ich die zweitmeiste Zeit meines Lebens in Schottland verbracht. Studium, Beruf, Urlaub, Freunde besuchen. Landstrich und Mentalit\u00e4t sind meine Tasse Tee. Dazu die Begeisterung f\u00fcr hiesige Musik. Das ging schon fr\u00fch los mit Bands wie Waterboys, Proclaimers oder Big Country. Irgendwann verschob sich mein Fokus auf die Szene in Glasgow. Von da ist meine absolute Lieblingsband die Indie-Rock-Ikone Arab Strap. Diese besteht aus Aidan Moffat und Malcolm Middleton. Seit der ersten Trennung der Band ist \u201eA Brighter Beat\u201c die erste Solo-Ver\u00f6ffentlichung von letzterem. Ein Pop-Album f\u00fcr Leute, die Popmusik hassen. Liebeslieder f\u00fcr depressive Menschen. Und weil man bei KrautNick ja was gelernt kriegt, hier die Antwort auf die unvermeidliche Frage, was eigentlich ein Arab Strap ist: Eine Vorrichtung, in der Regel aus Leder, mit einem Metallring, die um den Penis und die Hoden gelegt wird, um die Erektion aufrechtzuerhalten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2008 Iron Man (USA, 126 Min., Jon Favreau)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Von \u201eJetzt bin ich dran\u201c aus dem 1. Teil bis zur Sterbeszene in \u201eAvengers 4: End Game\u201c: \u201eAber ich bin Iron Man\u201c. Zum Privileg, Kinder zu anst\u00e4ndigen Erwachsenen zu formen, geh\u00f6rte auch, das Marvel Cinematic Universe voll auszukosten. Dank der \u00fcber alle Ma\u00dfen egozentrischen Darstellung von Robert Downey Jr. ist \u201eIron Man\u201c mein verdammt noch mal coolster Motherfucker im gesamten Superhelden-Universum. Knapp vor Captain America und Rocket von den Guardians.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2009 Egon Schiele \u201eVier B\u00e4ume\u201c (Schloss Belvedere, Wien)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-medium\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2009.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"233\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2009-300x233.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6824\" srcset=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2009-300x233.jpg 300w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2009-385x300.jpg 385w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2009.jpg 681w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es ist eine melancholische Hymne an die Natur, f\u00fcr die Egon Schiele 1917 vier Kastanienb\u00e4ume in herbstlichem Gewand vor einem prachtvollen Abendrot in einer symmetrischen Reihung in Szene setzte. Dieser Himmel, dieses durch horizontale Linien gegliederte Farbenmeer ist atemberaubend. Eine, wenn nicht die sch\u00f6nste Landschaft im \u0152uvre des K\u00fcnstlers habe ich im Original im Schloss Belvedere in Wien gesehen. Absolut beeindruckend, wie riesig das ist. Leider sagt man den Wienern nach, dass es sich um Nazi-Beute-Kunst handelt. Deshalb h\u00e4ngt auch nur ein kleinerer Nachdruck des Gem\u00e4ldes im Wohnzimmer von meiner Freundin und mir.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2010 Inception (USA\/Gro\u00dfbritannien, 148 Min., Christopher Nolan)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Film ist nat\u00fcrlich ein B\u00e4nger, wie jeder von Mister Nolan f\u00fcr jemanden, der das Kino liebt. Leider negativ bemerkenswert ist die Tatsache, dass der Film immer an seiner Komplexit\u00e4t gemessen wird. Filme sind Kunst. Man stellt sich im Museum doch nicht vor ein Gem\u00e4lde, geht 30 cm heran und analysiert jeden Pinselstrich. Man geht ein paar Schritte zur\u00fcck und l\u00e4sst das Gesamtbild auf sich wirken. Nolans Werk ist perfekt in allen Belangen: Bilder, Schnitt, Musik und Geschichte haben mich im Zusammenspiel schlichtweg \u00fcberw\u00e4ltigt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2011 06.04. Belle &amp; Sebastian, Berlin, Columbiahalle<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Noch einmal Glasgow: Die scheue Band um Isobel Campbell, Sarah Martin, Stuart Murdoch und Stevie Jackson auf dem H\u00f6henpunkt ihres Schaffens. Hymnen meiner Selbstfindung, wie \u201eLe Pastie de la Bourgeoisie\u201c, \u201eThe State I Am In\u201c, \u201eLazy Line Painter Jane\u201c und na klar \u201eThe Boy With The Arab Strap\u201c, live (leider ohne Isobel) gesehen zu haben, treibt mir heute noch sinistre Tr\u00e4nen des Wohlbefindens in die Augen. Interessant ist auch, dass der charismatische Frontmann schon an Post-Covid litt, als es Corona in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung noch gar nicht gab. Deshalb dreht sich in den Lyrics von Stuart-\u201eYou know, I\u2018m hot\u201d-Murdoch \u2013 neben dem Leben von Au\u00dfenseitern im Teenager-Alter \u2013 auch viel um die Erfahrungen mit seiner Erkrankung (Myalgische Enzephalomyelitis\/Chronisches Fatigue-Syndrom). Dass er es damit \u00fcberhaupt \u00fcber den Teich in die Konzerthallen Europas geschafft hat, grenzt f\u00fcr mich an ein Wunder.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2012 Eoin Colfer \u201eArtemis Fowl \u2013 Der Atlantis-Komplex: Der siebte Roman\u201c (Ullstein Verlag, 336 Seiten)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein Privileg, wenn man Kinder hat: Kinderb\u00fccher lesen. \u201eArtemis Fowl\u201c ist eine Roman-Fantasyserie des irischen Autors Eoin Colfer. Colfer erz\u00e4hlt darin die Lebensgeschichte des hochintelligenten Jungen Artemis Fowl, der immer wieder mit dem Erdvolk aneinanderger\u00e4t. Es gibt acht B\u00fccher und Teil 7 war der letzte sehr gute und allesamt sind f\u00fcr mich um Welten besser als Harry Potter, wobei beide die eine oder andere Parallele aufweisen und nicht ganz klar ist, wer da von wem abgeschrieben hat. Nach jahrelangem hin und her \u00fcber die Filmrechte wurde das Franchise unter Leitung von Kenneth Branagh 2020 leider v\u00f6llig verkackt. Es h\u00e4tte sooo sch\u00f6n werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2013 Pisse \u201eBootsmann auf der Scholle\u201c (Mamma Leone Records)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Jahr erblickte der erste Song der Punk-Rock-Combo Pisse aus Sachsen das Licht der Welt in Form eines Split-Tontr\u00e4gers mit Kairo. Die Band sollte mir im weiteren Verlauf meines Lebens viel Freude bereiten \u2013 sowohl live in concert, auf Kurz- und Langspielplatten wie \u201ePraktikum in der Karibik\u201c (2014), \u201eMit Schinken durch die Menopause\u201c (2015) oder \u201eHornhaut ist der beste Handschuh\u201c (2018), alle auf Phantom Records, oder als DJ mit dem Song-Klassiker \u201eFahrradsattel\u201c. Weil, ich bin auch Ronny. Der ganz eigene Humor, gepaart mit noisigem Sound nebst Theremin, und die Misanthropie, mit der die Ronnies (so die angeblichen Vornamen der Mitglieder) der Band au\u00dferhalb der \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit von Live-Auftritten auffallen, sind immer Garant f\u00fcr gute Laune.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2014 17.06. Arcade Fire, Dresden, Junge Garde<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eigentlich steht 2014 f\u00fcr N\u00f6ckelt\u00f6ck 7, Brasilien 1 \u2013 ein glorreicher Moment des linearen Fernsehens, bei dem noch ungestraft davor gekniet werden durfte. Der Stop der Tour zum vierten Album \u201eReflektor\u201c der kanadischen Artrocker kredenzte mir in der sch\u00f6nsten Live-Location meiner Heimatstadt das beste Konzert, auf dem ich je gewesen bin. Im Titelsong, der der Opener war, gibt es nach 2:40 Minuten eine Sequenz, da kriege ich heute noch G\u00e4nsehaut. Und dazu ging auf der B\u00fchne eine Videoshow los, die die Kinnladen der Beteiligten nur so klackern lie\u00dfen. \u201eI thought I found a way to enter. It\u2019s just a Reflektor!\u201d<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2015 01.08. Battle Proms, Highclere Castle, Newbury (Berkshire)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-medium\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2015.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"234\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2015-300x234.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6825\" srcset=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2015-300x234.jpg 300w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2015-384x300.jpg 384w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2015.jpg 599w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ein Battle Proms ist ein Picknickkonzert unter freiem Himmel mit Musik, Feuerwerk, Spitfire, Kanonen und Kavallerie. Ein ausgelassener Nachmittag der Britishness, an dem der gemeine Inselbewohner die zahlreichen milit\u00e4rischen Siege gegen fremde Ein- und Aufdringlinge und nat\u00fcrlich sich selbst als Teil der besten Nation aller Zeiten feiert. Viel \u201efun with flags\u201c jedenfalls. Und etwas unheimlich dazu, weil man jeden Augenblick erwartet, dass der John Cleese aus Fawlty Towers im Stechschritt auftaucht. Don&#8217;t mention the war, nicht wahr. Anyway, unser damaliger Urlaub in S\u00fcdengland f\u00fchrte uns zur Original-Kulisse der sehr verehrten TV-Serie \u201eDownton Abbey\u201c, Highclere Castle, wo ebendies im Garten stattfand. Zehntausend entfesselte Engl\u00e4nder singen lagerselig \u201eRule, Britannia!\u201c. Obskur, aber einmalig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2016 Sanft &amp; Sorgf\u00e4ltig \/ Fest &amp; Flauschig (Podcast)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Jan und Olli wechselten mit ihrem Podcast von Radio 1 zu sptfy. Ich war skeptisch. Nun h\u00f6re ich das schon seit 13 Jahren jeden Sonntag, wenn ich mir es einrichten kann. Und das, obwohl ich normalerweise nicht leicht zu unterhalten bin. Jedenfalls wei\u00df ich sicher, dass ich kein Misophoniker bin. Ich bin weniger wegen Olli Schulz da so hinterher, denn wenn der eloquente Jan B\u00f6hmermann lacht, geht die Sonne auf. Oder, um Colette aus Aschersleben von einer Nazi-Demo in Gera am letzten Septemberwochenende zu strapa-zitieren: \u201eWissenschaftler haben herausgefunden, der Anus eines Blauwals misst ungef\u00e4hr einen Meter Durchmesser und ist somit das zweitgr\u00f6\u00dfte Arschloch der Welt gleich hinter B\u00f6hmermann.\u201c Wie sagte mal ein beruflicher Chef von mir: \u201eViel Feind, viel Ehr\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2017 Westworld (USA, HBO, 36 Episoden, 2016\u20132022)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Serie von Jonathan Nolan, dem kleinen Bruder vom Christopher, basiert auf dem Roman von Michael Crichton sowie dem daraus resultierenden Spielfilm von 1973 mit einem \u00fcberragenden Yul Brynner. Die Hauptfiguren sind allesamt Computer in einem Vergn\u00fcgungspark. Sie bestehen aus Nullen und Einsen. Egal, wie sehr sie sich anstrengen, weinen, t\u00f6ten, lieben, sie leben nicht. Sterben sie, werden sie neu geboren bzw. reaktiviert. Im Laufe des langsamen und atemlos-spannenden Handlungsbogens habe ich tats\u00e4chlich trotzdem angefangen, mich mit ihnen zu identifizieren. David Lynch und Alejandro Jodorowsky h\u00e4tte das auch gefallen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2018 RiP Mark E. Smith<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Jahre halte ich es mit Yoda aus Star Wars: \u201eDer Tod ein nat\u00fcrlicher Teil des Lebens ist. Frohlocke und jauchze f\u00fcr diejenigen in deiner N\u00e4he, die zur Macht \u00fcbergehen.\u201c Aber ich habe so einiges verkraften m\u00fcssen: Lemmy, David Bowie, Prince, Leonard Cohen, Alan Rickman, Roger Willemsen, Marc Hollis, Scott Walker, Wiglaf Droste (um nur mal einige m\u00e4nnliche Ex-Protagonisten zu nennen). Und in dem Jahr eben Mark E. Smith, zu dem der \u00fcbergro\u00dfe John Peel einmal sagte: \u201eAlways different, always the same&#8220;. Siehe auch Kollege Guidos Beitrag zum Jahr 2005.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2019 John Coltrane \u201eBlue World\u201c (Impulse! Records)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBlue World\u201c ist ein Jazz-Album von John Coltrane f\u00fcr den ersten Langfilm des kanadischen Filmemachers Gilles Groulx, \u201eLe chat dans le sac\u201c aus dem Jahr 1964. Nachdem die B\u00e4nder der Studiosession 2018 wiederentdeckt worden waren, wurden sie 2019 wiederver\u00f6ffentlicht. Ich nahm das zum Anlass, mich auf die Reise in die Tiefe der Kunst des atemberaubend variantenreichen Saxophonisten zu machen. John Coltrane ist f\u00fcr manche eine kakophonische L\u00e4rmbel\u00e4stigung. F\u00fcr mich jedoch einer, der das ganze Universum in die Musik gebracht hat. Dar\u00fcber schreib\u2018 ich bestimmt noch mal ne Kolumne.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2020 Various Artists \u201eIch Liebe Musik Vol. 2\u201d (Windlustverlag, 256 Seiten)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-medium\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2020.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"211\" height=\"300\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2020-211x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6826\" srcset=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2020-211x300.jpg 211w, https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/Onkel-2020.jpg 507w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nach Teil 1 aus dem Jahr 1999 erschien im ersten Corona-Seuchen-Jahr der 2. Teil meines literarischen Buchtriologie-Lebenswerks. Leider ohne die entsprechende Sause. Nat\u00fcrlich wieder mit dabei die Herren van Bausenick und Auf der D\u00f6rrheide. Elma Mann schrieb dar\u00fcber am 15.05.2020 in der DNN: \u201eIch Liebe Musik Vol. 2 \u2026 beinhaltet insgesamt 69 \u00c4u\u00dferungen zu Musikst\u00fccken, die den jeweiligen Urhebern eine gewisse, fast immer positive Lebens\u00e4nderung bescherten \u2013 und sie permanent quasi-hymnisch durchs Leben begleiten. Musik als kulturvolle Medizin, individuellen Lebensquell und gemeinsamer emotional verbindender Nenner einer einander oft nicht n\u00e4her bekannten Gemeinde.\u201c<br>Wer beim Lesen bis hierher gekommen ist, sollte ein Exemplar daheim im B\u00fccherregal stehen haben. Restexemplare kann man noch unter headlust.de bestellen. Zwinkersmilie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2021 Team Scheisse \u201eIch habe dir Blumen von der Tanke mitgebracht (jetzt wird gek\u00fcsst)\u201c (Soulforce Records)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor sie gro\u00dfe Hallen f\u00fcllten, war das Neues aus der \u201ePisse\u201c-Schule. Der S\u00e4nger n\u00f6lt sich durch die gr\u00f6\u00dftenteils eher langsam gespielten, kurzen und einfach strukturierten Songs. Dabei zeigt er ein extrem hohes Ma\u00df an Humor, 1-2-3-Deutschpunk, der aber so smart ist, wie er stumpf ist. Hooks und Melodien, als w\u00fcrde heimlich ein kleines Popalbum zwischen all den F\u00e4kalien stecken. Und toller Titel sowieso.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2022 23.09. The Notwist, Reithalle Dresden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re meine musikalische Wahlheimat nicht schon Glasgow, dann w\u00fcrde ich mich f\u00fcr Weilheim in Oberbayern entscheiden. Von dort stammen die umtriebigen Br\u00fcder Markus und Micha Acher aka The Notwist, von denen ich mal dachte, dass ihr Song \u201eThe Incredible Change Of Your Alien\u201c den deutschen Indie-Rock rettet. Leider waren die Konzerte von Notwist immer ziemlich lahm. Aber \u00fcberhaupt nicht so 2022. Das hat geradezu richtig gefetzt. Warum gerade Weilheim so viele tolle, kreative Bands wie Tied &amp; Tickled Trio, Lali Puna, Ms. John Soda, Hochzeitskapelle oder Computer hervorgebracht hat, liegt neben den Acher-Bros bestimmt auch an dem Musiklabel Hausmusik, welches in den 90ern in meinem Dunstkreis quasi Kultstatus erlangte, bleibt mir insgesamt aber ein R\u00e4tsel. Um das zu l\u00f6sen, m\u00fcsste ich wohl mal meinen Lebensmittelpunkt dahin legen. Das k\u00e4me dann zwar mindestens 20 Jahre zu sp\u00e4t. Wenn ich meiner Freundin das vorschl\u00fcge, w\u00fcrde sie sich in der Sitzschnecke r\u00e4keln und gelangweilt sagen: \u201eOrneh, Bayern. Nicht dein Ernst.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2023 Brutalismus 3000 \u201eUltrakunst\u201c (Live From Earth)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Post-ironischer Spa\u00df oder geistlose Selbstzerst\u00f6rung? \u201eUltrakunst\u201c ist das Album-Deb\u00fct des Ballerbeat-Duos Brutalismus 3000 aus Berlin, welches man irgendwo zwischen Hardcore-Techno, Gabber und Elektropunk einordnen kann. \u00dcbersetzt f\u00fcr uns GenXler: D.A.F. trifft Atari Teenage Riot, nur in jung, weiblich und hip, dazu bissig, respektlos und schnell. Ein wildes und selbstbewusstes Album, ein abwechselnd be\u00e4ngstigendes und rotziges Feuerwerk aus Wut und Humor, das wie eine richtig gute Party klingt, die aus den Fugen geraten ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>2024 Haruki Murakami \u201eDie Stadt und ihre ungewisse Mauer\u201c (DuMont Buchverlag, 672 Seiten)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Haruki Murakami ist ein lebendiger Gott der Literatur. Nach sechs Jahren Ver\u00f6ffentlichungspause erschien p\u00fcnktlich zum 75. Geburtstag des Meisters im Januar sein neuer Roman. Es ist unglaublich entspannend, es zu lesen. Wirklich jedes Jahr, seit ich sie kenne, regt sich meine Freundin auf, wenn Herr Murakami nicht den Nobelpreis f\u00fcr Literatur gewinnt. Haruki Murakami, geboren 1949 in Ky\u014dto, ist neben Hayao Miyazaki (Studio Ghibli, aber das ist eine andere Geschichte) der Japaner, der unsere gepflegte Daseinsbew\u00e4ltigung am meisten beeinflusst und uns eine Faszination f\u00fcr diesen Kulturkreis vermittelt hat. Nicht zuletzt durch seinen Stil, der von surrealistischen Elementen und Anspielungen auf die Popkultur gekennzeichnet ist. Dieses Jahr klappt\u2019s bestimmt mit dem Nobelpreis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2004 The Life Aquatic With Steve Zissou (USA, 119 Min., Wes Anderson) Jacques Cousteau war ein gro\u00dfer Held meiner Kindheit. Sobald sich die M\u00f6glichkeit ergab, bestaunte ich den Meeresforscher, Abenteurer, Dokumentarfilmer und sein ber\u00fchmtes Schiff \u201eCalypso\u201c im Fernsehen. 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