Purgamentum – Aschewelt – Purgamentum 2014

Von Matthias Bosenick (31.03.2014)

Black Metal soll es sein. Das sagt die Band selbst jedenfalls und gibt sich auch die entsprechenden optischen Insignien, aber mal ehrlich: Es stimmt nicht. Und das ist auch gut so. Wer den puren Black Metal erwartet, wird enttäuscht, und wer offen ist für jede Art von Erweiterung, wird belohnt. Das Wolfsburger Quintett spielt sauber auf hohem Niveau, vermeidet den Soundbrei, kann komponieren, mag schöne Melodien, beherrscht mehr als nur die eine genannte Musikrichtung und hat Humor. Mit diesen Fähigkeiten kreiert die Band ein Album, das man gerne immer wieder hört, auch wenn man Black Metal vielleicht nicht als sein favorisiertes Genre nennt.

Natürlich gibt es Blastbeats und die damit einhergehenden knallharten Ambientteppiche. Aber das nicht permanent und ausschließlich, und schon ist man angenehm raus aus dem handelsüblichen Black Metal. Auch der Gesang ist untypischerweise als solcher erkennbar, wenn auch die Texte nicht immer eindeutig verständlich sind, aber darum geht es ja auch nicht. Zur Not kann man ins Booklet schauen. Darin erfährt man, dass die gegenwärtige Gesellschaft als solche Inspiration für Purgamentum ist, und, nun, das Ergebnis ist mindestens zynisch, wenn nicht einfach mal lustig.

Zurück zur Musik. Der Opener „W.A.R.“ erfasst das titelgebende Thema mit Military-Drums; das erinnert fast an „Machine Gun“ von Jimi Hendrix‘ Band Of Gypsys. In der Folge grooven Purgamentum, was das Zeug hält, und bedienen sich höchst abwechslungsreich bei Thrash, Death und weiß der Geier was für Sorten von Metal, und das so nebenbei, dass man höchst zufrieden ist und vergisst, dass man sich unter Black Metal eigentlich etwas anderes vorgestellt hat. Die Sounds sind dabei satt und klar, die Elemente sitzen, alles ist präzise, und doch in sich rauh genug, um nicht klinisch glatt zu sein.

Damit zumindest einige Ansprüche an Black Metal erfüllt sind, malen sich die Musiker die Gesichter schwarz und weiß an, beschmieren ihre freien Oberkörper, so sie nicht unter artgerechten Bandshirts verborgen sind, und behängen sich mit Nieten und Patronen. Der Band-Schriftzug ist weitgehend lesbar, aber auch da verzichten die Wolfsburger nicht auf umgedrehte Pentagramme und Kreuze, wenngleich leicht versteckt. Der Rest ist schlichtweg Gesellschaftskritik, Apokalypse, Endzeitphantasie, durchweg ernst gemeint, aber spöttisch vorgetragen.

Nun ist Black Metal nicht eben lebensbejahend, das Purgamentum-Hauptthema ebenfalls nicht. Und doch leisten sich Purgemantum etwas, das ihnen Eingefleischte vermutlich zur Last legen würden, dem gelegentlichen Black-Metal-Verehrer aber die Freudentränen in die Augen treibt: Sie beenden das Album mit einer positiven Stimmung. Der Rausschmeißer „In das Vergessen“ umhüllt den Hörer mit Wohlklang, Harmonien, schönen Akkorden. Es gibt offenbar Hoffnung. Das tut gut und lässt die Entscheidung viel leichter fallen, erneut auf Play zu drücken.

Mit diesem Album verankern sich die Wolfsburger in der Masse der Black-Metal-Bands aus dem Stand auf allerhöchsten Positionen. Respekt! Aber so richtig aus dem Nichts kommen die Musiker nicht, sind sie doch zu assoziieren mit Bands wie Wasteland, Cryptic Brood und anderen. Wie man das Album erwerben kann, erfährt auch der Nicht-Facebook-Nutzer hier.

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