Project Pitchfork – Fragment – Trisol 2018

Von Matthias Bosenick (19.10.2018)

Je weiter sich Peter Spilles von seinen Fähigkeiten als Komponist entfernt, desto größer wird sein Output – keine glückliche Entwicklung für Project Pitchfork. Viel hilft eben nicht viel, da wäre eine Pause angeraten, doch ist dies mit Ansage derzeit nicht in Aussicht, denn die Band befindet sich inmitten einer Albumtriologieveröffentlichung. Das aktuelle „Fragment“ setzt das neue Triptychon kaum ein Jahr nach „Akkretion“ fort und impliziert die baldige Fortsetzung. Die man nicht braucht, wenn die Pitchies die Tendenz beibehalten, von Album zu Album schlechter und beliebiger zu werden. „Fragment“ ist Düsterschlager mit Schunkelgarantie.

Spilles‘ Output erschlägt einen. Jahr um Jahr neue Alben mit im Grunde kaum veränderten Liedern, da hilft auch kein spirituell-gesellschaftskritischer Überbau: Seine Synthetikmucke wiederholt sich und wiederholt sich und wiederholt sich, und je häufiger sie dies tut, desto mehr schleift sie ihre Ecken und Kanten ab. Wenn Spilles dann doch mal Dirk Scheuber eine Gitarre bratzen lässt, klingt das wie ein Äquivalent zum schlechten Photoshop. Und die Strukturen der Songs feiern auch Helene-Fischer-Fans.

Man kann natürlich auch befinden, dass die Mucke einen hohen Wiedererkennungswert hat: Spilles bleibt sich treu, man kriegt, was man erwartet, hier werden keine Versprechen gebrochen. Stimmt: Seit die Band auf Trisol veröffentlicht, klingen alle Alben beinahe gleich, also seit „Continuum Ride“ 2010. Das betrifft nunmehr sieben Alben und gilt vermutlich auch für das nächste.

Vorbei die Zeiten, als die Pitchies sogar als Chartsband noch gruftig waren, vor rund 20 Jahren. Ganz abgesehen von denen, bis sie zur Chartsband wurden, mit einem noch gitarrenfreien Electro, der deutlich von Skinny Puppy beeinflusst war und mit harscheren Sounds und kompromissloseren Songstrukturen eigene Akzente setzte, nicht nur in der Szene. Auf die sollte man ohnehin längst nicht mehr hören – wenn „Fragment“ tatsächlich den Szenegeschmack trifft, gibt es keinen Grund, sich dieser neuerlich zugehörig zu fühlen.

Wie immer kommt auch „Fragment“ limitiert als Buch mit hübschen Bildern und einer Bonus-CD mit zwei exklusiven Tracks und drei Remixen. Der Auftakt der Bonus-CD lässt einmal aufhorchen, dann vergeht das auch wieder und man findet sich erneut in leicht gedimmter Schlageratmosphäre wieder. Da glüht nichts mehr wie Io im All.

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