Mombasa – Shango Over Devil’s Moor – Sireena 2017

Von Matthias Bosenick (29.05.2017)

Der Bandname weckt Assoziationen: Fela Kuti, Rumble In The Jungle, Jazz, Funk, Afrobeat, Gute-Laune-Krawallmusik mit Seele. Und „Shango Over Devil’s Moor“ bietet: genau das alles. Das Album ist ein Livemitschnitt aus Stagge’s Hotel aus dem Jahr 1976, hat also satte 41 Jahre auf dem Buckel, aber wenn man sich vergegenwärtigt, wer alles an Neo-Hipstern in den vergangenen Jahren Vergleichbares in seine Mucke integrierte, klingt „Shango“ beinahe zeitgemäß, zeitlos mithin. So ganz verleugnen lässt sich die Entstehungszeit auf Spieldauer natürlich nicht, aber auch das ist reizvoll. Ein spannendes Stück Musikgeschichte aus Osterholz-Scharmbeck.

Das Album startet genau so, wie es sich gehört: Nervöse Uptempo-Aftrobeats, Kuhglocken, Trompeten, Bassgalopp, Soli, alles auf einem Thema, eine Viertelstunde lang. Ein bisschen Fela Kuti, etwas Maceo Parker oder James Brown, vielleicht Miles Davis, Fiebertänze, Nervosität, keine Zeit zu verlieren, und doch dauern fast alle folgenden Tracks um die zehn Minuten, in denen kein Bein ungezuckt bleibt. Die Band verströmt eine Wahnsinnsenergie und das Publikum lässt sich hörbar davon erfassen.

Der Musikmix ist kein Wunder, wenn man die Eckdaten kennt: Bandchef war Lou Blackburn, ein Jazzmusiker aus den USA, der in Berlin bei Agitation Free gleichnamige Jazzmusik mitgestaltete. Nach einem Aufenthalt in Afrika scharte er Musiker aus jenem Kontinent um sich und gründete mit ihnen Mombasa. „Shango Over Devil’s Moor“ entstand mit Material der ersten beiden Alben sowie improvisierten Jams. Doch so fett, wie die Show klingt, erweckt es nicht den Eindruck von Newcomern, die erst seit drei Jahren zusammen musizieren. Da brennt die Hütte. Von Mombasa gab es danach nur noch drei Alben, Blackburn starb neun Jahre später, 1990, in Berlin.

Shango“ ist der vierte Teil der Live-Serie aus Stagges Hotel, den Sireena veröffentlicht. Einmal mehr bestätigt sich das Label als Erkunder des Unerkundeten, als Vermittler des Vergessenen. Was Wunder – das Label sitzt in Osterholz-Scharnbeck, da ist man an der Quelle.

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