Der Weg einer Freiheit – Finisterre – Season Of Mist 2017

Von Matthias Bosenick (19.09.2017)

Es ist fast ein innerer Zwang, der einen dazu treibt, „Finisterre“ immer und immer wieder zu hören. Der Weg einer Freiheit schlagen einen anderen Weg im modernen Black Metal ein als die Blackgazer: Bei ihnen dominiert die Härte über die reine Soundfläche, „Finisterre“ geht unablässig mitten ins Gesicht. Die Kunst besteht darin, trotzdem atmosphärisch, melodiös und progressiv zu sein. Es gibt also nett in die Fresse. Auch, wenn‘s ums Ende der Welt geht.

Immer wieder überrascht bei Der Weg einer Freiheit, wie klar die Musik klingt. Black Metal ist schon lange kein Soundbrei mehr, auch wenn die Wall of Sound ein erklärtes Ziel des Genres ist. Die Songs auf „Finisterre“ sind zeitgleich schleppend und extrem schnell: Die Lücken, die der malmende Groove lässt, füllen Blastbeats; das irrwitzige Schlagzeugtempo steht zumeist für sich allein, die Gitarren orientieren sich an den Melodien, und die halten sich an das Midtempo. Sobald auch die Blastbeats unterbleiben, fügt sich alles zu einem halsbrecherischen Groove zusammen. Und wie es sich aktuell in dem Genre gehört, lassen auch Der Weg einer Freiheit regelmäßige dunkle, leere Passagen zu, die mit einsam gezupfter Gitarre eine erhebliche Traurigkeit ausströmen. Gute Laune bekommt man hier ohnehin ausschließlich deshalb, weil die Musik einfach unsagbar gut ist, aber nicht, weil sie sie ausstrahlt. Das soll ja auch genau so sein.

Und trotzdem zieht einen die Schwermut nicht herunter, sondern geht von der Musik eine umwerfende Kraft aus. Die Welt ist, wie sie ist, das lösen Der Weg einer Freiheit nicht aus, sondern beschreiben es lediglich. Und sie beschreiben es treffend. Und in wechselnden Stimmungen: Das zweigeteilte „Skepsis“ etwa kippt vom beinahe Versonnenen in einen überraschenden Gewaltausbruch. Manchmal ragt der Black Metal in den Death oder Thrash Metal, manchmal in den Postrock. Damit bildet die Musik die Inhalte ab, die sich angelehnt an den Roman „Die Wand“ von Marlen Haushofer rund um Einsamkeit, Entfremdung, Isolation drehen – und damit weder den ursprünglichen Black Metal noch den Blackgaze bedienen: kein Okkultismusblödsinn, keine Naturbetrachtungen. Letztlich versteht man die klassischen, aber zum Sound passenden Keifgesänge ohnehin nicht, aber dennoch ist es gut, zu wissen, wes Geistes Kind die Würzburger sind.

Offiziell endet das Album mit einer Geige. Auf der Doppel-LP (und auf der limitierten CD-Box) bekommt man den Bonus-Track „Neubeginn“, einer Neuaufnahme des Publikumslieblings vom acht Jahre alten Debütalbum. Fans und Sammler dürfen sich um die verknappten Vinylfarben rangeln, das transparente Rot etwa gab‘s nur 200 mal und über die Bandseite. Den Download gibt‘s nur ohne den Bonus-Track.

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