Ben Aaronovitch – Geister auf der Metropolitan Line – DTV 2018

Von Matthias Bosenick (08.06.2018)

Es wird unübersichtlich im Kosmos des zaubernden Polizisten Peter Grant, und das nicht nur inhaltlich: „Geister auf der Metropolitan Line“ (Original: „The Furthest Station“) ist nicht der siebte Band der schwarzhumorigen Urban-Fantasy-Krimi-Reihe „Die Flüsse von London“, sondern die erste von offenbar vier angekündigten Novellen abseits des Hauptstrangs. Verglichen mit den Bänden 4 und 6 zeigt sich, dass Verknappung dem Autoren guttut: Aaronovitch kommt schneller zur Sache und schweift nicht so langweilend ab. Ein leckerer Snack, der dafür allerdings viel zu teuer ist.

Mit Einschränkungen ist dieses Heftlein sicherlich auch für Erstleser verständlich, da Aaronovitch die Geschichte zwar im Hauptquartier der Magiepolizei und zeitlich zwischen den Bänden fünf und sechs verankert, aber das erforderliche Basiswissen reduziert und nötigenfalls erläutert, und was dann noch übrigbleibt, ist nicht weiter relevant. Geistererscheinungen in der U-Bahn und Zeugen, die die Erinnerung daran sofort verlieren, bilden den Auftakt der Geschichte. Mit seinem Sidekick Jaget Kumar und seiner als Praktikantin im Folly – dem Hauptquartier der Magiepolizei – eingesetzten Nichte Abigail nimmt Grant die Ermittlungen auf. Die handelt Aaronovitch recht salopp ab: Vom Ergebnis einer Befragung zum nächsten Hinweis und so weiter. Sehr geradlinig; das mindert die Spannung zwar etwas, nimmt aber auch den Raum für die zuletzt zu häufigen Nebenschauplätze ohne Bezug zur Geschichte. Weitgehend, so ganz lassen kann Aaronovitch das nicht, aber die kleinen Schlenker wie der mit dem Flussgeistkind nerven nicht. Das Problem der Geschichte ist lediglich, dass sie so unkomplex voranschreitet, dass es dem Leser nicht sonderlich negativ auffällt, dass die Lösung mehr Fragen offen lässt als beantwortet. Schulterzucken, Buch weglegen und sich an der trotzdem angenehm verbrachten, kurzen Lesezeit erfreuen.

Es ist tatsächlich nicht schlimm, dass hier der Tiefgang fehlt. Das tat er auch im letzten Buch der Hauptreihe, „Der Galgen von Tyburn“, nur fiel das dort wegen der deutlich längeren Geschichte viel mehr ins Gewicht. In der vorliegenden Kürze reicht es aus, dass man die bekannten Zutaten mundgerecht verabreicht bekommt, also Magieanwendungen, übernatürliche Erscheinungen, Anti-Rassismus-Passagen (Grant ist schwarz und seine Kollegen kommen aus allen möglichen Teilen der Welt), gesellschaftskritische Gedanken.

Parallel zu diesem Büchlein arbeitet Aaronovitch angeblich am siebten Teil der Reihe. Drei weitere dieser kurzen Novellen sind auch in Planung, dazu weitere Comics, die nicht etwa die existierenden Romane illustrieren, sondern zwischen ihnen angesiedelte eigene Geschichten erzählen, sowie diverse Kurzgeschichten und Romane. Wer soll da noch durchsteigen. Die Comics gibt es übrigens bislang nur im Original, eine deutschsprachige Veröffentlichung soll aber geplant sein. Schlimm an dieser Novelle, die im Untertitel „Eine Peter-Grant-Story“ nur dezent darauf verweist, dass sie nicht zur Hauptreihe gehört, ist der Preis: Zehn Euro für 170 großbedruckte Seiten, die man in wenigen Stunden durchhat. Dafür kann der Autor sicherlich weniger als der Verlag, aber der Gedanke an Abzocke drängt sich auf, sofern man Peter Grant vollständig haben will, und das wird noch teurer als jetzt schon. Und hoffentlich übernimmt sich Aaronovitch nicht bei seinen Plänen.

Die Hauptreihe:
Die Flüsse von London (The Rivers Of London)
Schwarzer Mond über Soho (Moon Over Soho)
Ein Wispern unter Baker Street (Whispers Under Ground)
Der böse Ort (Broken Homes)
Fingerhut-Sommer (Foxglove Summer)
Der Galgen von Tyburn (The Hanging Tree)
Lies Sleeping (geplant)

Die Novellen:
Geister auf der Metropolitan Line (The Furthest Station)
What Abigail Did That Summer (geplant)
The October Man (Tobias Winter in Meckenheim, geplant)
Agent Kimberly Reynolds in Florence, Arizona (geplant)

Die Comics:
Body Work
Night Witch
Black Mould
Detective Stories
Cry Fox (geplant)
Water Weed (geplant)
The Fey And The Furious (geplant)
Action At A Distance (geplant)

Existierende Kurzgeschichten und weitere Ankündigungen:
The Cockpit
The Domestic
Cock Of The Wall
Nightingale: London 1966
The Home Crowd Advantage
The Loneliness Of The Long Distance Granny
King Of The Rats
A Rare Book Of Cunning Device
Roman über Nightingale

Wegen des hohen Spam-Aufkommens sind Kommentare bedauerlicherweise nicht mehr möglich.