Afsky – Sorg – Vendetta/Broken Silence 2018

Von Matthias Bosenick (29.05.2018)

Für die mondlosen Nächte muss ein Soloprojekt her: Deutlich persönlicher als mit seiner Hauptband Solbrud verarbeitet Sänger und Gitarrist Ole Luk aus Kopenhagen das, was ihn bewegt, mit Afsky. „Sorg“ stellt das erste volle Album dar, das zwar auf Black Metal basiert und damit die Nähe zu Solbrud belegt, indes eine andere musikalische Farbe und weit mehr Melancholie in sich trägt. Und Ausflüge abseits der Wege, in Richtung Doom und skandinavische Folklore etwa, letztere beigesteuert von der geistesverwandten Gastmusikerin Myrkur. So nahe liegen Freundschaften bisweilen.

Malmen, doomen, temporeich Strecke machen, Atmosphären über Riffgeschrubbe erzeugen: „Sorg“ bedient vordergründig die erwartbaren Elemente der Kategorie Black Metal. Doch stimmt Luk seine Gitarre etwas höher als bei Solbrud und passt seinen ohnehin gern seinen von Qualen getriebenen Gesang dem Ganzen noch an. Die nächste Überraschung kommt mit dem ersten Break: Kurz vor Ablauf des zweiten Tracks, also beinahe nach einer Viertelstunde, verfällt die Band in ein beinahe reflektiertes Postrockzögern. Für einen Moment kontempliert die Combo, dann zieht sie das Tempo noch einmal an – und überlässt das Feld daraufhin dem Meer, aus dem die rauhe Gitarre das nächste Stück heraushebt, wiederum mit Blastbeats und Geschrei; ins Meer zurück trägt den Song nach einer Weile eine Akustikgitarre.

Die zweite Seite beginnt mit Doom und verfällt dann in den beinahe klassischen Dreivierteltakt des Black Metal. Nachdem Luk bis dahin seine monolithischen Songs mit nur sehr spärlich gewechselten Akkorden errichtete, wagt er hier so etwas wie Melodien; zumindest, bis das Stück in den postrockigen Doom zurückfällt. Dann tritt Myrkur erstmals auf: Mit der Nyckelharpa dirigiert sie das Geschehen für kurze Zeit in die Folklore, bis Luk wieder das Ruder übernimmt und in vertrautem Sound losbrettert. Nach einem folkigen Akustikgitarrenintermezzo weht ein ganz anderer Wind, dann kehrt Myrkur zurück und erschafft mit der Nyckelharpa eine frostige Atmosphäre, auf die die Band im getragenen Tempo aufsetzt, bis Myrkur sie wieder unterbricht, dieses Mal zusätzlich mit ihrer hellen Stimme.

„Afsky“ (gesprochen „auskü“, rätselhaftes Dänisch) heißt Ekel, „Sorg“ heißt Trauer – doch lässt sich jene wohl am ehesten in den Texten verankern, weniger in der Musik, sofern man zumindest an Stimmungen dieser Art gewohnt ist, denn so richtige Deprimucke klingt nochmal anders als dieses Album. Melancholie, ja, die dringt heraus, sicherlich, aber gleichzeitig – dem Genre wohl geschuldet – auch so viel Energie, wie sie Depressive nicht haben. Emotionale Themen und Black Metal passen kombiniert bestimmt nicht ins Weltbild der Kritiker dieses Genres, doch treffen sie hier schlüssig aufeinander. Die Auftritte von Amalie Bruun alias Myrkur auf genau diesem Album erscheinen wie Stimmen aus der Vergangenheit, wie ein Kommentar aus alten Tagen; ihre schiere Anwesenheit mit Nyckelharpa und Gesang streut der titelgebenden Trauer Salz in die Wunden. Der arme Mann, möchte man meinen; dem empathischen Hörer sei versichert, dass es sich bei Luk um einen sehr lebensfrohen, positiven und sympathischen Menschen handelt.

Das Album gibt es als CD, LP (in Schwarz oder Weiß) und Tape (ebenfalls in Schwarz oder Weiß und in einer handgefertigten Holzkiste mit Wachssiegel), letztere beide Formate inklusive Downloadcode. Auf Bandcamp kann man außerdem die ersten beiden Demos von Afsky erwerben, deren Tracks nicht auf „Sorg“ enthalten sind. Und, wer‘s noch nicht getan hat, gleich mal bei Solbrud einchecken.

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